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In Alt Brenz wird die alte Grundschule zum Vereinshaus umgebaut : Als der Lehrer noch den Ofen heizte

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Irgendwann wurde eine Zwischenwand eingezogen, denn Erna Zander weiß, dass ihr Klassenraum größer war. Der alte Kachelofen, der stand ganz hinten in der Ecke. "Den hat unser Lehrer damals immer selber geheizt."

Alt Brenz | Irgendwann wurde eine Zwischenwand eingezogen, denn Erna Zander weiß, dass ihr Klassenraum größer war. Der alte Kachelofen, der stand ganz hinten in der Ecke. "Den hat unser Lehrer damals immer selber geheizt", sagt die betagte Dame. Damals, das war 1932. In diesem Jahr wurde Erna Zander eingeschult. Heute, 79 Jahre später, steht sie wieder in dem Raum, in dem sie früher in Deutsch unterrichtet wurde, in dem sie das Handarbeiten lernte und Mathe paukte. Die alte Schule wird gerade umgebaut, damit sie in Zukunft noch effektiver von den Vereinen des 540-Seelen-Dorfes genutzt werden kann. Ein Gebäude im Wandel der Zeit, doch die Erinnerungen an die Schulzeit sind bei Erna Zander noch nicht verblasst.

Der Tag der jungen Erna Zander beginnt um 6 Uhr in der Früh. Erst die Kühe des Nachbarn auf die Koppel bringen, dann ab von Neu nach Alt Brenz zur Schule. Die Klassen eins bis vier werden in einem Raum unterrichtet. Vor Kopf der Lehrerpult, in der Ecke rechts der Kartenständer. Die Schule macht Erna Zander Spaß. Interessant ist es, man lernt viel. Aber besonders das Turnen, das hat es dem Mädchen angetan. "Doch eine Turnhalle hatten wir nicht. Wir mussten immer ein paar Meter weiter in den Saal einer Gaststätte gehen", sagt die heute 85-Jährige. Streng geht es zu in der Schule, es herrschen Zucht und Ordnung. Ein Lehrer habe oft den Stock zu einer Tracht Prügel angesetzt und die Ohren der Kinder lang gezogen. "Aber wir hatten auch ein paar Rabauken in der Klasse", weiß Erna Zander. Rund 40 Kinder werden gemeinsam unterrichtet, die jüngsten sitzen vorne, die älteren weiter hinten. "In der vierten Klasse saß ich ganz hinten", erzählt die Mecklenburgerin und schaut sich in dem Raum um, in dem schon lange nichts mehr an einen Unterrichtsraum erinnert. Der Boden ist herausgerissen, die Wände sind kahl, die sanitären Anlagen im Nebenraum abmontiert.

Am 1. Oktober 1945 wird in der Schule wieder unterrichtet

Erna Zander zieht ein paar Klassenfotos aus ihrer Tasche hervor. Ein Foto aus ihrer Schulzeit hat sie nicht mehr, die seien, sagt sie, irgendwann abhanden gekommen. Aber sie hat noch ein Bild von einem Schuljahrgang 1928. "Da ist der Willi", sagt sie und tippt auf einen Jungen, der spitzbübisch in die Kamera schaut. Erna Zander erkennt Robert, Helene und viele der anderen Kinder. "Alles Kinder aus Neu und Alt Brenz", sagt sie. Und der Junge in der ersten Reihe, der fünfte von rechts, den kennt sie besonders gut. "Das ist mein Schwager Johann, der später im Krieg gefallen ist." Der Krieg. Er hat einige Schüler das Leben gekostet. Und er hat dafür gesorgt, dass die Schule auch längere Zeit geschlossen wird. Die Aufnahme des Unterrichts erfolgt am 1. Oktober 1945.

Wann das Schulgebäude gebaut wurde, das weiß Erna Zander nicht. Auch Hannelore Otto, die von 1970 bis 1991 Lehrerin an der Schule war, muss passen. 100 Jahre, vielleicht ein paar mehr, vielleicht ein paar weniger. "Aber 1987", weiß die 62-jährige Hannelore Otto, "da bekamen wir endlich eine eigene Sporthalle". Zu dieser Zeit gehört die Schule schon über 35 Jahre zum Schulkombinat Brenz, Neu Brenz und Blievenstorf mit achtklassiger Grundschule. Parterre zwei Schulräume, in der ersten Etage ebenfalls. "1987 haben wir auch eine Zentralheizung bekommen", sagt Hannelore Otto. Der Schornstein steht immer noch, und er wird auch nicht, anders als die Turnhalle, abgerissen. Auf ihm nisten Störche - und das soll auch zukünftig so bleiben. 1999 wird die Schule geschlossen. Es sind nicht mehr genügend Kinder in Brenz. Das Gebäude soll nun verkauft werden, doch ein Abnehmer findet sich nicht. Dafür haben 2003 Volkssolidarität und Gemeinde einen Treffpunkt eröffnet.

Wenn der rund 470 000 Euro teure Umbau im Laufe des Jahres fertig ist, dann sollen die Senioren und Jugendlichen einen Anlaufpunkt mit Mehrzweckraum im Dorf erhalten. Auch der Bürgermeister zieht dort ein. Erna Zander wird in diesem Gebäude wohl auch noch ein- und ausgehen - so wie sie es schon vor 79 Jahren getan hat.

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erstellt am 06.Jun.2011 | 07:59 Uhr

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