zur Navigation springen

Image-Verlust in nicht abzusehender Größe : "Alles aufdecken und hart bestrafen"

vom

Andreas Brosseit, einer der größten Geflügelmäster im Raum Lübz, bezeichnet das einem Uetersener Unternehmen zur Last gelegte Vorgehen, dioxinbelastetes Futtermittel in Umlauf gebracht zu haben, als kriminell.

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2011 | 09:11 Uhr

kuppentin | "Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, wie sie im Raum stehen, darf man nicht rumeiern, sondern muss alles aufdecken und hart bestrafen." Andreas Brosseit, einer der größten Geflügelmäster im Raum Lübz, bezeichnet das einem Uetersener Unternehmen zur Last gelegte Vorgehen, dioxinbelastetes Futtermittel in Umlauf gebracht zu haben, als kriminell. Ein schwarzes Schaf habe damit für einen Schaden und Image-Verlust in nicht abzusehender Größe gesorgt - vom Landwirt als Erzeuger bis zum Verbraucher.

Allein Brosseit braucht in gut einem Monat für 67 000 Tiere rund 250 Tonnen Futter. Dies kauft er beim Hersteller "Forfarmers", der 2006 in Gerdshagen ein neues Werk errichtet hat. "Dort stellen wir ausschließlich Geflügelfutter her. Alle dafür notwendigen Einzelkomponenten - Weizen, Mais, Soja, Rapsschrot und Vitamine - beziehen wir von geprüften Herstellern, die nichts mit technischen Fetten zu tun haben", erklärt Verkaufsleiter Haiko Eberhard. "Zusätzlich zur staatlichen Kontrolle haben wir uns mit anderen Herstellern zusammengeschlossen, die selbst überpüfen, ob ihre hohen Ansprüche erfüllt werden." Das Unternehmen hat auch Brosseit schriftlich bestätigt, keine Produkte aus Uetersen verarbeitet zu haben.

Landwirte liefern ihre Produkte an den Großhandel, der sie nach einer Weiterbehandlung - zum Beispiel Trocknung - an das Futtermittelwerk weiterverkauft. Von jeder hier ankommenden Ladung wird vorm Abladen eine Probe genommen, vakuumverschweißt (so ist Verfälschung ausgeschlossen) und ein halbes Jahr aufgehoben. Vorher hat der Großhändler bereits die Qualität jeder Lieferung des Landwirtes untersucht. Wenn letztlich das fertige Futtermittel zum Beispiel in Kuppentin ankommt, lässt sich allein anhand des Lieferscheins nicht nur erkennen, wann es gemischt wurde, sondern auch, wer die Komponenten geliefert hat. Proben jeder gelieferten Ladung bleiben ebenfalls für ein halbes Jahr beim Kunden.

"Wir müssen darauf vertrauen, was man uns verkauft", sagt Brosseit. "Landwirte und natürlich die Verbraucher stehen ganz unten - sind allem ausgeliefert. Wer heute bestehen will, muss die Kriterien hoch ansetzen. Gerade auch unsere Branche hat sich alle Mühe gegeben, qualitativ hochwertige Produkte zu liefern. Lebensmittel herzustellen ist eine Tätigkeit mit hoher Verantwortung. In diesem Bereich hat es Jahre gedauert, Vertrauen aufzubauen, das mindestens 99 Prozent aller Betriebe auch verdienen. Durch einen Skandal wie den jetzigen ist ein Großteil der Arbeit allerdings binnen weniger Wochen zumindest vorübergehend dahin."

Deutschland habe die strengsten Lebensmittelgesetze, gegen die sich selbst der Rest Europas als zweitklassig abhebe, denen verantwortungsbewusste Züchter aber gern folgten. Bei jedem einzelnen im Handel angebotenen Hähnchen etwa lasse sich seine Herkunft von der Brüterei über den Mäster und den Schlachthof samt Futtermittelproduktion bis zum Lebensmittelmarkt nahtlos nachweisen, wenn es darauf ankomme. Auf den Hinweis, dass es offensichtlich doch gelungen sei, die vielen Hürden zu umgehen, sagt der Kuppentiner, dass angesichts dieser Tatsache wie schon öffentlich zu hören keine Rede von Versehen oder Zufall sein könne: "Das letzte Wort hat die Staatsanwaltschaft, aber wenn die Untersuchungen bestätigen, dass verseuchtes Futter bereits seit März ausgeliefert wurde, ist für mich kriminelle Energie im Spiel - Gewinn ohne Rücksicht auf alle anderen und die Gesundheit von Menschen, die davon ausgehen, gute Lebensmittel zu kaufen. So etwas ist nicht zu verzeihen!"

Haiko Eberhard zufolge sei den existierenden Kontrollmechanismen zu verdanken, dass der Skandal aufgedeckt wurde. Den Stein ins Rollen gebracht habe ein Futtermittelhersteller, als er durch Eigenkontrollen Dioxin nachwies und die Wege zurückverfolgte. "Er hat genau richtig reagiert", sagt der Verkaufsleiter.

Eberhard bestätigt, dass die Verunsicherung stark gewachsen sei. Die ganze Woche über haben ihn im Büro und abends zuhause Landwirte mit 400 000 wie auch Hobbyzüchter mit 20 Hühnern angerufen und um Rat gefragt: "Die Angst ist unabhängig von der Größe."


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen