Arsenal des Schreckens

'Hells Angels' und 'Bandidos' : Das Landeskriminalamt präsentiert  die Waffen, die in MV bei Razzien gegen Rockerbanden beschlagnahmt wurden.Volgmann
"Hells Angels" und "Bandidos" : Das Landeskriminalamt präsentiert die Waffen, die in MV bei Razzien gegen Rockerbanden beschlagnahmt wurden.Volgmann

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12. Februar 2010, 07:19 Uhr

Schwerin | Zwei Maschinenpistolen "Kalaschnikow", zwei Pistolen mit Laserpointern, Wurfsterne, Klappmesser, Schlagringe, Todschläger - dieses Arsenal des Schreckens gehörte Rockerbanden in Mecklenburg-Vorpommern. Bei Durchsuchungen der Polizei wurden die Waffen im vergangenen Jahr beschlagnahmt und gestern im Landeskriminalamt (LKA) präsentiert.

Drei Razzien galten 2009 allein den Rostocker "Hells Angels". "Es konnten neben Hieb- und Stichwaffen auch Schusswaffen und sogar Sprengzünder sichergestellt werden", sagt Ingolf Mager, amtierender LKA-Leiter. Bei der Festnahme von zwei führenden Mitgliedern der Schweriner "Hells Angels" Anfang Februar musste wegen derer Gefährlichkeit extra das Spezialeinsatzkommando (SEK) angefordert werden. Den beiden 43-Jährigen wird unter anderem Freiheitsberaubung vorgeworfen. Sie sollen einen Mann gegen dessen Willen in eine Bar in Schwerin gebracht und dort über einen längeren Zeitraum festgehalten haben.

Die Rockerszene im Land rüstet auf, auch personell. Zwei Gruppen der "Hells Angels" haben sich in Schwerin und Rostock etabliert. Die konkurierenden "Bandidos" gründeten Stützpunkte in Stralsund, Greifswald, Neubrandenburg, und Anklam. In Schwerin und Neubrandenburg sind außerdem Rocker des Motorradclubs "Gremium" zu Hause.

Die Polizei geht von 20 sogenannten Chaptern im Land aus. Deren Mitgliederzahl wird insgesamt auf 200 Rocker geschätzt. "60 Prozent von ihnen sind als Straftäter bereits polizeibekannt", meint der LKA-Leiter. Die Merkmale der Banden ähneln sich: Martialisches Äußeres, eigene Clubregeln, Abschottung nach Außen, strenge Herarchien, hohe Gewaltbereitschaft.

Jens Bögelmann vom Dezernat"Organisierte Kriminalität": "Gegen die Rockerbanden führen wir Ermittlungen in den Bereichen des illegalen Drogen- und Waffenhandels, wegen Erpressungen und Rotlichtkriminalität." Doch die Arbeit der Ermittler gestalte sich schwer, berichtet Bögelmann. "Es gibt so gut wie keine Aussagen."

Das LKA will die Banden dennoch verstärkt ins Visier nehmen. Im Dezernat"Organisierte Kriminalität" wurde eine Sonderermittlungsgruppe mit mehr als zehn Beamten gebildet, die sich ausschließlich mit der Rockerkriminalität befasst. Zudem sollen künftig gemeinsam mit den Kriminalinspektionen im Land die Kontrollen etwa bei Treffen der Rockerbanden erhöht werden.

Kriminaloberrat Bögermann sprach sich für Verbote einzelner Clubs der Rockerbanden aus. "Dies würde den Handlungsspielraum der Kriminellen erheblich einengen und die Ermittlungen erschweren", schätzt Bögermann ein. In anderen Ländern wie Brandenburg gibt es bereits Verbote. Zuständig wäre in Mecklenburg-Vorpommern das Innenministerium.

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