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Lokales

24. September 2017 | 17:58 Uhr

Arbeit ohne Stressfaktor

vom

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erstellt am 09.Jun.2010 | 07:25 Uhr

Lübtheen | Der Garten mit der Nummer 127 in der Kleingartenanlage "Grüner Weg" - für Heinz Rothgänger ist er nicht nur der Lieblingsplatz in Lübtheen, er ist auch sein Lebenselexier. "Was soll ich zu Hause in meiner Neubauwohnung sitzen. Da fällt mir die Decke auf dem Kopf", sagt er. "Hier bin ich an der frischen Luft und habe immer etwas zu tun." Wirtschaftlich lohne sich die Arbeit natürlich nicht, sagt er. Die Radieschen beim Discounter gegenüber sind unter Strich viel günstiger. Aber darum geht es hier nicht. "Ich arbeite einfach gern draußen und bin unter Gleichgesinnten." Stress macht er sich keinen. "Wenn man sich die Arbeit gut einteilt, läuft das hier alles ziemlich entspannt. Man hat sogar Spaß dabei."

Außerdem biete so eine Kleingarten viel mehr als nur Beschäftigung. In der Anlage "Grüner Weg" in Lübtheen, zum Beispiel, treffen sich die Kleingärtner regelmäßig zum Karten spielen. "Unsere Frauen spielen Canaster und wir kloppen Skat", erzählt Werner Figur. Er hat seine "Scholle" nur ein paar hundert Meter neben Rothgänger. Auch bei ihm gedeihen die Erdbeeren auf gejätetem Boden. Ob Blumen, Gurken oder Kartoffeln - alles hat in Werner Figurs Garten seinen Platz. Für ihn zählt, dass er weiß, wo sein Gemüse herkommt. "Bei mir ist alles bio", sagt er. "Da muss ich mir keine Gedanken wegen der Pestizide machen."

Seit mehr als 40 Jahren hat der Lübtheener in der Anlage "Grüner Weg" seinen Garten. "Das schönste daran sind meine Tiere." Schon allein wegen der Hühner und Kaninchen muss der 70-Jährige täglich in den Garten fahren. Und wenn die Arbeit getan ist, dann trifft er sich dort mit Heinz Rothgänger und Alexander Lobes auf ein Feierabendbier. Lobes gehört noch nicht so lange zu Lübtheens Kleingärtnern. "Ich bin mit meiner Frau vor sieben Jahren nach Deutschland gekommen", erzählt der Spätaussiedler. Der kleine Garten war das erste, worum er sich in Lübtheen bemüht hatte. "Es ist schwer für uns, in Deutschland Arbeit zu finden. Deshalb sind wir froh, dass wir hier eine Aufgabe haben."

Durch ihren Kleingarten haben Lobes schnell Anschluss in ihrer neuen Heimat gefunden. "Wir unterhalten uns oft mit den Nachbarn und lachen viel", sagt Alexander Lobes. Heinz Rothgänger und Werner Figur schauen öfter mal bei Lobes vorbei. "Alexander ist immer für eine Überraschung gut", sagt Heinz Rothgänger. Seine Weintrauben seien im Herbst nicht nur eine Augenweide. Sondern auch ein Gaumenschmaus.

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