Attacken gegen Tempo-Blitzer

Eingeschlagene Kameras, durchgeschnittene Blitzer-Kabel - immer öfter zerstören Vandalen die Verkehrsüberwachungsanlagen in Schwerin. Doch auch die Zahl der Verkehrsdelikte wächst dramatisch: Allein an einem Wochenende blitzte die Stadt 1000 Tempo- und Rotlichtsünder.

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08. September 2009, 08:34 Uhr

Schwerin | Der Rotlichtblitzer an der Kreuzung Obotritenring/Wittenburger Straße ist für viele Schweriner zum Angstobjekt geworden. Einige berechnen schon zwei Ampeln zuvor, ob sie die Grünphase noch schaffen. Denn wer bei Rot geblitzt wird, kann sogar seinen Führerschein für einen Monat verlieren - für Berufstätige, die aufs Auto angewiesen sind, eine Horrorvision.

Von den 50 Rotlichtsünder-Fotos , die dort am Tag durchschnittlich geschossen werden, ist aber nur ein Drittel eindeutig verwertbar. Von der Aufnahme bis zum Bußgeld-Bescheid vergehen rund zwei Wochen, teilt das Ordnungsamt mit. Für die Autofahrer beginnt vom Moment des Blitzens an das große Zittern bis sie wissen, ob sie 90, 120 oder noch mehr Euro zahlen müssen, Punkte in Flensburg kassieren oder ihren Führerschein abgeben müssen. "Allein diese Unsicherheit kann einen krankmachen", klagen Autofahrer. Nach dem Bescheid beginnt oft der Streit zwischen Autofahrer und Stadt. "Es gibt häufig Gerichtsverfahren gerade um den Blitzer am Obotritenring", sagt Gabriele Kaufmann, Leiterin des Schweriner Ordnungsamtes. Dazu müsse die Verwaltung regelmäßig Eichprotokolle des Starenkastens vorlegen, ein Gutachten über seine Funktionsfähigkeit gibt es auch. "Der Blitzer arbeitet einwandfrei", so Kaufmann.

Drei leere Flaschen auf dem Dach, dann ein roter Anstrich, schließlich eine eingeschlagene Scheibe - das ist die Vandalismusbilanz der vergangenen Wochen nur für den Rotlicht blitzer am Obotritenring. Auch am Starenkasten an der Kreuzung Ludwigsluster Chaussee ist die Scheibe eingeschlagen. Vor wenigen Tagen schnitten Unbekannte ein Stromkabel bei einem mobilen Blitzer durch. Ein neues Phänomen, sagt Gabriele Kaufmann. Bislang habe es in Schwerin nur wenig Schäden an den fünf stationären und zwei mobilen Blitzer n gegeben. Strafanzeige werde zwar sofort erstattet, aber Täter habe man bislang nicht geschnappt.

Stattliche 1,2 Millionen Euro plant die Stadt 2009 durch Bußgelder einzunehmen. Allein die Tempo- und Rotlichtsünder sollen rund 670 000 Euro einbringen. Für den Rest sorgen die Knöllchen im ruhenden Verkehr. Rund 50 000 Knöllchen und ebenso viele Tempo- und Rotlicht-Bußbescheide gehen pro Jahr in Schwerin raus. "Wir suchen uns die Mess-Standorte aber nicht allein aus, sondern in Absprache mit Land, Polizei und unterer Verkehrsbehörde", betont Gabriele Kaufmann.

So genanntes einnahmeorientiertes Messen sei übrigens gesetzeswidrig, es ginge in allen Fällen nicht ums Geldmachen, sondern um die Verkehrssicherheit. "Dass wir als Abzocker betrachtet werden, kann ich nicht verstehen", sagt Kaufmann. Tatsächlich sei die Quote der geschnappten Verkehrssünder in Schwerin relativ hoch, so Kaufmann, aber: "Die Geschwin digkeitsübertretungen nehmen hier zurzeit immer noch zu."

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