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Höchste Waldbrandwarnstufe in Jülchendorf : Altes Reisig brennt jetzt wie Zunder

vom

Trockenheit und sommerliche Temperaturen haben zu einer akuten Brandgefahr geführt. Das Forstamt Gädebehn rief am Dienstag die Warnstufe III aus.

svz.de von
erstellt am 26.Apr.2011 | 08:42 Uhr

Jülchendorf | Rainer Wagner kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Stets an frischer Luft, mittendrin in der sich momentan täglich verändernden Natur - und dann bei diesem Wetter. Er wohnt seit 1983 in Jülchendorf und ist dort seit 1990 Revierförster, doch er könne sich nicht erinnern, dass zu dieser Zeit jemals die Buchen so grün waren. In manchen Jahren sei es schwierig gewesen, zum 1. Mai Birken in dieser Pracht zu finden. Die Natur habe den Rückstand aus der späten Frost periode mehr als aufgeholt.

Aber der Forstmann macht sich langsam auch Sorgen. Trockenheit und sommerliche Temperaturen haben zu einer akuten Brandgefahr geführt. Das Forstamt Gädebehn, zu dem Jülchendorf gehört, rief gestern die Warnstufe III aus. "Für unser Revier mit den Mischwäldern ist das die höchste Waldbrandwarnstufe. Nur bei reinem Nadelholzbestand gibt es noch Stufe IV, die mit dem Landkreis festgelegt wird. Dann darf niemand mehr den Wald betreten", erklärt der Förster.

In den hiesigen Revieren ändere sich für die Bevölkerung nichts. Denn das Rauchen sei ständig verboten ebenso wie das Befahren der Wege mit Kraftfahrzeugen. "Weil der Wald zur Erholung da sein soll, ist das gesetzlich so geregelt", nennt Rainer Wagner als einfache Erklärung. Die Schranken an den Waldwegen hätten also ihren Grund. Und Radfahrer kämen gut daran vorbei, Spaziergänger oder Pilzsammler mit dem Auto fänden Platz es davor abzustellen oder könnten - noch besser - die ausgewiesenen Parkmöglichkeiten nutzen. "Uns bleibt nur, an die Kraftfahrer zu appellieren, derzeit natürlich noch eindringlicher. Der Auspuff vom Auto ist schnell heiß; wenn jetzt jemand rückwärts zu nahe an trockenes Gras oder altes Nadelreisig fährt, kann es leicht lichterloh brennen", weiß der Revierförster. Auch fürs Laub aus dem Vorjahr in den Buchenwäldern reiche schon ein Funke.

Noch mehr ärgert Rainer Wagner, wenn Zigarettenkippen aus dem Autofenster geworfen werden. "Diese Unsitte stellen wir schon seit Jahren fest."

Gerade bei Dunkelheit lasse sich das gut beobachten. "Und das sind nicht nur junge Fahrer. Mancher der Älteren will auf diese Art wohl sein Auto sauber halten", vermutet der Forstmann. Diese Gedankenlosigkeit könne aber verheerende Folgen haben. Gegenwärtig um so mehr, und das nicht nur in Wäldern, sondern auch auf ausgedörrten Stilllegungsflächen oder im Sommer auf Getreidefeldern. Für die Forstleute bedeutet Warnstufe III einen durchgehenden Bereitschaftsdienst, der wöchentlich wechselt. "Und ich fahre jetzt öfter dorthin, wo die Gefahr am größten ist", fügt der Jülchendorfer an. Das Revier umfasst 620 Hektar, knapp zwei Drittel davon sind Buchenwald, zu einem kleinen Teil gemischt. Hinzu kommen hoheitliche Aufgaben für Bundesforst sowie Wälder aller weiteren Eigentumsformen, privat wie kommunal oder kirchlich.

Kritisch wird es ohne Regen auch für die Neuanpflanzungen, sorgt sich der Revierförster. 8000 dreijährige Buchen kamen in einen Lärchenbestand, der über Jahrzehnte in einen Buchenwald umgewandelt wird. Die Lärchen bilden zwar einen Schirm, der die Verdunstung aufhält, doch ohne Nachschub verliert der Boden selbst hier die letzte Feuchtigkeit. Im Vorjahr vertrocknete eine Ackeraufforstung mit Laubholz, die schon ausgegrünt war, in der Hitzeperiode des Frühsommers, musste im Herbst komplett erneuert werden und erhielt jetzt ringsherum eine Hecke. Ein Forstmann ärgere sich jedes Mal, wenn ein Baum eingeht. "Was wir anpflanzen, soll über Generationen wachsen. Das ist ein schönes Gefühl", sagt der Revierförster. Buchen würden bis zu 140 Jahre später geerntet. Sie vermehrten sich in der Regl ganz natürlich, die Forstleute helfen nur ein wenig nach.

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