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Lokales

20. September 2017 | 15:05 Uhr

Auf die Schlange gekommen

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erstellt am 28.Okt.2010 | 06:18 Uhr

Görries | Dass giftige Spinnen plötzlich aus der frisch importieren Yucca-Palme ins heimische Wohnzimmer krabbeln, verbannen viele ins Reich der modernen Märchen. Doch was Exoten-Experte Oliver Bruhn in den vergangenen Jahren erlebte, kommt solchen Gruselgeschichte ziemlich nahe. "Das gefährlichste Tier, das ich bislang aufgenommen habe, war eine Sandrasselotter, deren Biss tödlich sein kann. Die Schlange war offenbar beim Verpacken eines Containers in Indien mit in die Palette gekrochen und kam dann in einem Betrieb in Schwerin wieder ans Tageslicht."

Oliver Bruhn liebt Schlangen, Echsen und andere Exoten, seitdem er ein kleiner Junge ist. Mit sieben Jahren bekam er seine erste Amurnatter. Heute züchtet er Reptilien - verkauft sie, geht auf Ausstellungen und nimmt auch "Ausbrecher" in Pflege. In ganz Nordwest-Mecklenburg hat sich mittlerweile her umgesprochen, dass sich Oliver Bruhn bei Schlangen, Spinnen und Echsen auskennt wie kaum ein Zweiter. Wenn irgendwo in der Region furchterregende Kriech- und Krabbeltiere an ungewöhnlichen Orten gesichtet werden, dringt der Hilferuf meist schnell zu Oliver Bruhn. Auch die Amtstierärzte kennen seine Nummer, genauso wie der Schweriner Zoo, in dem Bruhn lange gearbeitet hat. Heute ist er beschäftigt im Zoogeschäft von Olech Pölkow am Fasanenhof 4. Dort werden die "Findlinge" nach einer Quarantänezeit untergebracht, später wieder zum Verkauf angeboten - oder ihren früheren Besitzern zurückgegeben, wenn die sich melden. "Das ist bislang allerdings noch nicht vorgekommen", sagt Bruhn.

Rund 15-mal im Jahr wird er gerufen. Gut die Hälfte aller Fälle sei allerdings blinder Alarm. "Meistens entpuppen sich die angeblich gefährlichen Schlangen als Ringelnattern, und die gigantischen Spinnen sind oftmals einfach Kellerspinnen", sagt Bruhn. Eine Vogelspinne habe er nur einmal aus einem Kleiderkarton befreit. Und gibt sofort Entwarnung: "Selbst wenn eine Vogelspinne zubeißt, ist das nicht viel schlimmer als eine Schürfwunde." Auch die meisten Schlangenbisse seien in der Regel harmlos. "Man bekommt mehr Kratzer, wenn man mit einer Hauskatze spielt", so Bruhn. Auch vor würgenden Boas - zwei wurden allein in den vergangenen Wochen rund um Schwerin herrenlos aufgefunden - müsse man sich nicht fürchten: "Menschen fallen nicht in deren Beuteschema." Mäuse - auch tiefgefroren -, Ratten oder Kaninchen würden die Boas vorziehen.

Um die Tiere einzufangen, reicht bei Oliver Bruhn meist ein routinierter Handgriff. "Den meisten Schlangen ist es in unserem Klima ohnehin zu kalt, um besonders aktiv zu sein." Übrigens: Schlagen brauchen außer Futter, Wärme, der richtigen Luftfeuchtigkeit und ausreichend Platz im Terrarium nicht viel Zuwendung von ihrem Besitzer. Auf Abwechslung, Auslauf oder Sozialkontakte wie Hunde oder Katzen sind sie nicht angewiesen.

Doch nicht nur herrenlose Schlangen, Spinnen oder Echsen werden in der Tierhandlung in Görries aufgenommen, auch entflogene Vögel erhalten dort Asyl. Die sind Olech Pölkows Spezialität, er selbst ist Züchter. Gut 150 Vögel flattern in seinen Volieren am Fasanenhof, von Wachteln über Finken bis zu Papageien.

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