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Lokales

22. September 2017 | 04:35 Uhr

Andreas Raelert wie ein Champion

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erstellt am 10.Okt.2010 | 06:52 Uhr

Rostock | Der "King of Kona" bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii heißt Chris McCormack. In einem dramatischen und an Spannung kaum zu überbietenden Marathon-Finale verwies der Australier nach 8:10:37 h den Rostocker Andreas Raelert im siebt-schnellsten Rennen aller Zeiten mit 100 Sekunden Vorsprung auf den Ehrenplatz. Nach Rang drei im Vorjahr müsste dem Mann vom TC FIKO dem Gesetz der Serie folgend 2011 der Sprung auf das oberste Podest gelingen...

Eine Hand am Thron hatte der Mecklenburger schon diesmal. Mit einem Rückstand von 8:18 Minuten auf den führenden US-Amerikaner Chris Lieto war "Andi" als Achter auf die abschließenden 42,195 Lauf-Kilometer gegangen. "Macca", wie McCormack in der Triathlon-Szene genannt wird, lag zu diesem Zeitpunkt 38 Sekunden vor Raelert "senior". Und der Australier drehte mächtig auf, vergrößerte den Vorsprung auf über zwei Minuten.

"Andi" um geschlagene 12:15 Minuten schneller als 2009

Der 34-jährige Raelert, im Gegensatz zu seinem Europameisterschafts-Sieg in Frankfurt/Main mit einer defensiveren Taktik, ließ sich davon nicht beeindrucken, lief zur Verwirklichung seines Schlachtplanes sein Tempo. Getreu der Devise, dass die Entscheidung über Sieg und Platzierung erst nach dem Energy Lab auf den letzten 14 Kilometern fällt, schluckte der Hansestädter Läufer um Läufer, pirschte sich immer näher an den Führenden heran.

Vier Meilen vor dem Ziel hatte er ihn gestellt, den Rückstand wettgemacht, schien gerüstet für den Sturm auf den Gipfel der Triathlon-Welt. Die taktischen Spielchen des Führungsduos begannen. Andreas schien Kräfte sparen zu wollen, statt dem angeschlagenen McCormack den entscheidenden psychologischen Schlag zu versetzen. Seite an Seite liefen sie fast synchron.

Dann eine Analogie zum Radsprint. Fast "Stehversuche" der beiden bei einem Vorsprung von drei Minuten auf den Belgier Marino Vanhoenacker, gegenseitiges Beäugen, kurzer Wortwechsel - alles ein Geplänkel vor dem großen Finale. Und das hatte es in sich, hätte nicht besser inszeniert sein können. Der Hawaii-Sieger von 2007 und mehrfache Weltcupsieger ergriff eine Meile vor dem Ziel kurz vor der letzten Verpflegungsstelle die Initiative, beschleunigte, während der Ostseestädter "nachtanken" musste.

Andreas Raelert, mit dem Energiehaushalt am Ende, konnte dem Schlussangriff des Australiers die steile Palani Road bergab nicht mehr folgen. Das sich auftuende Loch wurde größer. Völlig erschöpft lief der FIKO-Sportler durch das Ziel und konnte sich über zwei gewaltige Leistungssteigerungen gegenüber 2009 freuen: Gesamtzeit um 12:15 Minuten, der Marathon um genau 4:40 schneller!

"Ich bin unheimlich glücklich über Platz zwei. Es war ein spannendes und schweres Rennen, noch viel härter als bei meiner Premiere vor einem Jahr. Als ,Macca eine Meile vor Schluss der 226 Kilometer angriff, hatte ich zum Kontern keine Kraft mehr. Ich musste sogar hart arbeiten, um überhaupt noch ins Ziel zu kommen. Ich habe wieder einiges hinzugelernt. Für meinen ,kleinen Bruder Michael war der Part hier sicher ein richtiger Vorgeschmack auf unseren gemeinsamen Start im nächsten Jahr. Er hat sich einiges abschauen, mit den Augen lernen können", resümierte An-dreas Raelert nach dem Zieldurchlauf.

Michael meinte: ",Andi hat ein großes Ding gedreht. Er hat nicht Platz eins verloren, sondern sich gegen die namhafte Konkurrenz seit Jahren ausgebuffter Profis bei seinem erst zweiten Antritt auf Big Island den Vize-Weltmeister-Titel gesichert. Ich bin unheimlich stolz auf ihn."

Von den Deutschen überzeugte auch der Mannheimer Timo Bracht, der trotz Magenproblemen Sechster wurde. Der Münchner Faris Al-Sultan, der den bedeutendsten Ironman 2005 gewonnen hatte, belegte Platz zehn.

Bei den Frauen gewann die Australierin Mirinda Carfrae in 8:58:36 h. Die Engländerin Chrissie Wellington wurde auf dem Weg zu ihrem vierten Sieg in Serie von einer Grippe gestoppt und musste kurzfristig auf einen Start verzichten. Europameisterin Sandra Wallenhorst aus Hannover, die 2008 Platz drei belegt hatte, wurde disqualifiziert, weil sie die Radstrecke abgekürzt haben soll.

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