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Graal-Müritz Hochwasser: Graal-Müritz bangt

Von Christine Weber | 01.08.2011, 08:06 Uhr

Es ist fünf vor zwölf, als die Helfer vom Technischen Hilfswerk (THW) mit Planen und den ersten Sandsäcken anrücken.

Ein Deich in Graal-Müritz hat an mehreren Stellen Risse. Gestern drohte er zu brechen. Das Regenwasser aus der Rostocker Heide, das sich seit Wochen auf einer Wiese hinter dem Wohngebiet An der Koppenheide sammelt, drückt gegen den Damm. Wenn er nachgibt, könnten umliegende Häuser und Gärten innerhalb von Sekunden überschwemmt werden. Denn der Wasserpegel liegt mittlerweile zwei Meter oberhalb der Erdgeschosshöhe auf der anderen Dammseite.

Wiese hat sich in einen Stausee verwandelt

"Das Wasser steht schon seit einer Woche. Aber nach den Regenfällen am Wochenende ist es noch mal ordentlich gestiegen", sagt Renate Schaller. Die 67-jährige Graal-Müritzerin wohnt zwar nicht in unmittelbarer Nähe des Dammes, will aber trotzdem helfen, den Deich zu retten. Als Wagen der Freiwilligen Feuerwehr Graal-Müritz mit weiteren Sandsäcken kommen, packt sie mit an. In einer Kette versuchen 30 Männer und Frauen, den Damm mit Planen und Sandsäcken zu verstärken. "Das müssen wir auf einer Strecke von mehrern hundert Metern schaffen", sagt Holger Kleine vom THW Bad Doberan. Laut Einsatzleiter Steffen Martins sind 150 Meter akut gefährdet. Immer wieder kommen Anwohner und Urlauber hinzu, um mit anzupacken. Auch von offizieller Seite gibt es Verstärkung: Die Freiwilligen Feuerwehren Bentwisch, Rövershagen, Dummerstorf, Damm-Reez und Prisannewitz kommen, um den Graal-Müritzern zu helfen.

Ernst ist die Lage im Urlaubsort auch direkt an der Ostsee. Helfer haben dort mit Baggern und Radladern die neue Düne auf sechs Metern durchbrochen, damit die aufgestauten Wassermassen aus der Rostocker Heide direkt ins Meer abfließen können. Ein Großeinsatz von Feuerwehr und THW hatte zuvor keine Entspannung gebracht: Bereits am Freitag und am Wochenende hatten sie nach einem Pumpenausfall im selben Abschnitt Rohrleitungen durch die Dünen getrieben, um eine rund 5000 Quadratmeter große Überflutungsfläche entwäsern zu können. Der Pegelstand ging allerdings kaum spürbar zurück. Anhaltend starker Regen erschwerte auch hier die Arbeiten.

In der Graal-Müritzer Feuerwache koordiniert Einsatzleiter Steffen Martins die Arbeiten an beiden Brennpunkten. Sein Fazit nach dem gestrigen Einsatz: "Wenigstens steigt das Wasser nicht mehr an." Heute und in den nächsten Tagen hieße es vor allem: "Aufmerksam beobachten und das Wasser so schnell wie möglich loswerden."