Arbeitsstress setzt Parchimern zu

<strong>Wenn Arbeit krank macht: </strong>Immer mehr  Arbeitnehmer werden durch Stress im Job krank.
Wenn Arbeit krank macht: Immer mehr Arbeitnehmer werden durch Stress im Job krank.

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06. Juli 2010, 08:45 Uhr

Lübz/ Parchim | "Die Zahl der psychisch Kranken nimmt stark zu. Das ist schon sehr kritisch" - diese ernüchternde wie erschreckende Bilanz zieht Harald Haase, Sozialamtsleiter des Landkreises Parchim. Druck und Stress am Arbeitsplatz oder die psychische Belastung, gerade weil man eben keinen Job hat, hinterlassen ihre Spuren. Depressionen, Burn out und ähnliche Erkrankungen können die Folge sein. "Das zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten", sagt Haase. Führt es soweit, dass sich der Betroffene nicht mehr selbst versorgen kann, springt das Sozialamt ein.

Rund 2800 Menschen im Landkreis Parchim nehmen derzeit unterschiedlichste Leistungen der Behörde in Anspruch - Tendenz steigend. Unter ihnen sind auch viele ältere Menschen. Der demografische Wandel macht sich beim Sozialamt bemerkbar. "Der Bedarf an Pflegeleistungen in unterschiedlicher Form nimmt immer weiter zu", sagt Harald Haase. Und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Auch Betreuungsplätze sind begehrt wie nie. Etwa 1000 Pflegeplätze in Heimen gibt es kreisweit, weitere sind in der Entstehungsphase. "In Pinnow entsteht ein Heim, das im kommenden Jahr fertig sein soll", sagt Haase.

Sozialamtsleistungen sind nicht nur bei älteren Leuten, sondern auch schon im Kleinkindbereich gefragt.
Einen Zuwachs registriert Harald Haase bei den Anträgen zur Frühförderung - eine Eingliederungshilfe für behinderte oder von Behinderung bedrohte Kinder. Hier wächst der Bedarf auch über das Kindergartenalter hinaus. "Der Wunsch tritt bei Eltern immer mehr zu Tage, dass behinderte Kinder in ,normalen Schulen unterrichtet werden sollen. Schulassistenz ist hier ein großes Thema", sagt Haase. Dabei kümmert sich ein Assistent im Schulalltag ausschließlich um die Bedürfnisse des behinderten Kindes. Anträge hierfür sind beim Sozialamt zu stellen. Der Gang zur Behörde - ganz gleich mit welchem Anliegen - fällt aber vielen Menschen nicht leicht, zu groß ist das Schamgefühl, von diesen Leistungen abhängig zu sein.

"Aber Personen, die selbst nicht in der Lage sind, sich zu versorgen, haben einen Rechtsanspruch", verdeutlicht Haase. Auch der Bürokratieaufwand schreckt viele ab. "Dass man sich nicht mehr selbst versorgen kann, muss nachgewiesen werden. Wir reichen öffentliche Mittel aus und müssen Rechenschaft ablegen, weshalb wir sie bewilligt haben", sagt Haase. Beratung und Hilfe erhalten Antragsteller beim Sozialamt - und zwar aus einer Hand. Hier kümmert sich jeweils nur ein Ansprechpartner um den Antragsteller, ganz gleich, wieviele Ansprüche er geltend machen will. "In anderen Landkreisen ist das anders", weiß Haase. Angebote wie diese sollen Hilfebedürftigen im Landkreis Parchim den Weg zu ihrem Recht erleichtern.

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