Kleintierfriedhof Pampow : Alischas letzte Reise

Stellen den Grabstein auf: Die Betreiber des Kleintierfriedhofs Pampow, Jan Drewke und Stephan Rohde, mit Beatrice Walter.  Benjamin Piel
Stellen den Grabstein auf: Die Betreiber des Kleintierfriedhofs Pampow, Jan Drewke und Stephan Rohde, mit Beatrice Walter. Benjamin Piel

Beatrice Walter stampft über den mit Schnee bedeckten Kleintierfriedhof in Pampow. Sie ist hergekommen, um einen Grabstein aufzustellen. Für ihre verstorbene Biewer-Terrier-Hündin Alischa.

von
11. Dezember 2010, 04:18 Uhr

Pampow | Ein kalter Windstoß fegt über die schneebedeckte Grasfläche. Ein paar Schneeflocken fallen auf die letzten braunen Blätter, die noch an den Ästen hängen. Beatrice Walter stampft über den Kleintierfriedhof in Pampow. Sie trägt schwarze Stiefel mit silbernen Schnallen, einen schwarzen Mantel, schwarze Handschuhe. Der Himmel ist stahlblau und wolkenlos. Die Schneedecke reflektiert das Sonnenlicht, Beatrice Walter blinzelt. Sie ist hergekommen, um einen Grabstein aufzustellen. Für ihre verstorbene Biewer-Terrier-Hündin Alischa. "Sie war ein Familienmitglied - die Tierkörperbeseitigung wäre für mich niemals in Frage gekommen", sagt die Tierliebhaberin und fährt sich mit der Hand durch ihre schwarzen Haare, in die sich ein paar feuerrote Strähnchen verirrt haben.

Die Brüder Stephan Rohde und Jan Drewke betreiben den Pampower Kleintierfriedhof seit 1999, waren damals Pioniere auf dem Gebiet. Das Areal ist fast einen Hektar groß, theoretisch hätten hier bis zu 5000 Tiergräber Platz. Rund 100 Gräber kommen Jahr für Jahr hinzu. Tendenz steigend. Hunde, Katzen, Kaninchen, Wellensittiche und sogar eine Schildkröte liegen auf dem Gelände begraben. Huf- und Nutztiere hingegen dürfen hier nicht beerdigt werden. "In diesem Jahr hatten wir zwei Anfragen für Minischweine, aber das erlauben die Gesetze nicht", sagt Jan Drewke. Auch Tierkrematorien dürfen keine Huf- und Nutztiere verbrennen. Verstehen können die Brüder die Gesetze nicht.

Mehr als den Abdecker gab es früher nicht

Auf die Idee, den Friedhof zu betreiben, kamen die Brüder, als ihre eigene Dobermann-Hündin verstarb. "Damals gab es keine Alternative zum Abdecker", erinnert sich Stephan Rohde. Doch eine "Tierkörperbeseitigung" konnten sich die Brüder für ihre Hündin nicht vorstellen. Und so bekam sie das erste Grab auf dem Friedhof.

Nach einer Operation ist Alischa kürzlich verstorben. Für ihr Frauchen Beatrice Walter kam ihr Tod überraschend: "Sie war nur elf Jahre alt - Terrier werden gewöhnlich aber viel älter." Die 32-Jährige ist traurig über den Verlust des Tieres, hat die Trauer aber mittlerweile verwunden. "Alles richtig geschrieben", sagt Jan Drewke, als er den Grabstein zusammen mit seinem Bruder aus dem Kofferraum hievt. Beatrice Walter lacht. Einen neuen Hund will sie sich vorerst nicht kaufen. "Man kann einen Hund nicht einfach ersetzen - ich habe zum Glück noch eine Hündin, ich hoffe, dass sie noch einige Jahre lebt", sagt die Schwerinerin und schaut durch ihre schwarz gerahmte Brille. Eine zweite Grabstelle hat sie trotzdem schon reserviert.

Als Tierbestatter sei man oft auch ein bisschen Seelsorger, meint Stephan Rohde. "Die Menschen gehen ganz unterschiedlich mit dem Verlust des Tieres um - manche reagieren sehr emotional, andere eher nüchtern", sagt Rohde. Sein Bruder legt derweil ein paar Tannenzweige auf das frische Grab. Unter der Erde liegt Alischa in einem Karton aus stabiler Pappe. "Für die letzte Reise in den Tierhimmel", steht darauf. Neben dem Schriftzug prangt ein Sternenhimmel. Beatrice Walter ist froh, dass diese Reise ihrer Hündin auf dem Tierfriedhof und nicht beim Abdecker geendet hat.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen