zur Navigation springen
Lokales

26. September 2017 | 11:21 Uhr

Antilopen genießen neues Heim

vom

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2010 | 10:29 Uhr

Gartenstadt | Bedächtig tippeln sie mit ihren Hufen durch die Pforte. Den Rücken stets freihaltend, tasten sich die fünf schreckhaften Litschi-Moorantilopen langsam in ihr neues Nachtquartier im Rostocker Zoo vor. Immer mit der Möglichkeit, Reißaus zu nehmen, wenn sich etwas Fremdes vor ihnen auftut. "Sie sind sehr sensibel und deshalb schwer in ihre Box zu bekommen", sagt Julia Marggraf (23), Auszubildende zur Tierpflegerin. So ganz konnten die afrikanischen Herdentiere ihr Glück noch nicht fassen, als sie gestern die neue Huftieranlage im historischen Teil des Tierparks bezogen haben. Ebenfalls ihr Zuhause finden dort bereits drei Pferdeantilopen. 1,26 Millionen Euro hat das Projekt gekostet. 943 100 Euro davon stammen aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung.

Nachdem die Huftiere den vergangenen Winter übergangsweise bei den Zebras und Trampeltieren verbracht haben, konnten sie nun wieder ihr eigentliches Heim beziehen. Während ihrer Abwesenheit wurde es umfangreich saniert. "Das historische Hirschhaus von 1911 haben wir aufwendig rekonstruieren lassen", sagt Zoodirektor Udo Nagel. Mit der Fertigstellung des 7000 Quadratmeter großen Geheges hat der Tierpark einen wichtigen Schritt in Richtung naturnahe und artgerechte Haltung getan. "Außerdem ist der Zoo jetzt um eine publikumswirksame Attraktion reicher", sagt Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Stefan Rudolph.

Altbau saniert und Scheune abgerissen

Das unter Denkmalschutz stehende Hirschhaus wurde nach seinem traditionellen Vorbild saniert und die angrenzende Scheune abgerissen. Mit einem Reetdach und einer ockerfarbenen Fachwerkfassade versehen, sieht das Hirschhaus aus, wie einst vor 100 Jahren. "In dem Stallgebäude haben wir einen neuen und modern ausgestatteten Tierpflegerraum und vier Boxen", sagt Antje Zimmermann, Kuratorin des Zoos. Der 90 Quadratmeter große Altbau ist für afrikanische Vogelarten vorgesehen. Vorerst ungenutzt bleibt der Dachboden. "Dort wollen wir künftig Laub trocknen", so die Kuratorin.

Unmittelbar neben dem Altbau ist in den vergangenen Monaten ein 450 Quadratmeter großes, multifunktionales Stallgebäude entstanden. Es passt sich optisch an den historischen Bau an. In vier kleinen Boxen mit einer Größe von 10,4 Quadratmetern und vier großen Ställen von jeweils 43 Quadratmetern können sich die scheuen Bewohner bei Nacht ausbreiten. "Durch variable Türen können die einzelnen Boxen miteinander und sogar zu einem großen Gang verbunden werden", sagt die Auszubildende Marggraf. Sie ist unter anderem für das Ausmisten und Füttern der Tiere verantwortlich. Über einen breiten Mittelgang gelangt die angehende Tierpflegerin zu einem angrenzenden Haustechnikraum, einem Geräteraum und einem Heulager sowie zu zwei großen Vorgehegen.

Vorher durch Zäune voneinander getrennt, können die Pferde- und Litschi-Moorantilopen nun das gesamte Grundstück gemeinsam nutzen. "Sie werden somit ihrer Biologie entsprechend in Gruppen mit einer natürlichen Gemeinschaftsgröße und Altersstruktur in Vergesellschaftung gehalten", so Nagel. Verschiedene Arten leben wie in einer afrikanischen Savanne zusammen. Der Litschi-Bock mit seinen vier Weibchen bleibt zusammen. Dafür werden die drei weiblichen Pferdeantilopen bald Bekanntschaft mit einem männlichen Artgenossen machen. "Außerdem werden im Dezember oder Januar Südliche Streifengnus aus dem Opel-Zoo in Kronberg mit einziehen", sagt die Kuratorin. Dann wird es nochmal richtig spannend. Den Anfang machen zwei Tiere, dann folgen weitere. Drei Grauhalskronenkraniche runden die Lebensgemeinschaft schließlich ab. "Jetzt sind sie noch zur Eingewöhnung in ihrem Winterquartier im historischen Teil des Hirschhauses", so Marggraf. Im Frühjahr werden sie sich zu den Paarhufern gesellen und die Gruppe vervollständigen. "Dann können die Besucher die Natur erleben, wie sie in Wahrheit ist", betont Nagel.

Nur durch einen sanft auslaufenden Wall voneinander getrennt, können die Tiere in ihrer neuen, begrünten Umgebung beobachtet werden. Die denkmalgeschützte Außenfläche hat Landschaftsarchitektin Kristin Jakobi kreativ erneuert. Der alte Baumbestand und der Rundlauf blieben erhalten, sodass die Antilopen weiterhin voreinander flüchten können. Mit einem Höchstmaß an Freiheit genießen die Herdentiere in Zukunft eine völlig neue Lebensqualität.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen