Ansturm auf Sozialkaufhäuser

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02. März 2010, 08:16 Uhr

Schwerin | "Wenn die Nachfrage weiter so steigt, wird es irgendwann eng", sagt der Vorsitzende der Schweriner Tafel, Peter Grosch. Noch funktioniert der Nachschub in den beiden Sozialkaufhäusern der Stadt, in den Sup penküchen für Erwachsene und Kinder und an den Ausgabestellen für kostenlose Lebensmittel. Aber wie lange noch? "Die Zahl der Menschen, die unsere Ange bote nutzen, steigt kontinuierlich", so Grosch. Dabei habe die Wirtschaftskrise MV noch gar nicht voll erreicht.

Schon jetzt sind die Zahlen allerdings alarmierend: Mehr als 15 300 Menschen in rund 9000 Bedarfsgemeinschaften leben in der Landeshauptstadt von Hartz IV. Es seien aber durchaus nicht nur Arbeitslose, die die Tafel versorge, berichtet der Vorsitzende. "Zu uns kommen auch immer mehr ältere Menschen, bei denen die Rente hinten und vorne nicht reicht."

Jeweils 50 Mittagessen täglich werden inzwischen in den Suppenküchen der Tafel in den So zialkaufhäusern in der Keplerstraße und der Juliu s-Polen tz-Straße sowie in der Begegnungsstätte in der Fer din and-Schultz-Straße zu bereitet. Tatsächlich unterstützt die Tafel aber noch weit mehr Menschen.

Gefragt in den Sozialkaufhäusern im Mueßer Holz und in Lankow, die die Schweriner Tafel seit 2005 bzw. 2006 gemeinsam mit Partnern betreibt, sind aber auch die Angebote der Kleider kammern und Möbelbörsen. "Weil sich viele Eltern keine Geschenke mehr für ihre Kinder leisten können, bieten wir in der Keplerstraße auch Spielzeug an", schildert Grosch.

Kinderarmut bereitet größte Sorgen

Es ist die wachsende Kinderarmut, die dem Chef der Schweriner Tafel die größ ten Sorgen bereitet. Aktuell versorge die Tafel in der Landeshauptstadt und da rüber hinaus bereits zwischen 1000 und 1300 Mädchen und Jungen an Kitas und Schulen mit gespendeten Lebens mitteln. "Und fast täglich erreichen uns Anfragen mit der Bitte um weitere Unterstützung", so Grosch.

Fachleute bestätigen die Beobachtungen des Tafel-Vorsitzenden: Laut einer Studie des Bremer Instituts für Ar beitsmarktforschung und Jugendberufshilfe aus dem Jahr 2009 ist der Anteil der Kinder, die in Hartz-IV-Familien aufwachsen, mit 37,6 Prozent in Schwerin bun desweit am höchsten. Für Hei delore Schulz, Leiterin des Schwe riner Arbeitslosenzentrums, kommt diese Zahl nicht überraschend, wie sie erst jüngst nach dem Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes gegenüber unserer Zeitung erklärte. In der Landeshauptstadt würden bereits drei von vier Erwerbslosen von der für das Arbeitslosengeld II zuständigen Arge betreut. Die Konsequenz liege auf der Hand: "Die Armut in vielen Familien hat extrem zugenommen."

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