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Lokales

16. Dezember 2017 | 19:47 Uhr

Als Angehörige Hilfe annehmen

vom

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erstellt am 20.Sep.2010 | 07:38 Uhr

Am Lesertelefon Extra berieten gestern Dr. Lutz Michael Drach (Helios Kliniken Schwerin), Ute Greve (Zentrum Demenz) und Susanne Müller (Helferkreis Schwerin) zum Thema Demenz. Hier einige Auskünfte.

Bei meiner Mutter wurde eine Demenz diagnostiziert. Muss sie jetzt gleich ins Pflegeheim oder welche Möglichkeiten habe ich, damit sie weiter in ihrer Wohnung leben kann?

Im frühen Krankheitsstadium ist es gut, wenn Erkrankte in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Sie können sich auf bekannte Abläufe, Wege und Nachbarn stützen. Das ist hilfreich, um so lange wie möglich und so weit wie möglich selbstständig zu sein. Meist reicht es aus, bei schwierig gewordenen Tätigkeiten zu begleiten bzw. den Erkrankten zu unterstützen. Dieses kann beispielsweise durch geschulte Ehrenamtliche oder durch Mitarbeiter eines Pflegedienstes erfolgen. Die Abrechnung solcher Leistungen erfolgt über die zusätzlichen Betreuungsleistungen (100 bzw. 200 Euro pro Jahr). Auch später ist ein Umzug nicht zwangsläufig nötig, wenn Angehörige oder andere Helfer öfter am Tag nach dem Rechten sehen. Je mehr jedoch das Gedächtnis und die körperlichen Fähigkeiten nachlassen, desto mehr ganztägige Pflege und Betreuung brauchen Demenzkranke.

Ist Demenz heilbar, wenn sie früh erkannt wird?

Alzheimer und viele andere Formen von Demenz sind in der Regel nicht heilbar. Aber ihre Symptome sind behandelbar. Durch die richtige Therapie lassen sich der Krankheitsverlauf verzögern und die Symptome mildern. Einige seltenere Demenzformen, die z. B. durch Depressionen, Medikamente, Schilddrüsenerkrankungen oder eine Vitamin-Unterversorgung bedingt sind, können dagegen geheilt werden, wenn sie rechtzeitig erkannt werden. Man spricht dann von sekundären Demenzen.

Wie gehe ich als Angehöriger mit aggressivem Verhalten um?

Versuchen Sie, freundlich zu bleiben, auch wenn Demenzkranke aus Wut schimpfen und um sich schlagen. Es gibt keinen Grund, persönlich beleidigt zu sein. Das aggressive Verhalten ist nicht gegen Sie gerichtet, sondern Folge einer organischen Störung im Gehirn. Manchmal hilft es bei Konflikten schon, aus dem Raum zu gehen und das demenzkranke Familienmitglied kurz allein zu lassen. Häufig vergisst er oder sie schnell und wird wieder zugänglich.

Bei meiner Oma wurde eine Alzheimer-Demenz diagnostiziert. Ist sie automatisch geschäftsunfähig?

Wer an Demenz leidet, kann durchaus noch geschäftsfähig sein. Es kommt darauf an, ob Demenzkranke Bedeutung und Tragweite ihrer Entscheidung bei Käufen und Verträgen einschätzen können. Wer dies nicht mehr kann, gilt als geschäftsunfähig. Entsprechend sind die getätigten Abschlüsse unwirksam. Das gilt auch dann, wenn der Geschäftspartner nichts von der Demenz wissen konnte. Von daher ist es wichtig, dass so früh wie möglich durch den Erkrankten vorgesorgt wird, in dem er eine Vorsorgevollmacht erteilt. Damit kann bei einer Geschäftsunfähigkeit beispielsweise ein Angehöriger für den Erkrankten handeln.

Mein Vater hat Demenz und wohnt in einem Pflegeheim. Die Leistungen der Pflegeversicherung und seine Rente reichen nicht aus, um seine Pflege und seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Wo gibt es in solchen Fällen weitere Hilfen?

Scheuen Sie sich nicht, ergänzend Sozialhilfe zu beantragen. Deren Aufgabe ist es, Menschen, die aufgrund einer Krankheit oder ihres hohen Alters auf fremde Unterstützung angewiesen sind, ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Bei bedürftigen Demenzkranken kann das Sozialamt beispielsweise die Kosten für Unterkunft und Verpflegung in einem Pflegeheim sowie weitergehende Betreuungskosten übernehmen - vorausgesetzt, Ehepartner oder Kinder sind dazu nicht in der Lage.

Die Haftpflichtversicherung meiner Mutter will ihr aufgrund ihrer Demenz die Leistung verweigern. Darf sie das?

Mit einer Demenzerkrankung steigt auch das Schadensrisiko. Die Haftpflichtversicherung sollte daher unbedingt über die "nachträgliche Gefahrenerhöhung" informiert werden. Haben Sie das versäumt, darf der Versicherer den Vertrag fristlos kündigen und die Leistungen im Schadensfall verweigern. Die meisten Versicherungen gehen davon aus, dass das Gefahrenrisiko durch eine Demenz steigt und verlangen dann einen höheren Beitrag. War dem Versicherungsunternehmen zum Zeitpunkt des Neuabschlusses die Demenzerkrankung bekannt, haftet das Unternehmen für die vertraglich versicherten Schäden, die der Erkrankte verursacht.

Ich bin selbst über 70 Jahre alt und pflege meinen demenzkranken Mann. Ich kann ihn aber nicht mehr alleine lassen, möchte ihn aber auch nicht immer mit zu meinen Arztterminen oder zum Einkaufen mitnehmen, da es für ihn eine große Belastung darstellt. Was kann ich tun?

Sie haben mehre Möglichkeiten. Wenn Ihr Mann in der Häuslichkeit betreut werden soll, kann dieses zum Beispiel durch einen Pflegedienst oder ehrenamtliche Helfer erfolgen. In einigen Regionen gibt es auch Betreuungsgruppen, wo der Erkrankte beispielsweise einmal in der Woche für drei Stunden in einer Gruppe betreut wird. Eine weitere Alternative stellen Tagespflegen dar, die es mittlerweile in vielen Städten und Regionen gibt. Ihr Mann wird morgens von zu Hause abgeholt und am Nachmittag wieder durch den Fahrdienst der Einrichtung nach Hause gefahren. Sie hätten dann in der Woche einen oder mehrere "freie" Tage, die Sie beispielsweise für Arztbesuche oder zum Einkaufen nutzen können oder um sich einfach mal zu erholen. Die Kosten für derartige Angebote werden in der Regel von der Pflegekasse bezahlt. Eine Übersicht über Tagespflegeeinrichtungen sowie Einrichtungen der stundenweisen Betreuung in der Häuslichkeit erhalten Sie von Ihrer Pflegekasse.

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