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Lokales

20. November 2017 | 04:55 Uhr

Auf dunklen Beutezügen

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erstellt am 19.Okt.2010 | 07:50 Uhr

Waldeck | Sie kommen zumeist im Schutz der Dunkelheit. Mit Passanten müssen sie kaum rechnen. Nach einigen schnellen Handgriffen haben sie ihre Beute abmontiert, in einem Transporter verstaut und schon sind sie wieder verschwunden. Im Herbst beginnt für sie die Hochsaison. Abgesehen haben es die Langfinger auf Bootsmotoren. Auf ihren Beutezügen lassen sie nicht selten gleich mehrere dieser oft teuren Antriebe mitgehen.

Viele Bootsbesitzer im Land holen ihre Fahrzeuge dieser Tage aus dem Wasser. Es ist die Zeit, in der es in den 420 Marinas, Sportboothäfen und an den Wasserrastplätzen ruhiger wird - zumindest was die erholungssuchenden Gäste betrifft. Außerdem wird es früher dunkel. Perfekte Bedingungen also für Diebe. Sie brauchen die Motoren nur noch von den Booten abzumontieren, die oft schon fürs Winterquatier aufgebockt stehen oder auf einen Hänger verladen sind. "Wie auch in der Vorsaison gibt es im Herbst eine Häufung von Fällen", sagt Kriminalhauptkommissar Hartmut Richter von der Wasserschutzpolizeidirektion Mecklenburg-Vorpommern.

Mehr als 220 Bootsmotoren wurden 2010 bereits als gestohlen gemeldet. Allein im September waren es 25. Am vergangenen Wochenende hat die Statistik noch einmal einen Schub nach oben bekommen. Acht Außenbootmotore auf einen Streich wurden bei Wustrow am Tollensesee gestohlen. Und auch dort bemerkten die Besitzer zunächst nichts. Denn die Polizei nimmt an, dass die Technik bereits in der Nacht zum Donnerstag gestohlen wurde. Die Eigner bemerkten ihren Verlust jedoch erst später.

Ebenfalls seit dem Wochenende wird ein 15-PS-Motor in Zislow am Plauer See vermisst. Das Boot war auf einem Anhänger auf einem Grundstück abgestellt und sogar mit einer Plane abgedeckt worden. Trotzdem schlugen die Langfinger zu. Richter ist sich sicher: Es werden immer mehr Motoren gestohlen. "Es handelt es sich zum überwiegenden Teil um Motoren mit einer Leistung bis zu 50 PS. Deren Wert liegt nicht selten im Bereich zwischen 5000 bis 10 000 Euro", heißt es in einer Mittelung des Landeskriminalamtes (LKA). Neben Deutschen seien auch immer mehr Osteuropäer unter den Tatverdächtigen: "Oft ist der Bootsmotor schon außer Landes gebracht worden, bevor der Eigentümer den Verlust überhaupt bemerkt." Vorwiegend im osteuropäischen Ausland wird das Diebesgut dann verkauft. "Die Motoren werden gezielt ausgesucht", sagt Kriminaloberkommissarin Antja Wollenberg vom LKA. Vor allem in Marinas, in denen hochwertige Boote vermutet werden, schlagen die Diebe zu. Das LKA und die Wasserschutzpolizei geben Hinweise zum Schutz vor Dieben. "Zielgerichtete Fahndungsarbeit basiert auf präzisen Kenntnissen von individuellen Merkmalen entwendeter Gegenstände", heißt es von der Wasserschutzpolizei. Hilfreich sei in jedem Fall ein Bootspass. Eine weitere Methode, die sich bewährt hat, ist die Codierung. Dabei werden ganze Boote, Motoren und andere wertvolle Gegenstände an Bord mit einer aus Buchstaben und Zahlen bestehenden Kennnummer versehen. Diese wird als Gravur aufgebracht. Dadurch kann ein Objekt schnell als gestohlen erkannt werden. Darüber hinaus schreckt die Gravur Diebe ab. "Codierte Motoren lassen sich deutlich schwieriger weiterverkaufen", erklärt Richter.

Erst vor Kurzem konnte ein Bootseigner dank der Codierung seinen Besitz zurückbekommen. Richter berichtet: "Bei der polnischen Polizei tauchte ein Motor mit Gravur auf. Es gab noch nicht mal eine Fahndung danach, weil der Geschädigte den Verlust noch nicht bemerkt hatte." Durch die Codierung konnte der Eigner schließlich ausfindig gemacht werden. Er bekam seinen Motor zurück.

Die Gravuren werden von allen Dienststellen der Wasserschutzpolizei vorgenommen. Dazu sollten sich Interessenten bei einer Inspektion in ihrer Nähe melden. Seit 2004 haben mehr als 600 Motoren, etwa 1200 Boote und rund 2600 Stück maritimes Equipment eine Codierung erhalten.

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