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Sanddorn Storchennest GmbH Ludwigslust : Auf Mission für orangefarbene Beeren

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Eigentlich hat Melanie Hensen gar keinen grünen Daumen. Das sagt sie zumindest über sich selbst. "Mein Vater wundert sich manchmal darüber, dass ich beruflich so viel mit Pflanzen zu tun habe", sagt die 34-Jährige.

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erstellt am 28.Jan.2011 | 07:50 Uhr

Ludwigslust | Eigentlich hat Melanie Hensen gar keinen grünen Daumen. Das sagt sie zumindest über sich selbst. "Mein Vater wundert sich manchmal darüber, dass ich beruflich so viel mit Pflanzen zu tun habe", sagt die 34-Jährige. Früher habe sie sich nämlich oft vor der Gartenarbeit gedrückt. Doch es ist weniger der Umgang mit den Sanddorn-Pflanzen, die die studierte Gartenbau-Ingenieurin umtreiben. Vielmehr begeistert sie die nicht immer ganz einfache Vermarkung des in Norddeutschland beliebten Produkts. Das sei in dem Unternehmen in den zurückliegenden Jahren etwas vernachlässigt worden, sagt Hensen. Auch Erfolgserlebnisse bei neuen Marketingideen konnte die gebürtige Kölnerin bereits verbuchen: Sechs Hamburger Filialen einer großen Lebensmittelladenkette haben seit kurzer Zeit Regale mit den Produkten des Sanddorn Storchennest aufgestellt. Es ist vorerst nur eine Testphase. Doch Melanie Hensen hat sich auf die Fahnen geschrieben, mehr in Richtung Vertrieb auch über größere Ladenketten zu denken. Ein weitere große Kette aus Norddeutschland ist schon seit längerem Kunde.

Doch selbst angesichts dieser Erfolgserlebnisse bleibt es dabei, dass Sanddorn-Produkte nicht jedermanns Sache sind. "Es gibt bei vielen Menschen Vorurteile gegenüber dem Geschmack", so Hensen. Viele Verbraucher seien davon überzeugt, dass Sanddornprodukte bitter seien. Doch die Veredelung sei heute hervorragend und die Produkte auch deshalb sehr schmackhaft. Auch der gelegentlich etwas ranzige Geschmack entstehe ausschließlich dann, wenn die Beeren zu lange hängen.

An der Ostsee sind Sanddorn-Produkte Verkaufsschlager

Gleichzeitig ist Sanddorn ein Nischen- und Modeprodukt voller Vitamine. Sehr beliebt sind die Erzeugnisse vor allem bei Touristen, vor allem an der Ostsee. Dort werden die Storchennest-Produkte in Hotels, Gaststätten und Souvenirläden verkauft. "In Frankreich kaufen die Touristen Käse oder Wein - an der Ostsee sind Bernstein und Sanddorn-Produkte die Renner", sagt Hensen. Sie weiß, wovon sie redet, hat sie doch nach ihrem Studium an der Fachhochschule Osnabrück zwei Jahre lang auf Rügen gelebt und gearbeitet. Dort leitete sie bereits mit 26 Jahren einen Obsthof. "Da gab es fast alle Früchte, die man sich denken kann, von Kirschen und Johannisbeeren über Äpfel bis hin zu Birnen", sagt Hensen. Anschließend zog sie zurück nach Nordrhein-Westfalen und arbeitete in einem Gemüsebaubetrieb einer sozialen Einrichtung mit psychisch kranken Menschen zusammen.

Zurück in Osnabrück machte sie sich mit einem Hofladen auf dem Gelände eines Spargelbetriebs selbstständig. Doch die Zeit des Spareglverkaufs dauerte nur zehn Wochen im Jahr, in den verbleibenden Monaten bot sie Kutschenfahrtraining an. Sie selbst ist seit ihrer Jugend eine passionierte Reiterin. "Überhaupt liebe ich das Landleben sehr", sagt sie.

Vielleicht gefällt ihr auch deshalb die Gegend um Ludwigslust so gut, wo sie seit dem 15. September arbeitet. "Das ging alles ganz schnell, innerhalb von zwei Monaten", erinnert sie sich an die Bewerbungsphase. Im Internet las sie das Stellenangebot, bewarb sich, erhielt nach dem Bewerbungsgespräch promt ein Angebot.

Auch auf der Grünen Woche präsentierte sie von Freitag vergangener Woche an bis vergangenen Mittwoch die Ludwigsluster Produkte. Gäste an ihrem Stand waren auch Ministerpräsident Erwin Sellering und Landwirtschaftsminister Till Backhaus. "Es sehr positiv, dort viele Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern kennenlernen zu können", so Hensen. Dem Ziel, die Produkte des Unternehmens bekannter zu machen, sei man auf der Grünen Woche einen Schritt näher gekommen.

Ehrgeiziges Projekt: Vergrößerung der Anbaufläche

Doch dies ist nur eines der erklärten Ziele der neuen Geschäftsführerin. Sie hat viele Ideen: "Ich kann meiner Kreativität hier ziemlich freien Lauf lassen", sagt sie. Dazu gehört auch die Idee, die Anbaufläche zu vergrößern. Aktuell ist diese rund 110 Hektar groß. 70 Tonnen Beeren ernteren die sieben Festangestellten und in der Erntezeit bis zu 25 zusätzlichen Kräfte im vergangenen Jahr. Melanie Hensen hält es für realistisch, die Fläche auf 200 Hektar zu vergrößern. Vor allem dann, wenn ihr Ziel, neue Absatzmöglichkeiten zu finden, erfolgreich ist. Die hohe Kunst sei es, auf den regional sehr leichten und sandigen Böden hohe Erträge zu erzielen. Eine Kunst, die das Sanddorn Storchennest schon seit Jahrzehnten beherrscht. Auch ohne ausgebrochen grünen Daumen ihrer Geschäftsführerin.

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