zur Navigation springen
Lokales

25. November 2017 | 12:35 Uhr

Archivar mit Schere und Klebstift

vom

svz.de von
erstellt am 15.Nov.2013 | 10:57 Uhr

136 Ordner säumen die Regale im Keller von Reinhard Kalcher. Akribisch hat er darin jene Zeitungsartikel, die ihm thematisch interessant oder historisch bedeutsam erschienen, sortiert und gesammelt. "Ich habe schon immer sehr gern Zeitung gelesen", setzt Kalcher zur Erklärung seiner ungewöhnlichen Sammelleidenschaft an. "Ich bin gelernter Signalmechaniker, habe viele Jahre bei der Reichsbahn gearbeitet, und da gab es häufig Bereitschaftsdienste, in denen ich auf Arbeit wartend neben dem Telefon sitzen musste. Da hat man natürlich viel Zeit zum Lesen."

Damals habe er aber nur hin und wieder Artikel ausgeschnitten und aufgehoben, sagt Reinhard Kalcher. Das ändert sich, als er in den Ruhestand geht. "Ab 2005 habe ich angefangen, wirklich alle interessanten Artikel aus den Zeitungen, vor allem aus dem ,Prignitzer, auszuschneiden und aufzukleben. Und ich fand ziemlich viele Artikel interessant", gibt er zu. Vor allem die Berichte rund um die Gemeinde Groß Pankow, die Entwicklungen im Eisenbahnverkehr mit dem Aufkommen von Privatbahnen wie PEG und ODEG oder die Ereignisse im Kindergarten Wolfshagen, in dem seine Frau Doris gearbeitet hat, sind fein säuberlich abgeheftet.

Weitere Ordner beherbergen die Berichterstattung zur Lotte-Lehmann-Akademie, zum Modemuseum Meyenburg oder zu Sportereignissen und erfolgreichen Wettkämpfern. "In meinen Zeitungsordnern herrscht weit mehr Ordnung als im Keller allgemein. Meiner Frau gefällt das nicht immer", sagt er schmunzelnd.

Doch ist der kleine Raum meist sowieso das alleinige Reich von Reinhard Kalcher. Die Begriffe Archiv oder kleine Bibliothek allein wären hier die falschen Worte, um das Zimmer zu beschreiben. Vielmehr bilden antike Radios, Blech- und Holzspielzeug, ja sogar Vitrinen, Schautafeln und eine der ersten elektrischen Kaffeebrühmaschinen der DDR einen Rahmen und gruppieren sich um einen Schreibtisch. "Die Sachen sind einfach viel zu schade für den Müll", erklärt Kalcher, der aus seinem Fundus regelmäßig Stücke für Ausstellungen bereitstellt. Doch ist dies nur Beiwerk zu seiner Artikel-Leidenschaft.

Was die Zeitungslektüre und die weitere "Verarbeitung" des Blattes angeht, hat Reinhard Kalcher inzwischen eine regelrechte Routine entwickelt. "Zum Frühstück lese ich die Zeitung zum ersten Mal. Das dauert schon gut und gern 40 Minuten bis eine Stunde. Dabei mache ich mir mitunter Notizen oder markiere das, was mir interessant erscheint. Am Nachmittag zum Kaffee geht es dann in die zweite Runde, dann schneide ich das Wichtige aus, klebe auf, beschrifte und sortiere ein." Mitunter ergebe sich dabei das Problem, dass auf der Vorder- und Rückseite interessante Artikel erscheinen. "Dann besorge ich mir eine zweite Zeitung von den Nachbarn oder kopiere die entsprechenden Artikel. So kommt alles Relevante in meine Sammlung", erklärt der Hobby-Archivar.

Als intensiver Leser hat Reinhard Kalcher natürlich auch die Entwicklung unserer Zeitung selbst mitverfolgt und dokumentiert. "Mir hat das Layout nach der Umstellung 2009 besser gefallen als vorher. Es ist viel übersichtlicher und moderner geworden." Kritik übt er allerdings an der Berichterstattung aus dem Norden des Landkreises. "Da kommt leider ein bisschen wenig, obwohl es dort auch Berichtenswertes gibt wie beispielsweise das Modemuseum. Dafür ist die Informationsfülle rund um Perleberg und Wittenberge natürlich spitze."

Kalchers Frau Doris nimmt dessen Sammelleidenschaft gelassen. "Ich lasse ihn schnippeln, da habe ich meine Ruhe. Allerdings reicht der Platz im Keller bald nicht mehr aus, um die Ordner alle unterzubringen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen