Atom-Transport: Polizei und Gegner in Bereitschaft

Atomkraft-Gegner protestieren in Greifswald.dpa
Atomkraft-Gegner protestieren in Greifswald.dpa

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13. Februar 2011, 05:40 Uhr

Greifswald | Atomkraftgegner haben mit einem bundesweiten Castorstrecken-Aktionstag gegen den anstehenden Atommülltransport aus Karlsruhe in das Zwischenlager Nord bei Lubmin mobil gemacht. Auf der größten Demonstration in Greifswald mit nach Polizeiangaben rund 1000 Teilnehmern forderten sie den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie und einen Verzicht auf Atommülltransporte quer durch Deutschland. "Jeder Atommülltransport ist ein Sicherheitsrisiko", sagte Nadja Tegtmeyer vom Anti-Atom-Bündnis Nordost. Sie äußerte die Befürchtung, dass auch Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll aus dem maroden Lager Asse nach Lubmin gebracht werden könnten. "Betreiber der Asse ist der Bund. Das Zwischenlager in Lubmin gehört ebenfalls dem Bund", sagte sie.

Der Transport mit hochradioaktivem Abfall aus der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe startet in der Nacht zum Mittwoch. Atomkraftgegner planen dort eine "Nachttanzblockade", um den Start des Zuges zu verzögern. Die Polizei hat dort inzwischen eine Verbotszone eingerichtet.

Bei Oranienburg (Brandenburg) hatte die Bundespolizei am Sonnabend einen Anschlag verhindert, der möglicherweise von militanten Atomkraftgegnern geplant war. Die Beamten machten zwei Spreng- und Brandsätze unschädlich, die an der Bahnstrecke nach Neustrelitz entdeckt worden waren. Die Bundespolizei kontrolliert nach eigenen Angaben verstärkt entlang den möglichen Transportstrecken. "Wir kontrollieren mit Georadar, Wärmebildgeräten, manuell und mit Hubschraubern", sagte Polizeisprecher Matthias Menge gestern.

In der Region um Lubmin und Greifswald überwachen seit Sonnabend Fahrzeuge der Bundespolizei die Bahnübergänge. Ob weitere Manipulationen an Gleisen festgestellt wurden, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Veranstalterangaben zufolge nahmen am Sonnabend rund 2000 Menschen an der friedlichen Demonstration in Greifswald teil. Auch in anderen Städten wie Karlsruhe, Erfurt oder Halle gingen insgesamt mehrere hundert Menschen auf die Straße.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, kritisierte in Greifswald die Atompolitik der Bundesregierung. Die Zurücknahme des Ausstiegs aus der Atomenergie sei "der größtmögliche Anschlag auf eine zukunftsfähige Energiepolitik", sagte sie am Rande der Kundgebung. Roth kritisierte, dass durch das Fehlen eines Endlagers und eines Endlagersuchgesetzes das bundeseigene Zwischenlager Lubmin faktisch zu einem Endlager umfunktioniert werde. Zudem fordert sie, die Atomwirtschaft nach dem Verursacherprinzip stärker an den Kosten für den Transport und die Lagerung der atomaren Abfälle zu beteiligen.

Der Linkspolitiker und frühere Landesumweltminister Wolfgang Methling forderte die rot-schwarze Landesregierung auf, alle rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, um eine von den Energiewerken Nord beantragte Entfristung der sogenannten Pufferlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus den Altbundesländern zu verhindern. "Die Landesregierung muss jetzt energisch handeln", sagte er am Rande des Protestzuges.

Der Transport aus Karlsruhe mit fünf Castoren, die mit 56 Tonnen eines verfestigten hochradioaktiven Flüssigabfalls gefüllt sind, wird in der Nacht zum Donnerstag im Zwischenlager Nord in Lubmin erwartet. Atomkraftgegner planen eine Sitzblockade und rund 15 Mahnwachen entlang der Strecke zwischen Greifswald und Lubmin.

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