Am liebsten nach Afrika

Maike Kapischke kurz vor ihrem Abflug: Die Schwerinerin ging nach dem Abitur    als Freiwillige nach Ghana. Dort würde das DRK gern noch mehr Stellen anbieten.Koepke
Maike Kapischke kurz vor ihrem Abflug: Die Schwerinerin ging nach dem Abitur als Freiwillige nach Ghana. Dort würde das DRK gern noch mehr Stellen anbieten.Koepke

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19. Mai 2010, 01:57 Uhr

Schwerin | Für 35 junge Leute bot der DRK-Landesverband 1991 als erster Träger in Mecklenburg-Vorpommern ein Freiwilliges Soziales Jahr, kurz FSJ, an. Heute hält er 215 Stellen vor, das FSJ ist beli ebt wie selten zuvor. Das DRK erweitert jetzt seine Einsatzorte: Vier Stellen gibt es in Polen. Mit dem Bundesprogramm "weltwärts" bietet der Landesverband ein Freiwilligen-Jahr in Ghana und der Ukraine an. Sieben Plätze werden in Afrika vorgehalten. "Wir könnten problemlos auf 21 erweitern", sagt Bianca Meyer, Teamleiterin FSJ. "Aber das Entwicklungsministerium gibt zurzeit kein Geld für neue Stellen. Wir sind in Widerspruch gegangen und hoffen auf ein positives Ergebnis."

Obwohl die Plätze für das nächste FSJ, das im September beginnt, auf dem Papier schon vergeben sind, lohnt es sich bei echtem Interesse, noch eine Bewerbung abzuschicken, so Meyer. Abspringer in letzter Minute gäbe es immer. Beliebtestes Beispiel: Abiturienten, die wider Erwarten noch einen Studienplatz bekommen. "Das FSJ wird als Wartesemester angerechnet", sagt Bianca Meyer . Außerdem nutzen viele Jugendliche die Chance, zwischen Schule und Studium ein Jahr Praxisluft zu schnuppern. "Auch als Berufsorientierung ist das FSJ bestens geeignet", sagt die Teamleiterin. "Man lernt soziale Strukturen und Betriebsabläufe kennen ebenso wie die eigenen Grenzen." Ganz nebenbei gibt es jeden Monat ein Taschengeld in Höhe von 315 Euro, und die Einsatzstellen übernehmen die Kosten für die Sozialversicherungsbeiträge. Das FSJ wird auch auf die Rente an gerechnet. 25 Seminartage komplettieren das Programm mit Informationen über Grundkrankenpflege, Baby-Bedenkzeit, Selbstverteidigung, Konfliktbewältigung, Suchtkrankheiten, sexuelle Gewalt und Aids.

Eine Kooperation mit dem polnischen Roten Kreuz hat es 2007 möglich gemacht, vier Jugendliche von Schwerin aus nach Olsztyn in Masuren zu schicken. "Das Altenheim dort ist sehr modern, und die Leiterin hat Germanistik studiert", berichtet Bianca Meyer. "Sowohl die Angst vor Sprachbarrieren als auch die Furcht, als Deutscher dort mit Argwohn empfangen zu werden, zerschlagen sich vor Ort. Im Gegenteil erzählen die alten Menschen dort sehr gerne und unbefangen aus ihrer Vergangenheit." Zum zehntägigen Vorbereitungsse minar in Teterow gehört ein intensiver Polnisch-Kursus ebenso wie eine Einführung in die Mentalität und die Kochkunst der Nachbarn.

Die Möglichkeit, nach der Schule über Ländergrenzen hinweg Berufs- und persönliche Erfahrungen zu sammeln, würden die Deutschen gerne stärker Gästen aus aller Welt anbieten. "Obwohl sich unsere Einsatzstellen über ausländische Jugendliche freuen würden, ist die Resonan z sehr gering", sagt Bianca Meyer. Das Interesse von deutschen Jugendlichen, eine Zeit im Ausland zu verbringen, auch in Entwicklungsländern, sei wesentlich größer. "Die Herausforderungen dabei sind enorm. Freunde und Familie sind weit weg für alle, die in Ghana oder der Ukraine arbeiten. Und die Mentalität der Menschen dort ist schon sehr anders", sagt Bianca Meyer. Der DRK-Landesverband arbeitet zurzeit an einem Ausbau dieser Angebote. Eine Verdreifachung der Stellen in Ghana zum Sommer dieses Jahres sei organisatorisch kein Problem. Wenn die Gelder des Entwicklungsministeriums allerdings auf dem Stand von 2009/2010 eingefroren werden, wird es erstmal bei neun weltwärts-Stellen für den Landesverband bleiben. "Bewerben lohnt sich trotzdem", betont Bianca Meyer.

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