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Kulturstandort : Alte Zuckerfabrik erneut in Gefahr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Konzerte stehen dem Wohngebiet im Weg. Verwaltung will Veränderungssperre für die Einrichtung durchsetzen.

von
erstellt am 25.Okt.2015 | 06:00 Uhr

Eine geplante Veränderungssperre in Vorgriff auf ein Wohngebiet bedroht erneut die Existenz der Alten Zuckerfabrik. Wird sie am 2. Dezember von der Bürgerschaft beschlossen, wäre eine langfristige Nutzungsgenehmigung als Kulturstandort mit unregelmäßigen Konzerten vorerst vom Tisch. Die aktuelle Genehmigung läuft Ende 2016 aus. Sie war im September 2014 auf zwei Jahre befristet erteilt worden, nachdem Betreiber Martin Hänler beim Lärmschutz nachgebessert hatte. Vorausgegangen waren Beschwerden aus der Nachbarschaft.

Das eigentliche Problem ist jedoch das geplante Wohngebiet Warnowniederung, das laut Stadtplanungsamt auf dem Brachland zwischen Alter Zuckerfabrik und Bahngleisen entstehen soll. Die Konzerte stehen diesem Vorhaben im Weg. In ihrer Beschlussvorlage kritisiert die Verwaltung: „Ein aktueller Bauantrag sieht für das Gebäude weder eine Befristung noch eine Obergrenze der Anzahl der Musikveranstaltungen pro Monat vor.“ Dadurch entstünden Konflikte mit den künftigen Nachbarn und die Bauleitplanung für das Wohngebiet werde erschwert. Die Veränderungssperre solle Zeit für eine städtebaulich-akustischen Machbarkeitsstudie gewinnen, die gerade anlaufe.

„Ich habe meinen Bauantrag schon vor dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan im November 2014 eingereicht“, sagt Hänler. Im rechtlichen Sinn sei die Alte Zuckerfabrik ein kultureller Standort mit unregelmäßig stattfindenden Konzerten und vielen Proberäumen. „Wir sind keine reine Vergnügungsstätte beziehungsweise Disko, dafür wären zwingend regelmäßige Veranstaltungen Bedingung“, sagt Hänler. Laut Verwaltung komme die Alte Zuckerfabrik aber „ohne eine Obergrenze der Anzahl der Veranstaltungen pro Monat der Charakteristik einer diskothekenähnlichen, kerngebietstypischen Vergnügungsstätte zu nahe“.

Sie will die Entscheidung über die langfristige Betriebserlaubnis bis zum fertigen Bebauungsplan hinauszögern. Dieses Vorgehen steht allerdings im Widerspruch zum Bürgerschaftsbeschluss vom November vergangenen Jahres. Die Mehrheit legte damals fest: „Der Erhalt und die Planungssicherheit für die Alte Zuckerfabrik als Konzerthaus mit unregelmäßigen kulturellen Veranstaltungen sind zu gewährleisten.“ Genau das hat Hänler beantragt. Er sagt: „Eine Veränderungssperre ist ein Mittel, das selten angewandt wird – zuletzt, um die Ausbreitung von Ferienwohnungen in Warnemünde zu verhindern. Da ist es doch fraglich, warum die Verwaltung es jetzt anbringen will.“

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