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Schweriner wurden gestern zum Artenbestimmen geladen : Auf der Spur von Steinbeißer & Co.

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Der Große Höckerflohkrebs ist nicht ganz so furchterregend wie sein Name, und wer am Zippendorfer Strand baden geht, muss nicht darum bangen, von ihm in den großen Zeh gekniffen zu werden.

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erstellt am 08.Jun.2011 | 06:44 Uhr

Schwerin | Der Große Höckerflohkrebs ist nicht ganz so furchterregend wie sein Name, und wer am Zippendorfer Strand baden geht, muss nicht fürchten, von ihm in den großen Zeh gekniffen zu werden. Rund vier Zentimeter messen die ausgewachsenen Exemplare, und nur das geübte Augen entdeckt ihn unter Steinen oder Pflanzen. Was den kleinen Einwanderer aus Russland allerdings so unangenehm macht, ist, dass er heimi sche Arten verdrängt, denn er ernährt sich von anderen Krebsen. "Wie er in den Schweriner See gekommen ist, wissen wir nicht genau, aber wir beobachten seit Jahren, dass er sich stark ausbreitet", sagt Dr. Brigitta Tremel von der Naturschutzstation. Die hatte gestern anlässlich des Geo-Tages der Artenvielfalt die Schweriner aufgerufen, gemeinsam die Flora und Fauna am See zu bestimmen. Die Ergebnisse dieser Arten-Exkursion werden dann vom Magazin Geo ins Internet gestellt.

Schwerpunkt des Geo-Tages war in diesem Jahr der "Lebensraum Süßwasser: Warum es in Flüssen, Seen und Teichen noch viel zu erforschen gibt." Die Naturschutzstation Zippendorf beteiligt sich schon seit vielen Jahren an der Aktion, mehr als 300 Arten werden dabei durchschnittlich gesichtet. Und so funktionierte es: Ornithologen beobachten Wasservögel im Uferbereich, wo bereits prächtige Erpel allein ihre Wege schwimmen, während die Enten die frisch geschlüpfte Brut groß ziehen. Die Vögel im Schutzgebiet werden regelmäßig kartiert und beobachtet, im Winter die Rastbestände aus dem Norden, im Sommer die Sing-, Greif- oder Wasservögel mit ihren Jungen, wie Klaus Schlüter, Vorstandsmitglied der Naturschutzstation, berichtet. "Das Seeadlerpaar auf Kaninchenwerder hat dieses Frühjahr wieder zwei Junge großgezogen, die auch schon das Nest verlassen haben", so der Experte. Blessrallen, Enten, Schwäne, Haubentaucher, Kormorane und Graugänse brüten zurzeit rund um den See. Nur die Lachmöwen, die einst im Schilf auf der Goldburg eine Kolonie mit bis zu 1000 Tieren hatten, ziehen zum Brüten fort.

Unterdessen kescherte eine weitere Schülergruppe nach Pflanzen, Muscheln, Krebsen oder Insektenlarven am Bootssteg. Viele ihrer Fänge kamen am Nachmittag unters Mikroskop. Ein anderes Forscherteam fuhr mit der "Tinca T." und Niels Hamann, Mitglied im Verein heimische Wildfische, hinaus auf den See. Er hatte am frühen Morgen in der Mueßer Bucht Netze aufgestellt, die nach mehreren Stunden geleert wurden. Besonders begeistert zeigte er sich gestern über den Steinbeißer, der erst vor kurzer Zeit im Schweriner See aufgetaucht ist und damit die erfassten Fischarten - unter ihnen Hecht, Zander, Barsch, Brachsen, Rotfeder, Laube, Plötz, Güster oder Quappe - auf 31 erhöht. "Mit dem Steinbeißer, der im Restaurant serviert wird, hat er allerdings nichts zu tun", so Hamann. "Zum Essen ist der viel zu klein", sagt der Fischer. Der Steinbeißer wird nur bis zu 60 Gramm schwer. Naturfreunde fasziniert er indes durch seine Lebensweise: Er gräbt sich in den Grund ein und kaut auf der Suche nach Nahrung - Kleintiere und organisches Material - den Sand durch, den er dann durch die Kiemen wieder ausstößt. Steinbeißer können übrigens mit dem Darm atmen.

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