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Lokales

11. Dezember 2017 | 11:01 Uhr

Amt Gadebusch vor Zerreißprobe

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erstellt am 01.Sep.2010 | 07:09 Uhr

Rund 5000 wahlberechtigte Gade buscher sind Ende November zur Wahl eines ehrenamtlichen Bürgermeisters aufgerufen. Denn Gadebusch verliert nach dem Sitz des Kreisstadt-Status in den 1990er-Jahren nun auch den Posten eines hauptamtlichen Bürgermeisters. SVZ-Redakteur Michael Schmidt sprach mit Gadebuschs Amtsvorsteher Rico Greger und dessen Stellvertreterin Ingrid Schafranski (beide CDU) über Wahlen und ein Amt, das mehr denn je zerstritten ist.

Ladys first! Frau Schafranski, werden Sie Ihren Hut in den Ring werfen um ehrenamtliche Gadebuscher Bürgermeisterin zu werden?

Ingrid Schafranski: Diese Frage wurde mir öfter gestellt, auch heute kann ich noch nichts dazu sagen. Aber es ist klar: Wer immer Verantwortung übernehmen will, muss wissen: Die Stadt Gadebusch steht vor einem Scherbenhaufen. 1,5 Millionen Euro Haushaltsdefizit, keine zukünftige Hauptamtlichkeit des Bürgermeisters mehr, damit ist der Stadt eine weitere Stärke verloren gegangen. Die Ursache kennen wir alle: Das ist ganz deutlich der Amtsführung anzukreiden.

Unsere Leser wollen aber gerne wissen, ob Sie grundsätzlich bereit sind, als ehrenamtliche Bürgermeisterin zu kandidieren.

Schafranski: Ich fahre erst mal in den Urlaub. Dann haben wir am 22. September unsere Nominierungsveranstaltung und dort wird das von meinen Parteifreunden des CDU-Ortsverbandes geklärt. Eins steht fest: Aus unseren Reihen wird es einen Kandidaten geben.

Wie sehr schmerzt Sie, dass Gadebusch keinen hauptamtlichen Bürgermeister mehr haben wird?

Schafranski: Es ist bitter und tut mir in der Seele weh. Dieser Verlust hätte verhindert werden können. Aber wer eher auf Konfrontation setzt und nicht viel von einer Arbeit auf Augenhöhe zwischen Stadt und Landgemeinden hält, braucht sich über die jetzt eingetretene Situation nicht zu wundern. Gespräche und Verhandlungen zwischen Gremien der Stadt und des Amtes wurden in den vergangenen Jahren tunlichst verhindert.

Herr Greger, das Amt Gadebusch scheint mehr denn je zerstritten zu sein. Das wurde zuletzt beim Thema Rathaus-Anmietung deutlich. Wollen Sie Ihre Kritiker, wie Kneeses Bürgermeister Hans-Jürgen Hoffmann, immer gleich mit Disziplinarverfahren drohen?

Rico Greger: Wer seine Kompetenzen ohne Absprache überschreitet, muss mit einem Disziplinarverfahren rechnen, zumal ein weiterer Keil zwischen Stadt und Landgemeinden getrieben werden sollte. Damit habe ich ein Problem, weil dieses Amt mit seinen Gemeinden und der Stadt endlich weiter zusammen wachsen muss. Sicherlich macht jeder einmal einen Fehler, aber dafür kann man sich entschuldigen, statt verbal über die Stränge zu schlagen - jeder weiß, was in der Zeitung stand. Auf diese Äußerungen möchte ich nicht weiter eingehen. Es ist schade, dass manche Bürgermeisterkollegen das Demokratieverständnis anders sehen.

Wie wollen Sie die Gräben zwischen Landgemeinden und Stadt überwinden?

Greger: Eins ist klar, es wird eine der wichtigsten Aufgaben sein und wir müssen das mit Bedacht, Fingerspitzengefühl, Vertrauen und Sachlichkeit angehen. Die nächsten Monate bedeuten für uns richtig viel Arbeit, die wir aber auch mit Freude angehen.

Schafranski: Ein weiterer wichtiger Punkt ist ein verbesserter Informationsfluss untereinander. Was wir nicht wollen, ist eine Grüppchenbildung wie zuletzt beim Thema Rathaus-Anmietung. Hier sollte ein Kompromiss verhindert werden. Das wäre ein immenser Schaden für unser Amt und unsere Steuerzahler geworden. Es ist außerdem nicht zu vertreten, dass eine Verwaltung vom Zentrum an den Stadtrand verlagert werden sollte und das Rathaus im ungünstigsten Fall leer gestanden hätte. Die Agentur für Arbeit hätte aus dem angemieteten Objekt in der Wismarschen Straße ausziehen müssen und wir Hilfesuchende nach Schwerin oder Grevesmühlen schicken müssen. Das hätte man der Öffentlichkeit nicht vermitteln können.

Wie wollen Sie das Klima in der Verwaltung verbessern?

Rico Greger: Generell ist es so, dass es zu viele Doppelzuständigkeiten gegeben hat und leider die Schere zwischen den ehemaligen Amts- und Stadtmitarbeitern immer weiter auseinander gegangen ist. Hier muss schnell Druck rausgenommen werden. Es gibt immer noch ein Aufgebausche und zum Teil erhebliche Gehaltsunterschiede. Künftig sollen Mitarbeiter auch nach ihrer Qualifikation und Fähigkeiten eingesetzt werden. Es ist vieles falsch organisiert worden und es gab zu viele personelle Umbesetzungen, was zu Weiterbildungen und damit auch zu Mehrkosten führte, obwohl wir top qualifizierte Mitarbeiter im Amt haben.

Schafranski: Trotzdem muss man nichts beschönigen. In der Verwaltung herrscht ein fürchterliches Arbeitsklima. Es ist keine Motivation da. Es sind Doppelzuständigkeiten weiter zugelassen worden. Unsere Aufgabe wird es ab dem 5. Oktober sein, hier ganz schnell ein straffes Amt herzustellen.

In den nächsten Wochen wird es einen neuen Leitenden Verwaltungsbeamten geben. Vier Kandidaten hätten die Voraussetzungen dafür. Wird es ein junger oder ein erfahrener Amtsleiter oder vielleicht eine Amtsleiterin sein?

Rico Greger: Das steht noch in den Sternen. Die interne Ausschreibung für diese Stelle ist jedenfalls erfolgt.

Ingrid Schafranski: Ich finde es bedauerlich, dass man sich zu keiner öffentlichen Ausschreibung durchringen konnte. Damit ist eine Chance vertan und ein echter Wettbewerb ausgeschlossen worden. Denn eine Bewerbung von außen hätte vielleicht auch für eine neue Motivation im Hause gesorgt und einen unbelasteten Neustart des Amtes ermöglicht.

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