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Lokales

24. September 2017 | 08:56 Uhr

Auch bei "Fehlalarm" rückt Wehr aus

vom

svz.de von
erstellt am 26.Okt.2010 | 05:44 Uhr

Ludwigslust | Mit mehreren Löschfahrzeugen rückte die örtliche Feuerwehr am vergangenen Sonntag zum Krankenhaus aus, nachdem ein Brandmelder Alarm geschlagen hatte. Auch Polizei und Sanitäter waren vor Ort, obwohl schnell klar war: Fehlalarm. Doch warum rückt die Feuerwehr dann überhaupt aus und wer bezahlt eigentlich einen solchen Einsatz?

"Wir müssen bei jeder Alarmierung hinfahren. Auch wenn gleich die Entwarnung kommt, es handle sich um einen Fehlalarm. Wir sind dazu verpflichtet, uns selbst vor Ort davon zu überzeugen", gibt Christian Porst, stellvertretender Gemeindewehrführer, Auskunft. Denn es könne ja sein, dass die Situation für einen Laien nicht auf Anhieb erkennbar und vielleicht doch irgendwo ein Brandherd versteckt sei.

Außerdem möchte Porst auch gar nicht von "Fehlalarm" sprechen. "Die Feuerwehr muss zwar oft nicht tätig werden, aber wenn zum Beispiel das Essen anbrennt oder ein dampfender Eimer Wasser unter den Brand- oder Rauchmelder gestellt wird und dieser dann anschlägt, hat er ja eigentlich nur seine Pflicht getan." Trotzdem spreche man dann von einem "Fehlalarm" - einfach nur, weil nichts Schlimmeres passiert sei. Trotzdem seien laut des Feuerwehrmannes Brandwarnmelder in Firmen oder besonderen Einrichtungen sowie Rauchmelder in Privathaushalten durchaus empfehlenswert, könnten doch beide im Ernstfall auch Leben retten. Die Ludwigsluster Kameraden sind in diesem Jahr bisher etwa 20 Mal zu solchen Fehleinsätzen ausgerückt. Insgesamt haben die 35 aktiven Einsatzkräfte in 2010 bereits 80 Hilfs- und Löscheinsätze gefahren.

Zum wiederholten Male, nämlich dreimal in etwa sechs Wochen, wurden die Feuerwehren im Städtedreieck am letzten Sonntag Morgen kurz vor 8 Uhr ins Krankenhaus Stift Bethlehem zum Einsatz gerufen. Vor Ort konnten die rund 60 Einsatzkräfte der Feuerwehren Ludwigslust, Techentin, Grabow und Neustadt-Glewe wie bereits mehrfach erlebt, die Fehlauslösung eines Rauchmelders der Brandwarnmeldeanlage feststellen. Ob diese Fehlauslösung auf eine mangelhafte Wartung der Anlage oder einen technischen Defekt zurückzuführen ist, konnte nicht festgestellt werden.

Feuerwehr erteilt dem Stift die Auflage zum Überprüfen

"Wir haben bereits mit den Verantwortlichen im Stift Bethlehem gesprochen und die Auflage erteilt, die Anlage technisch überprüfen zu lassen, um künftig unnötige Einsätze zu vermeiden", sagt Klaus Möller, seines Zeichens Ortswehrführer von Ludwigslust. Auch er habe jedoch Bauchschmerzen mit dem Begriff "Fehlalarm". Denn die Anlagen reagierten auf etwas, was dort nicht hingehöre.

"Derartige Warn- und Meldeanlagen sind in derartig sensiblen Einrichtungen ein wichtiges Mittel, Entstehungsbrände rechtzeitig zu entdecken, Menschen in Sicherheit zu bringen und Schäden zu minimieren", so der stellvertretende Gemeindewehrführer und Einsatzleiter weiter. Werden Fehlauslösungen durch den Betreiber der Anlage nicht ernst genommen und durch Fachfirmen entsprechende Mängel beseitigt, stellt sich bei den Beteiligten unter Umständen unbewusst eine gefährliche Haltung ein. Notwendige Maßnahmen, wie beispielsweise das in Sicherheit bringen von Personen, werden unter diesen Umständen eventuell unterlassen. Porst: "Bei einem realen Ereignis entstehen so gefährliche Situationen, trotz Brandmeldeanlage. Die Feuerwehr und der Betreiber der Brandmeldeanlage ist daher immer angehalten, jede Auslösung ernst zu nehmen und diese in einem einwandfreien Zustand zu halten."

Nach etwa 30 Minuten konnten die Kameraden am letzten Sonntag zurück an den sonntäglichen Frühstückstisch zu ihren Familien.

Doch ausgerückt war die Feuerwehr. Wer also zahlt den Einsatz? "Wenn wirklich etwas brennt oder irgendwo ein Unfall ist, ist ein Feuerwehr-Einsatz natürlich kostenfrei", betont Porst. Bei "Fehlalarm" allerdings oder wenn sich jemand einen dummen Scherz erlaubt, muss der Verantwortliche oder der Besitzer des Gebäudes die Kosten tragen. Ihm kann künftig dann von der Stadt Ludwigslust, die ja die Feuerwehr finanziert, ein entsprechender Gebührenbescheid zugehen.

"Bisher haben wir bei ganz normalen Fehlalarmen zwar noch niemandem etwas in Rechnung gestellt, doch wir überlegen ernsthaft, das ab 2011 zu ändern, weil es Überhand nimmt. Wir müssen unsere Kameraden schützen", erklärt die Ludwigsluster Stadt-Kämmererin Petra Billerbeck.

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