Alge mit überragenden Eigenschaften

47 Proben aus der Schorfheide-Chorin: Prof. Ulf Karsten  erforscht Mikroalgen in Bodenkrusten. dana Bethkenhagen
47 Proben aus der Schorfheide-Chorin: Prof. Ulf Karsten erforscht Mikroalgen in Bodenkrusten. dana Bethkenhagen

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16. Mai 2011, 07:03 Uhr

Rostock | Die Artenvielfalt verringert sich kontinuierlich. In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Schwerpunktprogramm wurden drei großräumige Biodiversitäts-Exploratorien etabliert, in denen führende Wissenschaftler aus ganz Deutschland die Rolle der Artenvielfalt für das Ökosystem sowie die daraus resultierenden Leistungen für den Menschen erforschen. Der Rostocker Meeresbiologe Prof. Ulf Karsten ist seit Anfang des Jahres Teil des Verbundprojekts und beschäftigt sich dabei mit Mikroalgen in Bodenkrusten. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg, der Nationalpark Hainich und seine Umgebung in Thüringen sowie das Biosphärengebiet Schwäbische Alb in Baden-Württemberg sind die drei

ausgewählten Forschungsstandorte, in denen zwischen 2006 und 2009 Areale für die Forschungstätigkeiten abgegrenzt und vorbereitet wurden. Diese Gebiete sind repräsentativ für ganz Deutschland, erklärt Prof. Karsten.

In allen drei Exploratorien stehen den rund 300 beteiligten Wissenschaftlern jeweils 50 abgetrennte Wald- und 50 Grünlandflächen zur Verfügung, die als so genannte Plots bezeichnet werden.

200 000 Euro für drei Jahre

Die insgesamt 300 Plots sind mit Geräten zur Messung von Boden- und Lufttemperatur sowie Bodenfeuchte ausgestattet. In der letzten Aprilwoche reiste Prof. Karsten in die Schorfheide-Chorin, um dort Bodenkrusten zu sammeln. Zur gleichen Zeit fuhren zwei seiner Mitarbeiter in die beiden anderen Exploratorien, um dort ebenfalls Proben zu nehmen. Bodenkrusten sind das Ergebnis von Störungen des Bodens. Dort, wo beispielsweise Holz gerückt wurde, bleibt der Boden zunächst nackt zurück. An diesen Stellen siedeln sich zunächst Algen als niedere Pflanzen an, bevor höhere Pflanzen wie etwa Farne darüber wachsen. Zurück in den Rostocker Laboren gilt es für Prof. Karsten, nun ein Inventar anzulegen und die Proben für die Untersuchungen vorzubereiten.

Der Meeresbiologe ist eigentlich in dem marinen Milieu forschend tätig, doch es gibt eine Alge an Land, die ihn fasziniert: Die Grünalge Klebsormidium kommt weltweit und in allen Klimazonen vor und scheint über eine enorme Anpassungsfähigkeit zu verfügen, die ihr einen Überlebensvorteil außerhalb des wässrigen Milieus sichert. "Es ist eine der häufigsten Algen, die überhaupt an Land vorkommt", sagt Karsten. Nach dieser Algenart sucht der Wissenschaftler nun auch in seinen Proben der Bodenkrusten, um erklären zu können, ob es sich bei der Fähigkeit, Böden zu besiedeln, tatsächlich um eine extreme Toleranzbreite einer einzigen Art handelt oder eine genetische Differenzierung in vielen Unterarten vorliegt. Der Wissenschaftler sagt: "Die Bodenkrusten sind sehr wichtig für das Ökosystem, da sie für Bodenstabilität sorgen, Wasser zurückhalten und Nährstoffe eintragen."

Darüber hinaus fixieren die Bodenkrusten weltweit zwischen acht und zehn Prozent des Kohlenstoffdioxids sowie bis zu 40 Prozent des Stickstoffdioxids der terrestrischen Vegetation. In den vergangenen Jahren konnte Karsten in der österreichischen Alpenregion erste Erkenntnisse über Klebsormidium gewinnen. Mit diesen Erfahrungen punktete er, als es darum ging, den Zuschlag von der DFG für das auf zunächst drei Jahre angesetzte Projekt zu bekommen. Ab 1. Juli steht Karsten ein neuer Mitarbeiter zur Seite, der von der DFG finanziert wird. Insgesamt stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft für das Projekt rund 200 000 Euro zur Verfügung. Karsten sagt: "Ich kann von diesem Projekt nur profitieren, da ich durch die Zusammenarbeit mit anderen terrestrischen Wissenschaftlern des Konsortiums neue Ansätze und Methoden kennenlerne."

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