zur Navigation springen

Verseuchte Sandwege in Wustrow : Asbestgefahr am Strand

vom

Die Gefahr ist nicht sichtbar. Nur eine provisorische Absperrung und eine in den Sand gesteckte Behördentafel warnen die Spaziergänger am Strand von Wustrow vor dem Betreten der Wege. Mehr erfahren die Gäste nicht.

svz.de von
erstellt am 18.Mär.2011 | 07:06 Uhr

Wustrow | Die Gefahr ist nicht sichtbar. Nur eine provisorische Absperrung und eine in den Sand gesteckte Behördentafel warnen die Spaziergänger am Strand von Wustrow vor dem Betreten der Wege. Auf dem angetackerten Schild informiert der Vorsteher vom Amt Darß-Fischland die Passanten über "Gesundheitsgefährdung durch Altlast". Mehr erfahren die Gäste nicht. Achselzuckend setzt eine Spaziergängerin ihren Ausflug fort und wandert trotz Verbotes den gesperrten Sandwegs am Hooghass entlang im Süden der Seebades. "Wird wohl nicht so schlimm sein", sagt sie. Aber dass man nicht darüber informiert werde, was da im Sand liege, finde sie unverantwortlich.

Seit Monaten pilgern täglich Hunderte Menschen über die Dünenwege, in denen schon lange verdächtige kleine und größere Bauschutt-Brocken stecken. Schon im Sommer 2009 sollen Kurabgabe zahlende Urlauber die Kurverwaltung darauf hingewiesen haben. Seit Journalisten des Fernsehmagazins "Menschen und Schlagzeilen" Sandproben in einem Hamburger Speziallabor untersuchen ließen und darin eindeutige Spuren von krebserregendem Asbest nachgewiesen wurden, macht sich Unmut breit auf dem Fischland. Unter dem Rasterelektronenmikroskop kamen die feinen und für die Lunge so gefährlichen Asbestfasern in hoher Konzentration zum Ausdruck. Der Nachweis sei bedenklich, sagt Laborantin Petra Carstens von der Wartig Nord GmbH.

Es sei skandalös, dass hier so lange nichts geschehe, findet die Lungenfachärztin Gabriele Brockhausen, die auf dem Darß ein Ferienhaus besitzt. Krebserregende Stoffe gehörten einfach nicht auf öffentliche Wege. Asbestgutachter Frank Ritter sagt, man hätte sehen können, dass auf den Wegen etwas nicht stimme. Er schätzt, dass auf zwei, insgesamt 1,3 Kilometer langen Strandwegen etwa drei Tonnen Rohasbest illegal entsorgt wurden.

Inzwischen fordert Mecklenburg-Vorpommerns Grüne nicht nur Aufklärung über die Herkunft der Verunreinigung, sondern auch darüber, warum Behörden seit September 2009 keine Veranlassung zum Handeln sahen. Eine derart geringe Umweltsensibilität sei nicht nachvollziehbar, kritisiert Kreistagsabgeordnete Simone Wagner (Grüne) in einer Anfrage an Nordvorpommerns Landrat Rolf Drescher (CDU). Dessen Sprecher Olaf Manzke bestätigt, dass erst nach einer Ortsbegehung im September 2010 vom Amt ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben worden sei. In dem unserer Redaktion vorliegenden 20-seitigen Bericht bestätigten die Prüfer ein "ganz erhebliches Potenzial lungengängiger Fasern". Sie könnten schon bei geringer mechanischer Beanspruchung zum Beispiel durch durchdrehende Räder oder stärkere Küstenwinde freigesetzt werden.

Amtsvorsteher Andreas Meller macht geltend, bis 2009 nichts von der Sache gewusst zu haben. Als die Sache amtlich war, habe man prüfen wollen, ob ein Straftatbestand vorliege. Es gebe schließlich immer "so viele Anzeigen, manchmal wegen Pille-Palle-Sachen". Die Polizei in Stralsund bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass das Amt erst am Dienstag dieser Woche Anzeige wegen des Verdachts auf illegale Schadstoffentsorgung gestellt habe. In Wustrow will man nun möglichst noch bis Ostern versuchen, die Wege entweder zu fräsen oder mit einer Deckschicht zu versiegeln. "Ermittler suchen jetzt vor allem nach dem Verursacher", sagt Polizeisprecher Uwe Werner. In Grimmen schließt man nach Angaben von Kreisverwaltungssprecher Manzke nicht aus, dass möglicherweise schon beim Bau der Wege vor mehr als zehn Jahren der Asbestschutt in den Boden kam. Auftraggeber war seinerzeit die Gemeinde Wustrow.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen