zur Navigation springen
Lokales

18. November 2017 | 09:21 Uhr

Altem Bahnhof aufs Dach gestiegen

vom

svz.de von
erstellt am 24.Jul.2011 | 06:48 Uhr

Muggerkuhl | Im Mai 1968 war es, da hielt der letzte Personenzug der Kreisringbahn in Muggerkuhl. So jedenfalls hat es Siegfried Hartmann in Erinnerung. Danach, so erzählt er, habe die Ziegelei das Gleis am Bahnhof noch ein paar Jahre für den Güterverkehr genutzt, bis alles verwaiste. Die Gleise sind seit Jahrzehnten demontiert, der Bahnhof wird nicht mehr gebraucht. Dabei hatte das kleine Häuschen viele Jahre lang eine Doppelfunktion. "1945 kam Alice Rinn mit ihren beiden Töchtern als Ostflüchtling nach Muggerkuhl. Sie zog in den Bahnhof, wohnte hier und war gleichzeitig für den Zugverkehr verantwortlich", erzählt Hartmann. Der mittlere Raum war sowohl Fahrkartenschalter als auch Küche der Rinns. Noch heute steht hier ein alter Herd.

Das Gebäude selbst fristet aber ein kärgliches Dasein, ist irgendwann dem Verfall Preis gegeben, wenn nicht etwas geschieht. Und genau das will die Interessengemeinschaft, die sich zusammenfand: Dem Bahnhof soll neues Leben eingehaucht werden. "Wir möchten hier aus den derzeit drei Räumen zwei machen. In einem wollen wir ein kleines Museum einrichten, das an die ehemalige Kreisringbahn erinnert", erklärt Hartmann. Es soll diese gut 50 Jahre Eisenbahngeschichte dokumentieren. Mit dem Perleberger Peter Sommerfeld, der Bahnhöfe der ehemaligen Kleinbahn nicht nur im Modell nachbaut, sondern auch deren Geschichte in einem Buch beschreibt, "sind wir schon in Kontakt getreten", sagt Hartmann. Denn das kleine Muggerkuhl ist gar nicht so unbekannt als Tor zu den Ruhner Bergen und mit seinem Caravanplatz am Gemeindehaus.

Doch bevor das Bahnhofsgebäude wieder genutzt werden kann, ist erst einmal viel zu tun. Deshalb hieß es am Sonnabend Arbeitseinsatz, kamen neben Hartmann auch Christian Fenske, Lutz Pöhl, Frank Spitzer, Thomas Bohnsack und Manfred Krause. Sie rückten vor allem dem alten Dach zu Leibe. Das Wellasbestdach wurde abgetragen und wird fachgerecht entsorgt, aber auch die Pappe wurde herunter geholt. Auch der alte Schornstein soll abgerissen werden. Ein neuer ist nicht geplant, auch wenn derzeit in dem einen Bahnhofsraum noch ein Kachelofen steht. Danach sollen die Balken auf den Dachsparren erneuert werden und eine Lage Dachpappe aufgebracht werden, damit alles wieder dicht ist.

"Wenn wir das alles in diesem Jahr schaffen, sind wir schon gut", schätzt Hartmann realistisch ein. Am Sonnabend leisteten die Enthusiasten jedenfalls schon mal ein gutes Stück Arbeit. Das halbe Dach ist gemacht und auch die zugemauerte Tür zum ehemaligen Gepäckraum ist aufgestemmt. Denn der Eingang soll neu gestaltet werden. Gespräche mit einer Firma aus Marienfließ gebe es schon, die Fenster und Türen zu einem sehr günstigen Preis zur Verfügung stellen wolle. Und mit dem Malermeister Schlegel aus Neuhausen verhandele man auch schon wegen der Erneuerung des Ortsschildes am Bahnhofsgebäude, berichtet Hartmann.

Bislang habe man rund 1300 Euro Spendengelder sammeln können, darunter 500 Euro vom Dorfclub Muggerkuhl. Das andere Geld sei von privaten Spendern gekommen, freut sich Hartmann. Weitere Spenden sind natürlich willkommen, denn noch wartet viel Arbeit auf die Interessengemeinschaft.

Gespendet werden kann unter der Bankverbindung Amt Putlitz-Berge, Kontonummer 1430000038, Bankleitzahl 16050101, Sparkasse Prignitz, Verwendungszweck "Bahnhof Muggerkuhl".


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen