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Lokales

16. Dezember 2017 | 19:54 Uhr

Alles außer Russisch

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erstellt am 31.Aug.2010 | 07:55 Uhr

Schwerin | Noch zwanzig Jahre lang kann das Land Mecklenburg-Vorpommern vom DDR-Erbe Russisch-Unterricht zehren. Bis ins Schuljahr 2030/31 bleibt die Fremdsprache ein "Überhangfach" sowohl an Gymnasien als auch an Regionalen Schulen - anders gesagt: In diesem Fach gibt es langfristig mehr Lehrer als nötig. In anderen Gebieten wiederum fehlen sie heute wie in einigen Jahren. Wer wann und wo wie sehr gefragt ist, das geht aus einer Langzeitprognose für den Lehrerbedarf in Mecklenburg-Vorpommern hervor, die Bildungsminister Henry Tesch (CDU) gestern im Kabinett vorgestellt hat. "Sie macht deutlich, dass wir bis 2030 jährlich im Schnitt 4000 Studierende für den Lehrerberuf benötigen werden", sagte er und betonte, dass dabei eine "Schwundquote im zweistelligen Bereich" einkalkuliert sei.

Die Landesregierung favorisiert Tesch zufolge für die Lehrerausbildung ein Grundangebot von 2500 Studienplätzen an der Universität Rostock und weitere 1500 an der Universität Greifswald. Darüber hinaus müsse in den Jahren 2010 bis etwa 2023 ein "Bedarfsberg" gemeistert werden. In dieser Zeit hält der Minister am Standort Rostock sogar bis zu 3000 Studienplätze für nötig und kündigt für die Finanzierung über das Grundangebot hinaus Mittel aus dem Hochschulpakt an.

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Mathias Brodkorb, geht angesichts der Prognose und weiterer wissenschaftlicher Gutachten davon aus, dass bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts jährlich Einstellungen von bis zu 600 Lehrerinnen und Lehrer nötig werden. Erst nach 2024 sinke der Bedarf wieder auf ungefähr 300 Neueinstellungen, wie der Landtagsabgeordnete sagte. Für Greifswald bedeutet die Einigung im Kabinett, dass die Zahl der Lehrer sstudienplätze von derzeit gut 1800 auf 1500 zurückgefahren wird. "Greifswald ist zum Hauptstandort der Juristenausbildung geworden, daher ist es nur konsequent, wenn Rostock nun umgekehrt Hauptstandort der Lehrerbildung wird", kommentierte Mathias Brodkorb.

Zustimmung zu den Plänen signalisierte auch der Bildungsexperte der CDU-Landtagsfraktion, Marc Reinhardt: "Bei der Neuordnung der Lehrerbildung geht es um eine auf den Landesbedarf abgestimmte Ausbildung", sagte er. Neben der Quantität sei auch eine Verbesserung in der Qualität der Ausbildung Ziel der Landesregierung.

Nach Auskunft von Henry Tesch ist Mecklenburg-Vorpommern das erste Bundesland, das eine langfristige und nach Schularten und -fächern gegliederte Personalplanung erarbeitet habe. Demnach sind beispielsweise heute am Gymnasium Lehrer für Musik, Kunst, Sozialkunde und Informatik rar, bis zum Schuljahr 2020/21 kommen noch Englisch-Lehrer hinzu. Ab 2030/31 sind dann Kollegen für Mathe, Deutsch, Biologie und Geschichte gefragt. An den Regionalen Schulen werden über den gesamten Zeitraum Lehrer für Englisch und Biologie gebraucht, während sich etwa Deutsch und Mathematik vom heutigen Überhang- zum Bedarfsfach 2030/31 wandelt. "Wir können anhand der konkreten Zahlen sowohl Studenten als auch Junglehrern jetzt genau sagen, was sie in den kommenden Jahren im Land erwartet", betonte Henry Tesch. Mit Blick auf seine Kollegen in anderen Bundesländern erwartet und wünscht der Minister möglichst bald viele Nachahmer.

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