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"Frei.Wild" in Schwerin : Ansturm auf Rocker mit rechtem Ruf

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"Hätte es beim ,Echo 2013 nicht die große öffentliche Diskussion und letztlich die Ausladung der Band gegeben, würde heute niemand über das Konzert von ,Frei.Wild reden", sagt Angelika Gramkow überzeugt.

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erstellt am 06.Apr.2013 | 03:56 Uhr

Schwerin | "Hätte es beim ,Echo 2013 nicht die große öffentliche Diskussion und letztlich die Ausladung der Band gegeben, würde heute niemand über das Konzert von ,Frei.Wild reden", sagt Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow überzeugt. Schließlich habe es gar keine Auseinandersetzung gegeben, als die Deutschrocker aus dem Norden Italiens in Rostock auf der Bühne standen. Doch der "Echo", für den die Band aufgrund der Verkaufszahlen ihrer Alben nominiert war, heizte eine alte Diskussion neu an - und das nur wenige Wochen vor dem seit mehr als einem Jahr geplanten Konzert in der Schweriner Kongresshalle am nächsten Sonnabend: Obwohl die Aachener Band Unheilig um den charismatischen Sänger Der Graf längst als Echo-Gewinner feststand, verkündeten die ebenfalls nominierten Bands Mia und Kraftklub werbewirksam, sie wollen nicht mit einer Band wie "Frei.Wild" in einer Reihe genannt werden - und sagten ihre Teilnahme am Echo ab. Rechtes Gedankengut und Sympathie mit rechtsradikalen Ideen wurden der deutschsprachigen Band aus Südtirol vorgeworfen.

"Es ist schade, dass diese Debatte nun Schwerin ins Gerede bringt", sagt die Oberbürgermeisterin. An einer Diskussion, die Band sei rechtsradikal, werde sie sich aber nicht beteiligen. "Die Texte und das Verhalten der Band geben das nicht her", sagt Gramkow, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt habe, da die Musik von "Frei.Wild" - schon allein altersbedingt - nicht die ihre sei und sie die Band vorher nicht kannte. Dass es im Vorfeld sogar Stimmen gegeben habe, sie solle doch dem Vorbild einer österreichischen Stadt folgen, die ein geplantes Konzert der Rocker mit dem rechten Ruf abgesagt habe, kann Gramkow nicht nachvollziehen. "Es gibt wie gesagt inhaltlich keinen Grund, sich einzumischen und andererseits hätten wir angesichts des privaten Hallenbetreibers auch rechtlich überhaupt keine Handhabe", sagt die Verwaltungschefin.

Hallenmanagerin Petra Blunk, die ebenfalls keinen Anlass sieht, den Vertrag mit dem Tourneeveranstalter infrage zu stellen, zeigt sich gegenüber SVZ überrascht über den Ansturm auf die "Frei.Wild"-Karten. "So einen Vorverkauf kennen wir sonst nur von Helene Fischer und Mario Barth", sagt Blunk. In wenigen Wochen seien bereits 4500 Karten verkauft worden. Für sie sei es zwar das publikumswirksamste Konzert des Jahres - das sei aber aus ihrer Sicht auch die einzige Besonderheit. Deshalb habe es im Vorfeld auch ganz regulär die Absprachen mit Stadt und Ordnungskräften gegeben, "wie bei jedem normalen Konzert".

Doch so ganz normal wird es am nächsten Sonnabend nicht. Aufgrund der erwarteten Besucherströme will die Stadt das Konzert nutzen, um erstmals das neue Verkehrs- und Parkkonzept für Großveranstaltungen zu testen. Das wurde in dieser Woche mit Tourleiter, Polizei, DRK, Feuerwehr, Stadt und Hallenbetreiber besprochen. Etwa 30 zusätzliche Polizisten seien dafür im Einsatz, berichtet Revierleiter Arne Wurzler auf SVZ-Anfrage. Konsequent soll das Falschparken in der Weststadt unterbunden werden. Auswertige Autofahrer würden zum Schlosspark-Center geleitet. Von dort pendele ein Shuttle-Bus zur Kongresshalle. Auch für Wurzler ist das "Frei.Wild"-Konzert ansonsten ein ganz normales. Bisherige Auftritte der Band seien ohne Zwischenfälle verlaufen. "Es gibt keine belastbaren Anhaltspunkte, dass ein Sicherheitsrisiko besteht", sagt der Leiter des Schweriner Polizeireviers. Damit auch nächsten Sonnabend nichts passiert, hat der Tourleiter eigens einen 70-köpfigen Sicherheitsdienst engagiert, der den Einlass kontrollieren wird. Wer durch Äußerlichkeiten - Tätowierungen oder Kleidung - rechtsradikale Gesinnung sig nalisiere, käme gar nicht erst in die Halle, betont der Veranstalter.

Denn trotz früherer Verbindungen zur Szene hat sich "Frei.Wild" seit Langem gegen Rechts positioniert. "Kranke Ideologien, verwirrend falsche Gedanken. Jetzt ist es vorbei. Was bleibt, sind Ruf und Geschichten", heißt es in einem Song des aktuellen Albums "Feinde deiner Feinde". Sänger Philipp Burger bezeichnet seinen Kontakt zur rechten Szene, den er zwischen seinem 13. und 18. Lebensjahr "während der Pubertät und dem Vor-Erwachsensein" hatte, als Fehler. "Die Geschichte liegt aber auch schon fast 15 Jahre zurück." Heute zeige sich die Band nach eigenem Bekunden sozialkritisch und parteiunabhängig und warne vor "politischer Übermotivation, … Rechts- und Linksextremismus". Dass dennoch so mancher Fan aus der rechten Szene "Frei.Wild" toll findet, kommentieren die Rocker so: "Was konnten Goethe und Schiller dafür, dass Hitler sie gut fand?"

Das Bundesamt für Verfassungsschutz erklärte auf SVZ-Anfrage, dass "Frei.Wild" für die Behörde beim Thema Rechtsextremismus "kein Beobachtungsobjekt" sei.

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