Ein Angebot des medienhaus nord

Lokales Bald kann die Musik einziehen

Von Juliane Hinz | 07.11.2011, 11:54 Uhr

So langsam nimmt es Gestalt an.

Von außen können die Rostocker schon einen Blick auf die neu gestaltete Fassade des Hauses der Musik werfen. Die Farbwahl orientiert sich am historischen Original. Und auch der Anbau auf der Hofseite lässt erahnen, dass im Gebäude der ehemaligen Stadtschule die Arbeiten dem Ende zugehen. Im Dachgeschoss ist bereits gut erkennbar, wie hier bald die Rostocker Musikschüler unterrichtet werden können. Größere und kleinere Räume reihen sich aneinander, hell und freundlich durch Oberlichter, akustisch auf dem neuesten Stand. Ein besonderer Linoleumboden sorgt auf den Fluren für gedämpfte Schritte. So genannte Akustiksegel ermöglichen in den Räumen ein hervorragendes Klangerlebnis. "Die Akustik ist neben der Denkmalpflege das vorherrschende Element bei der Gestaltung", sagt Sven Thieme, Architekt beim Büro Albert und Beyer.

Norddeutsche Philharmonie bekommt Probebühne

Im Auftrag der Stadt leitet der kommunale Eigenbetrieb für Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE) die Baumaßnahmen. Insgesamt zehn Millionen Euro an städtischen Geldern, Mitteln aus dem Konjunkturpaket und der Städtebauförderung sind in die Umgestaltung der großen Stadtschule in ein Musikschulzentrum geflossen. Zwei Jahre wird die Maßnahme gedauert haben, wenn voraussichtlich Ende Januar 2012 der letzte Nutzer eingezogen ist. Eine kleine Verzögerung gab es wegen Komplikationen bei der Ausschreibung der Fenster. Ein Bewerber reichte Beschwerde ein. Das Nachprüfverfahren gab dem KOE Recht, dennoch ging das Unternehmen vor Gericht. Rund ein Jahr hat das Verfahren gedauert, wie KOE-Chefin Sigrid Hecht berichtet: "Darum mussten wir den gesamten Bauablauf umstellen, um die Fenster herum putzen. Es war ein hoher logistischer Aufwand." Am Ende hat sich die Fertigstellung aber nur um wenige Monate verzögert.

Im Haus der Musik sollen das Konservatorium Rudolf Wagner-Régeny und die Neue Musikschule Carl Orff untergebracht werden. Außerdem wird die Norddeutsche Philharmonie in der ehemaligen Turnhalle eine Probebühne bekommen und damit endlich die marode Baracke im Kehrwieder verlassen können. Die beiden Musikschulen werden voraussichtlich um die Weihnachtszeit an den Rosengarten ziehen. Ab Januar soll es dann Unterricht im neuen Domizil geben. Die Turnhalle wird in den kommenden Wochen als Probebühne hergerichtet, sodass die Norddeutsche Philharmonie voraussichtlich Ende Januar einziehen kann. Der Anbau, in dem das Rostocker Orchester Umkleiden, Lagerräume und Ähnliches bekommt, ist bereits weiter fortgeschritten. Derweil sind Matthias Werner und seine Kollegen von der Firma Wirth dabei, die historischen Türen und Wandschränke aufwändig aufzuarbeiten. Bis zu acht Schichten Farbe mussten entfernt, Fehlstellen ausgebessert werden. "Fünf Türen konnten wir erhalten", sagt Thieme. Wegen der hohen Schallschutzanforderungen war es nicht möglich, alle im Haus der Musik zu belassen.

Konzertsaal in der Aula

Zu kämpfen hatten die Baufirmen mit Schwammbefall. Der gesamte Dachstuhl musste deswegen entfernt werden. "Er wurde komplett neu aufgesetzt, auch um das ungenutzte Dachgeschoss als Etage dazuzugewinnen", erklärt der Architekt. An anderen Stellen wurde der Schwamm großflächig weggeschnitten oder abgeflammt. In der Aula musste die hölzerne Empore neue Fußstücke bekommen. Hier soll ein Konzertsaal mit Bühne und verschiebbaren Schallelementen eingebaut werden.

Der Schulhof soll in den kommenden Wochen zu einer kleinen Oase gestaltet werden mit Stellplätzen, Rasen und Sitzgelegenheiten - aber auch genug Platz, damit die Lkw mit Instrumenten und Ähnlichem das Haus der Musik anfahren können.