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Lokales

22. November 2017 | 10:23 Uhr

Auch Deutschland im Fokus

vom

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erstellt am 31.Okt.2010 | 06:21 Uhr

Berlin | Das Päckchen mit dem Sprengstoff PETN und dem Fernzünder war zumindest für kurze Zeit in Deutschland. Es kam mit dem Flieger aus den fernen Jemen und wurde beim Paketdienst UPS am Flughafen Köln-Bonn umgeladen - eine funktionsfähige Bombe, adressiert an eine jüdische Einrichtung in den USA. Experten sind sicher: Die Sprengladung hätte auch hier in Deutschland explodieren können, am Boden in Köln oder eben später an Bord der Frachtmaschine Richtung Großbritannien.

Es wäre ein Novum gewesen: Größere Anschläge islamistischer Terroristen in Deutschland waren bisher immer vereitelt worden. Der Sprengsatz sei dazu gedacht gewesen, ein Flugzeug zum Absturz zu bringen, erklärte Großbritanniens Premier David Cameron am Samstagabend nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

In der Bundesregierung zeigt man sich alarmiert. Vorsorglich hat Innenminister Thomas de Maizière nun eine Nahost-Reise abgesagt. "Die Luftfracht wurde bisher relativ wenig kontrolliert", räumte der CDU-Politiker ein. Das sei jetzt offenbar erkannt und ausgenutzt worden. Jetzt will sich de Maizière "mögliche Schwachstellen" genau anschauen und dafür in den nächsten Tagen auch einen der großen deutschen Frachtflughäfen besuchen.

Reichen die Sicherheitsvorkehrungen für den Luftverkehr nicht aus? Waren die Paketbomben ein Test von Terroristen? "Wir nehmen den Vorgang sehr ernst, auch wenn Deutschland wohl nicht Anschlagsziel war", betont der Innenminister. Das Bundeskriminalamt habe das in Köln umgeladene Paket mit dem Sprengsatz identifiziert, doch da war das Frachtflugzeug mit dem Paket bereits unterwegs nach Großbritannien. Der Tipp kam in der Nacht zu Freitag "von einem befreundeten Dienst", hieß es gestern. "Dass der Umschlagsort Deutschland war, kann uns nicht ruhig stellen", so de Maizière. Offenbar sei eine regelrechte Anschlagsserie geplant gewesen.

Die Bundesregierung zog am Wochenende erste Konsequenzen. Vorerst sollen weder Luftpostpakete noch Fracht aus dem Jemen mehr nach Deutschland gelassen werden. "Wir handeln sofort und konsequent im Interesse der Sicherheit", erklärte Andreas Scheuer (CSU), Parlamentarischer Verkehrsstaatsekretär und Logistikbeauftragter der Bundesregierung, gestern. "Die Anweisung durch das Luftfahrtbundesamt ergeht an die Fluggesellschaften, Expressdienstleister und andere Transportunternehmen."

Schon beginnt die Debatte darüber, ob die bisherigen Sicherheitsvorschriften für Luftfracht ausreichen. FDP-Fraktionsvize Patrick Döring mahnt eine Überprüfung in Absprache mit dem Luftfahrtbundesamt an. "Man muss schauen, ob bei Zwischenstopps von Fracht aus bestimmten Herkunftsländer nicht noch einmal genau kontrolliert werden sollte", so der Verkehrsexperte.

Nach Lesart der Bundesregierung spreche viel dafür, "dass Deutschland hier nicht das Anschlagsziel war", betonte Innenminister de Maizière gestern. Begründung: Bei Luftfracht sei die Transportroute nicht von vorneherein klar. Dennoch sieht der Minister Deutschland in Sachen Terrorbedrohung "genauso im Fokus wie andere auch". Es gebe im Augenblick aber keine Hinweise auf Anschlagsziele hierzulande.

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