Arge ist viel zu zentralistisch

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02. Dezember 2010, 07:30 Uhr

Als eine der "wichtigsten Entscheidungen, die der Kreistag je zu treffen hat", bezeichnet Landrat Rolf Christiansen den noch ausstehenden Beschluss des Kreistages zur Option. "Wir werden entscheiden, ob der Landkreis für zehn Prozent der hier lebenden Menschen, das sind 12 364 Personen in Bedarfsgemeinschaften, künftig die Verantwortung übernehmen will, oder nicht."

Die Forderung nach Betreuung aus einer Hand bleibe in der gemeinsamen Einrichtung voll gewährleistet, sieht Christiansen als größten Vorteil des Optionsmodells. Bisher in diesem Bereich Beschäftigte seien hinsichtlich bestehender Arbeitsverträge voll abgesichert. Das gelte für kommunale Mitarbeiter als auch für Mitarbeiter der Arbeitsagentur. Das Optionsmodell fordere keine Dienstherreneigenschaft, sondern einheitliche Personalkörper in den Einrichtungen. Es würden zudem erhebliche Kosten gespart, häufige Doppelarbeit entfalle. Die Zahl der Ansprechpartner für Leistungsberechtigte reduziere sich deutlich. Eine direkte Klärung telefonischer Anliegen zu festgelegten Sprechzeiten tue ein Übriges.

Durch die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales initiierte Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente seien die im SGB III festgelegten Eingliederungsleistungen auf den Kundenkreis des SGB II übertragen worden. Die für Kurzzeitarbeitslose entwickelten Maßnahmen mit ihren Detailregelungen und Einschränkungen sollten auch für die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Frauen und Männer gelten. Gerade dieser Personenkreis mit oftmals multiplen Vermittlungshemmnissen sei aber auf schnelle und flexible Fördermaßnahmen angewiesen. "Jeder Träger trägt wie auch bisher die Kosten für seine Aufgaben", sagt Christiansen zum finanziellen Risiko. Er sei deshalb für die Option, weil deutliche Synergieeffekte durch die ganzheitliche Betreuung der Bedarfsgemeinschaften, nämlich durch die Verzahnung der Bereiche Soziales, Jugendhilfe, Gesundheit und SGB II, erzielt werden könnten. Und eine Entlastung der Kunden durch das Angebot in der Fläche erreicht werde. Erstmals eine einheitliche Personalentwicklung durch einheitliche Personalkörper mit einer schrittweisen Angleichung der tariflichen Unterschiede möglich sei und das finanzielle Risiko sehr überschaubar bleibe. "Eine schnelle Reaktion auf sich verändernde Gegebenheiten soll durch die Einbindung in eine flache Verwaltungshierarchie mit kurzen Entscheidungswegen gewährleistet werden", so der Landrat weiter. Den Errichtungskosten für das Optionsmodell von etwa 56 000 Euro für den Landkreis stellt Christiansen 391 000 Euro gegenüber, die der Bund zuschießen würde. Das seien immerhin 87,4 Prozent, die die Bundesanstalt für Arbeit übernehmen würde.

"Wir haben den uns im Juli vom Kreistag gestellten Auftrag sehr ernst genommen, um eine fundierte, etwa 200 Seiten starke Konzeption und Beschlussvorlage aufzustellen. Denn es geht uns um die Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche. Sie wollen wir unterstützen, ihren eigenen Weg zu gehen. Wollen die richtigen Hilfen dort ansetzen, wo sie tatsächlich gebraucht werden. Wo es Probleme in den Familien gibt, müssen wir so früh wie möglich reagieren. Das ist nur über das Optionsmodell möglich." Ein Großteil der Klientel sei überregional nicht in Arbeit zu bringen. Christiansen ist sich sicher: "Wir werden künftig Menschen im Landkreis haben, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht zu vermitteln sind."

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