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Lokales

13. Dezember 2017 | 08:31 Uhr

An der Elbe kommt das Wasser von unten

vom

svz.de von
erstellt am 10.Mai.2010 | 07:12 Uhr

Rühstädt | Mit zu viel Wasser kämpfte Rühstädt schon häufiger - wenn die Elbe Hochwasser führte. Nun jedoch droht Gefahr aus einer ganz anderen Richtung: Auf einem Grundstück in der Roggbergsiedlung machte sich ein artesischer Brunnen bemerkbar, dessen Existenz offensichtlich in Vergessenheit geraten war.

Zunächst sei es nur ein kleines nässendes Loch am Metallverschluss des Bohrlochs gewesen, berichtet Grundstückseigentümer Uwe Mundkowski. "Entdeckt habe ich das am 9. April", sagte er gestern im Gespräch mit dem "Prignitzer". Die austretende Wassermenge nahm jedoch schnell zu. Mundkowski informierte Behörden und den Bürgermeister. Bis mit größerer Technik angerückt und entwässert wurde, zogen allerdings einige Wochen ins Land. "Seit vergangenem Mittwoch sind Pumpen und Schläuche der Feuerwehr im Einsatz und leiten das Wasser weiträumig ab", bestätigt Bernd Lindow, Chef der unteren Wasserbehörde beim Landkreis. Der Kreis handelt, weil Gefahr im Verzug. Der desolate Brunnenverschluss muss einem enormen Wasserdruck aus 180 Metern Tiefe stand halten. Eine acht Meter hohe Fontäne würde nach oben schießen, wenn die Abdeckung endgültig nachgäbe, so Lindow. Der Kreis sei mit einer Fachfirma im Kontakt, die den artesischen Brunnen professionell abdichten können. Lindow räumt ein, dass man unter Zeitdruck stehe. "Die Sache muss andererseits aber auch vernünftig und gründlich gemacht werden."

Derweil schauen Uwe Mundkowski und seine Frau Doreen nebst den beiden Kindern und den Eltern Mundkowskis, die ebenfalls hier wohnen, mit Sorge auf den hinteren Teil ihres idyllisch gelegenen Grundstücks. Als sie das Bauland 1991 kauften, wussten sie nichts von der Existenz des Bohrlochs, das 1977 für eine Grundwassermessstelle ausgebracht worden sein soll. Als Messstelle war die artesische Ader, die Grundwasser unter hohem Druck führt, allerdings nicht geeignet, die Bohrung wurde wieder verschlossen. "Wir hatten keine Kenntnis darüber, es gibt auch keinerlei Einträge oder Unterlagen", sagt Doreen Mundkowski. Die große Angst, die ihnen im Nacken sitzt, ist nicht nur die vor dem Wasser, sondern auch die vor den Kosten, die möglicherweise auf sie zurollen könnten. Der Landkreis geht in Vorleistung, wie Lindow erläutert. Wer tatsächlich für die dauerhafte Abdichtung des Brunnens oder schlimmstenfalls für Schäden, die das austretende Wasser verursacht, aufkommen muss, ist indes unklar. "Sollte uns das treffen, wäre das unser finanzieller Ruin", sagt Uwe Mundkowski. Nach seinem Kenntnisstand ist er nicht der einzige in der Region, der gern geklärt hätte, wer für die zu DDR-Zeiten gebohrten Grundwassermessstellen die Verantwortung trägt, wem sie eigentlich wirklich gehören, sagt Mundkowski. Unterdessen sprudelt das Wasser aus dem defekten Metalldeckel, 50 Liter in der Sekunde.

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