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Mehr Erzieherinnen und mehr finanzielle Mittel für die Jüngsten : Aktionsbündnis will Kitas aufwerten

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Mit Forderungen nach Verbesserungen in der frühkindlichen Bildung hat sich das Aktionsbündnis Kita (Abkita) an die Landespolitik gewandt. Das Bündnis vertritt die Interessen von Eltern, Kitaträgern und Arbeitnehmern.

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erstellt am 04.Apr.2011 | 07:27 Uhr

Schwerin | Mit Forderungen nach einer signifikanten Verbesserung der frühkindlichen Bildung hat sich das Aktionsbündnis Kita (Abkita) an die Landespolitik gewandt. Dass in Mecklenburg-Vorpommern deutlich mehr Kinder (6,1 Prozent) verspätet eingeschult würden als im Bundesdurchschnitt (1,0 Prozent), sei ebensowenig hinzunehmen wie der vorletzte Platz, den das Land beim Bildungscheck der Bundesländer im Rahmen des Bildungsmonitors 2010 belegte. Das Bündnis vertritt die Interessen von Eltern, Kitaträgern und Arbeitnehmern in den 1033 Kindertagesstätten des Landes.

In einem verbindlichem Konzept und einem Stufenplan sollte geregelt werden, welche Anstrengungen das Land bis 2016 unternehmen will, um einen besseren Bildungserfolg für die Jüngsten zu erreichen, fordert Abkita-Sprecherin Peggy Lehm. Zwar würde MV seit der Novellierung des Kindertagesstätten-Förderungsgesetzes (Kifög) 22 Millionen Euro mehr in die Kitas investieren, doch das reiche bei weitem nicht aus, um die Einrichtungen finanziell und personell angemessen auszustatten. Zumal Schlüsselzuweisungen sich schon lange nicht mehr an der mittlerweile deutlich gestiegenen Kinderzahl orientieren würden.

100 Millionen Euro fehlen

Christina Hömke von der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege beziffert den jährlichen Fehlbetrag auf mindestens 100 Millionen Euro. Sei dieses Geld nicht sofort verfügbar, müssten Umschichtungen im Landeshaushalt vorgenommen werden und die Zahlungen zumindest stufenweise erhöht werden, so Hömke. Ihr Vorschlag: Sozial- und Bildungsministerium sollten sich umgehend mit den Kita-Trägern an einem Runden Tisch zusammensetzen. So könne endlich das "Verwirrspiel" durch die aktuell zwei verschiedenen Finanzierungs stränge, auf die die Träger angewiesen seien, beendet werden. In diesem Zusammenhang könnte auch eine weitere wichtige Abkita-Forderung auf den Tisch kommen: Elternbeiträge sollten von den Leistungsentgelten der Einrichtungen abgekoppelt, landesweit vereinheitlicht und sozial gestaffelt werden.

"Frühkindliche Bildung kann nicht unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden", argumentiert Christina Hömke. Momentan würde viel Geld ausgegeben, um zum Beispiel Schulabbrecher oder junge Leute ohne Berufsausbildung zu versorgen. Würden diese Mittel in die frühkindliche Bildung gesteckt, seien spätere "Reparaturen" längst nicht mehr im derzeitigen Umfang erforderlich, so Hömke.

Mehr Geld sei in erster Linie nötig, um die Fachkraft-Kind-Relation zu verringern und so die Qualität der Betreuung der Jüngsten zu verbessern, argumentiert Christian Feldmann, der als Vorstandsmitglied des Kita-Landeselternrates das Aktionsbündnis unterstützt. Von derzeit 1:6 müsse die Fachkraft-Kind-Relation in Krippen auf 1:4 gesenkt werden, fordert der Elternvertreter. Im Kindergarten sei statt aktuell 1:17 eine Relation von 1:10 anzustreben, im Hort sollten statt wie gegenwärtig 22 künftig nur noch 18 Kinder von einer Erzieherin betreut werden.

Eine Forderung, die auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt. GEW-Landeschefin Annett Lindner macht aber darauf aufmerksam, dass für die wichtige pädagogische Arbeit in der frühkindlichen Bildung auch gute Arbeitsbedingungen und eine gute Bezahlung der Fachkräfte erforderlich sei. Durch die vielfältige Trägerlandschaft - bei 1033 Einrichtungen im Land gibt es 502 unterschiedliche Träger - sei die Bezahlung jedoch sehr breit gefächert und nicht selten weit vom tariflichen Niveau entfernt.

Erzieherinnenmangel droht

Das könne den Trägern bald auf die Füße fallen, da schon jetzt ein Erzieherinnenmangel absehbar sei. Um die von Abkita geforderte Verbesserung der Fachkraft-Kind-Relation umzusetzen, müssten zusätzlich etwa 6400 Vollzeitstellen geschaffen werden. Doch schon jetzt würden sich immer weniger Schulabgänger für die Erzieher-Ausbildung entscheiden, weiß Christian Feldmann. Denn ausgebildet würde ausschließlich an staatlichen Schulen, die anders als Betriebe keine Ausbildungsvergütung zahlten. Winke Absolventen später in anderen Bundesländern eine bessere Bezahlung, würden sie Mecklenburg-Vorpommern schnell den Rücken kehren. Auch hier müsse das Land dringend gegensteuern, fordert das Aktionsbündnis.

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