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Brüel Einzigartig: Biber siedeln in Stadt

Von Michael Beitien | 20.11.2010, 01:57 Uhr

Das gibt es nirgendwo sonst in Mecklenburg, sagt Naturparkranger Marion Krüger: Mitten in der Stadt Brüel haben sich Biber angesiedelt.

Von einer Plattform am Regenrückhaltebecken lässt sich die Biberburg bestens beobachten.

Seit drei Jahren ist bekannt, dass die Biber mitten in Brüel leben, sagt Krüger. Bisher waren die Ranger von ein oder zwei Einzeltieren ausgegangen, die sich vermutlich abwechselnd in einem Knüppelhaufen auf einer Insel im Regenrückhaltebecken und in Erdrohren aufhielten. Doch jetzt deutet alles darauf hin, dass daraus eine Biberfamilie geworden ist. Aus dem Knüppelhaufen ist eine richtige Burg geworden. Und wenn sich - wie vermutet - Nachwuchs eingestellt hat, dürften sich zusätzlich zu den zwei Elterntieren bis zu vier junge Biber mitten in Brüel aufhalten. Insgesamt bis zu sechs Nager also: Die können etwas schaffen am Brüeler Bach.

Seit drei Jahren mussten sich Anlieger am Brüeler Bach auf ihren tierischen Nachbarn einstellen. Die Nager waren in Kleingärten eingedrungen und hatten Obstbäume gefällt. Auf Rat der Spezialisten aus dem Naturpark haben zwischenzeitlich viele Anlieger Zäune zum Bach aufgestellt, um die Biber von ihren Grundstücken fern zu halten. Das sei das sicherste Mittel, so Mario Krüger.

Manche Anlieger halten aber nichts von einem Zaun. Einer strich auf Anraten der Ranger seine Obstbäume mit einem ganz speziellen Mittel, mit Wöbra, ein. Durch den hohen Gehalt an Quarzsand schmerzt es an der Unterlippe des Bibers, wenn er sich an solchen Bäumen zu schaffen macht. Der Gartenfreund hat jetzt Ruhe vor dem Biber, weiß Mario Krüger, und trotzdem kann er beobachten, wie sich das imposante Tier in seinem Garten tummelt und bis dicht an das Haus kommt.

In einem Nachbargarten, wo es bisher keinen Biberschutz gibt, sind ganz frische Bissspuren an einem Kirschbaum zu beobachten. Mario Krüger gab dem Grundstückeigentümer Tipps, wo er den Verbissanstrich erwerben kann. Zusammen mit seiner Kollegin Margot Rossow verteilte Krüger gestern auch Faltblätter an die Brüeler Haushalte, die Tipps zum Leben mit dem Biber geben. Außerdem nahmen die beiden Ranger gestern auf Hinweis eines Grundstückseigentümers eine Weide am Regenrückhaltebecken ab. Denn es bestand Gefahr: Hätte der Biber diesen Baum gefällt, hätte dieser auf ein Gewächshaus stürzen und es zerstören können.

Die Ranger nehmen in den nächsten Monaten mit Blick auf den Biber den gesamten Naturpark Sternberger Seenland unter die Lupe. Das große Bibermonitoring steht an, das alle drei Jahre stattfindet. Die Ranger laufen sämtliche Fließgewässer im Sternberger Seenland ab - flussauf- und flussabwärts. Und sie streifen entlang der Ufer aller der rund 100 Seen. Nach letzten Erkenntnissen dürften in der Region weit über 300 Biber in fast 100 Familien leben.

Schon bei der Begutachtung der ersten Reviere in diesem Spätherbst fiel den Rangern übrigens auf, dass die Biber ihre Burgen mit sehr viel Schlamm abdecken. Das deutet darauf hin, dass ein strenger Winter zu erwarten ist. Am Ende letzten Jahres war erstmalig zu beobachten, dass anders als in den Vorjahren viel Schlamm auf den Burgen lag und sich die Nager auch größere Nahrungsreserven angelegt hatten. Es folgte bekanntlich ein strenger Winter.

Auch auf der Brüeler Biberburg lag gestern bereits eine Menge Schlamm. Mitten in der Stadt können Spaziergänger quasi einen "Wetterbiber", wie die Ranger schon scherzhaft sagen beobachten.