Als Kinder pilgerten

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Die Wunderblut-Darsteller der Aufführung 2010. Petra Ferch

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05. Juli 2010, 08:14 Uhr

Bad Wilsnack | Wenn am 28. August in der Kurstadt wieder das Spiel vom Wunderblut in der Wilsnacker Kirche aufgeführt wird, gibt in diesem Jahr einen ganz neuen Aspekt, nämlich das Kinderpilgern. "Es ist ein Phänomen, aber es sind nachweislich Kinder von sechs bis 18 Jahren scharenweise aus allen deutschen Landesteilen nach Wilsnack zum Wunderblut gepilgert", erzählt Bärbel Mann, die Managerin der Aufführung. Und sie beruft sich dabei auf Matthäus Ludecus, dem Domdechant am Havelberger Dom. Er lebte von 1517 bis 1606, "hat also die Wallfahrtszeit in Wilsnack selbst erlebt und darüber geschrieben", verweist Bärbel Mann auf eine Quelle. Eine andere finde sich im Erfurter Archiv, "wo man den in die Stadt um Einlass bittenden Pilgerkindern diesen verwehrte".

Über die Motive des Kinderpilgerns könne sicher spekuliert werden. Bärbel Mann verweist sowohl auf die Frömmigkeit als auch darauf, dass "sicher viele arme Eltern ihre Kinder mitgeschickt haben in der Hoffnung, dass sie dabei zu essen und zu trinken bekommen würden". Viele der Kleinen seien aber sicher auf den Pilgertouren ums Leben gekommen. Auch von diesem Leid werden die Kinder-Darsteller am 28. August berichten.

Seit Februar laufen die Vorbereitungen für die diesjährige Aufführung. Über 100 Mitwirkende, darunter Sänger verschiedener Chöre, nehmen daran teil, es werden erstmalig verschiedene Kirchenchoräle von der Empore zu hören sein, verrät Regisseurin Friederike Möckel schon einmal. Es ist die dritte Aufführung, die sie inszeniert, nachdem das Wunderblut- bzw. Ellefeldspiel lange Zeit nicht mehr auf die Bühne gebracht worden war. Es sei ja auch eine schöne, aber ebenso aufwändige Arbeit, wie Jochen Purps, Vorsitzender des Fördervereins der Wunderblutkirche, nicht verhehlt. Umso dankbarer sind er und die anderen Aktiven der Sparkasse Prignitz, die die Aufführung seit Jahren unterstützt. Auch 2011 werde es wieder ein Wunderblutspiel geben, verspricht Purps. In welcher Form, das sei allerdings noch völlig offen, erklärt auch Friederike Möckel, bevor sie sich dann wieder der Probe zuwendet. Zum ersten Mal in diesem Jahr fand die am Sonnabend in Kostümen statt.

Die Aufführung am 28. August reiht sich wieder ein in das Pilgerfest. Und natürlich wird an diesem Tag auch wirklich gepilgert, von der Plattenburg bis in die Kurstadt. Die Deutsche Bahn organisiere für den Tag eine extra Tour von Berlin nach Bad Wilsnack, berichtet Bärbel Mann. Und sie verweist in diesem Zusammenhang, dass das Pilgern insgesamt eine immer größere Rolle spiele. "Es werden verstärkt Pilgerausweise abgefragt", bestätigt Purps.

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