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Lokales

18. Dezember 2017 | 14:02 Uhr

Angler auf Abwegen - ein Fang für die Polizei

vom

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erstellt am 05.Mai.2010 | 08:05 Uhr

Stralsund | Der Hering zieht, und im Sund ankern Hunderte Boote. Die elektronische Seekarte von Maik Janicke ist übersät mit kleinen roten Punkten. Jeder ein Boot. Der Polizeihauptmeister vom Kontrollboot "Freesendorf" greift zum Fernglas. Die Fähre "Schaprode" prescht mit fast zehn Knoten (18,5 km/h) in den Strelasund. Einige Angler ankern gefährlich nahe am Fahrwasser, die Bugwelle des 40 Meter langen Passagierschiffs bringt die im Boot stehenden Angler ins Schwanken.

"Diesmal ist wieder alles gutgegangen", sagt Polizeioberkommissar Ullrich Schwarz. Die Anwesenheit des Kontrollbootes wirke. Für gewöhnlich ankerten immer wieder Unbelehrbare mitten im Fahrwasser, in der irrtümlichen Annahme, der Hering folge vor allem den Schifffahrtswegen. "Vor einem Jahr war hier manchmal Chaos", erinnert sich der 41-Jährige. "Da hatten wir vom morgens bis abends nur damit zu tun, die Fahrrinne für die Berufsschifffahrt freizuhalten!" Einmal musste ein aus Nord kommender Schüttgutfrachter vor der Wendeplatte fast aufstoppen. Sein Kapitän hatte vergebens versucht, ein auf der Wendeplatte ankerndes Angelboot mit einem Achtungssignal zu warnen. "Die aus Brandenburg stammenden Petrijünger hatten einfach keine Vorstellung davon, wieviel Platz so ein 100-Meter-Schiff zur Kursänderung braucht und wie lange es braucht, bis so ein 20 000-Tonner stoppt. Sie entkamen nur hauchknapp einer Kollision."

Die vorschriftsgemäße Ausstattung der Boote hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gebessert, konstatiert Janicke und steuert auf ein ankerndes Charterboot zu. Das Ehepaar an Bord, Angler aus Malchin, legt Papiere und Bootszeugnis in einen herübergereichten Kescher. Verbandskasten, Taschenlampe und Rettungsweste liegen vor. Die Bordbeleuchtung fehlt, die Polizei belässt es bei einer Belehrung.

Kurz danach können die Kontrolleure kein Auge zudrücken. Direkt vor der Schiffsdurchfahrt der neuen Rügenbrücke treffen sie einen Angler an. Vom Ankerverbot im Brückenbereich weiß er angeblich nichts. Die Beamten sprechen ein Verwarngeld von zehn Euro aus.

Ullrich Schwarz schaut zum Rügendamm. Hunderte Angler halten von dort ihre Angeln in den Sund. Wer den Vorhang aus Sehnen und Paternostern vor der Brückendurchfahrt passieren will, muss rechtzeitig Signal geben. Dann holen die Heringsangler die Routen ein. "Das funktioniert inzwischen ohne Probleme", sagt Schwarz. Sorgen macht sich dagegen der Chef des Straßenbauamtes. Immer wieder würden einige beim Herings- und Hornfischangeln auf dem Rügendamm ihre Montagen so weit hinauswerfen, dass sie auf der 60 Meter entfernten neuen Rügenbrücke landeten, sagt Ralf Sendrowski. Mitunter sammelten die Straßenmeister in einer Woche eine ganze Tüte Angelzubehör ein. "Nicht auszudenken, was passiert, wenn da drüben ein Motorradfahrer in einen anfliegenden Drilling fährt!"

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