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Lokales

20. November 2017 | 18:28 Uhr

Arbeitskampf auf dem Rücken der Zugreisenden

vom

svz.de von
erstellt am 01.Jul.2011 | 07:27 Uhr

Potsdam/Berlin | Kunden der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) müssen sich auch am Wochenende auf ein eingeschränktes Zugangebot einstellen. Auch wenn die Lokführer derzeit nicht streiken, fahren die Züge nur im Zwei-Stunden-Takt, auf manchen Strecken sind Busse unterwegs. Die Lokführergewerkschaft GDL kritisierte gestern, die Odeg sperre Mitarbeiter aus, die sich zuvor am Streik beteiligt hätten. Das sei zwar rechtlich zulässig, "aber kaum geeignet, einen Tarifkonflikt beizulegen." Die Odeg rechtfertigte die Aussperrung als "einziges Instrument, um wirtschaftlichen Schaden vom Unternehmen abzuwenden".

Nach Angaben der Odeg waren von der Aussperrung bis zu 40 Prozent der 130 Lokführer betroffen. Von gestern an sollten es nur noch 35 Prozent sein. Odeg-Geschäftsführer Bernd Wölfel bedauerte, dass der Arbeitskampf letztlich auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen werde. Da die Streiks aber immer nur sehr kurzfristig angekündigt würden, sei derzeit nur ein sogenannter Basisfahrplan möglich. Gerade in der Schulzeit seien oft nicht so schnell Busse für den Schienenersatzverkehr zu beschaffen gewesen. Wölfel verwies darauf, dass das Verhandlungsangebot einer Lohnerhöhung von drei Prozent für 2012 und 2013 weiterbesteht. "Solange die GDL aber von ihrer Maximalforderung nicht abweicht, kommen wir nicht zusammen."

Die Gewerkschaft warf der Odeg vor, der Öffentlichkeit und ihren Mitarbeitern bewusst die Wahrheit zu verschweigen. "Anstatt den Reisenden reinen Wein einzuschenken und ihnen klar zu machen, dass die Einschränkung des Verkehrsangebots derzeit durch sie selbst zu verantworten ist, behauptet sie lieber, dass die GDL streike", kritisierte GDL-Bezirksvorsitzender Frank Nachtigall. Der jüngste Streik sei bereits am Montag beendet worden.

Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) warnte die Odeg: "Ausgefallene Zugleistungen werden auf der Grundlage des Verkehrsvertrages vom Land nicht bezahlt." Insgesamt zahle das Land im Jahr etwa 400 Millionen Euro an die rund zehn Anbieter. Gerade in der Haupturlaubszeit müsse gewährleistet werden, dass touristische Ziele mit dem öffentlichen Verkehr in guter Qualität erreichbar blieben.

Am Wochenende fährt die Odeg nach eigenen Angaben zum Beispiel von Berlin-Schöneweide nach Beeskow und von Berlin-Lichtenberg nach Frankfurt (Oder) nur im Zwei-Stunden-Takt. Auf mehreren Strecken, darunter Beeskow-Frankfurt (Oder), fahren ausschließlich Busse.Teils fallen Züge weiter aus.

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