Prozess in Grevesmühlen : Anklage nach tödlichem Unfall

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23. Dezember 2014, 20:45 Uhr

Knapp vier Monate nach dem Unfalltod einer 60-jährigen Autofahrerin am Abzweig der B 104 Möllin hat die Staatsanwaltschaft Schwerin gestern einen schwedischen Staatsbürger angeklagt. Sie wirft dem 22-jährigen Mann aus dem Raum Västerås (Schweden) fahrlässige  Tötung, Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahren  ohne Fahrerlaubnis, Betrug, Missbrauch  von Ausweispapieren und Kennzeichenmissbrauch vor.

Der Mann  soll am  2. September auf der B 104 in Höhe des Abzweiges Möllin  den Auffahrunfall mit tödlichem Ausgang verursacht haben.  Laut Staatsanwaltschaft  soll der Unfall durch „Missachtung der Geschwindigkeitsbegrenzung,  des geltenden Überholverbots“ zustande gekommen sein. Eine 60-jährige Frau war damals gerade in Begriff  mit ihrem Auto von Gadebusch kommend links in Richtung Möllin zu fahren.

 Durch die Wucht des Aufpralls erlitt die Frau aus der Region Gadebusch so schwere Verletzungen, dass sie auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb. „Der Angeschuldigte stand zur Tatzeit unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln und war nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis“, erklärt  Claudia Lange  von der Staatsanwaltschaft Schwerin.

Der Schwede mit türkischen Wurzeln soll darüber hinaus drei Tage zuvor mit einem Auto, an dem sich gestohlene schwedische Kennzeichen befanden, in die Bundesrepublik eingereist sein. Weiterhin soll er  seinen Audi  an einer Raststätte im Landkreis Nordwestmecklenburg mit Diesel betankt haben, ohne den Kaufpreis zu entrichten.

Ihm wird weiter vorgeworfen, sich bei einer anschließenden Polizeikontrolle mit einem für eine andere Person ausgestellten Reisepass ausgewiesen zu haben, um über seine Identität zu täuschen.

Der Unfallfahrer befindet sich seit dem 3. September aufgrund des Haftbefehls des Amtsgerichts Grevesmühlen  in Untersuchungshaft. Bei dem Mann soll es sich um Mohamed H. handeln, der bereits am 2. März 2014  im schwedischen Västerås an einem Unfall  mit tödlichem Ausgang  beteiligt gewesen sein soll. Das berichtet die schwedischen Zeitung „Vestmanlands Läns Tidning“. „Am 2. März fuhr er mit einem Auto in hoher Geschwindigkeit in Västerås. Zwei Männer wollten  einen Fußgängerüberweg überqueren. Als das Auto kam, lief der eine nach vorne und der andere rückwärts, um   dem Auto zu entkommen“, so die schwedische Journalistin  Britt-Louise Bergström gegenüber der SVZ. Anschließend soll der Fahrzeugführer seinen Wagen nach rechts gelenkt und  einen der Männer angefahren haben. Der 19-Jährige wurde schwer verletzt, er verstarb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. 

Beim getöteten 19-Jährigen  handelte es sich um einen Staatsbürger der USA aus Utah. „Er missionierte für die Mormonen und lebte seit sieben  Monaten in Västerås und befand sich auf dem Heimweg“, so Bergström. Der Vorfall in Schweden habe für  große Aufmerksamkeit  in Utah gesorgt. Es gab zahlreiche Beileidsbekundungen.

Der Unfallfahrer wurde von der schwedischen Polizei festgenommen. Es bestand unter anderem der Verdacht auf Drogeneinfluss.  Drei Tage nach den Geschehnissen wurde er freigelassen. „Er hatte zugegeben, dass er das Auto fuhr, betritt aber, dass er zu schnell gefahren war“, so Bergström weiter. Die schwedische Staatsanwältin Carin Lantorp kündigte laut Bergström  die Fortsetzung „des Ermittlungsverfahrens mit voller Stärke an“. In Schweden wird dem 22-jährigen Fahrer „ein Schwerverbrechen und eine schwere Fahrlässigkeit im Verkehr zur Last gelegt“.

Im September wurde der Unfallfahrer vor Gericht in Västerås angeklagt. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich auf freiem Fuß und war in Deutschland an dem Unfall  am Abzweig Möllin beteiligt.

Über einen Verhandlungsbeginn in Deutschland gibt es bislang keine Angaben. Zuständig ist das Amtsgericht Grevesmühlen, wo nach SVZ-Informationen Ende Januar mit einer Eröffnung des Verfahrens  zu rechnen ist.

Der mutmaßliche Unfallverursacher befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

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