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Frau telefonierte sich bis zur Staatskanzlei durch : Airbeat-Festival: Mutter besorgt um Tochter

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Aus Sicht des Veranstalters war das zehnte Airbeat One-Festival ein Erfolg. Besucher aus ganz Deutschland, bekannte Musiker, gute Laune. Einer Mutter aus Lübeck hingegen war so gar nicht nach Feiern zumute.

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erstellt am 18.Jul.2011 | 07:36 Uhr

Neustadt-Glewe | Aus Sicht des Veranstalters war das zehnte Airbeat One-Festival ein Erfolg. Besucher aus ganz Deutschland, bekannte Musiker, gute Laune. Einer Mutter aus Lübeck hingegen war das Wochenende über so gar nicht nach Feiern zumute. Im Gegenteil: Die Frau, die anonym bleiben möchte (Name ist der Redaktion bekannt), hatte Angst. Angst um ihre 18-jährige Tochter, die sie bereits am Donnerstag zum Festival gefahren hatte. Was sie auf dem Gelände des Neustädter Flugplatzes zu sehen bekam, stimmte sie nicht nur nachdenklich, sondern beunruhigte sie. "Da fuhren Betrunkene auf dem Zeltplatz zwischen den Zelten umher, oft haarscharf an anderen Festivalbesuchern vorbei und mit einer Flasche Bier in der Hand", so die Mutter.

Doch auf dem Zeltplatz habe es kein Sicherheitspersonal gegeben, um die Fahrer zu stoppen, sagt die Lübeckerin. Darauf angesprochen, hätte die Security nur achselzuckend und abweisend reagiert. Auch der Veranstalter, den sie anrief, habe sich nicht sonderlich für das Problem interessiert, sondern nach wenigen Sätzen den Hörer aufgelegt. "Ich habe auf so einer Veranstaltung viel um die Ohren, das kann man sich ja vielleicht vorstellen", sagt Sebastian Eggert, Sohn des Veranstalters Rolf Eggert. Die Einwände und das Verhalten der Mutter sind aus seiner Sicht "unmöglich".

Auf Ansprechpartnersuche bis zur Staatskanzlei

Darauf wollte es die Frau aber nicht beruhen lassen. Sie kontaktierte das Ordnungsamt der Stadt Neustadt-Glewe. Wirklich weitergeholfen worden sei ihr dort aber nicht, so die Frau. Sie fühlte sich von Ordnungsamtsleiter Heiko Stickel nicht ernst genommen. Bürgermeister Arne Kröger bestätigt, das es eine Abnahme des Festivalgeländes durch das Ordnungsamt gab. Dabei habe es keinerlei Beanstandungen gegeben. Darüber hinaus habe es eine Vereinbarung zwischen Stadt und Veranstalter gegeben. Dieser Übereinkunft nach sei der Veranstalter für den Zeitraum des Festivals für die Einhaltung von Ordnungs- und Sicherheitsbestimmungen auf dem Gelände verantwortlich gewesen. Laut Vertrag sei der Veranstalter für die Abstimmung des Sicherheitskonzeptes mit der Polizei zuständig. "Insofern ist es Obliegenheit des Veranstalters, entsprechend Security einzusetzen, insbesondere auch deshalb, weil hier aufgrund der regelmäßigen Betätigung als Eventveranstalter auch langjährige Erfahrungswerte vorliegen", so Bürgermeister Kröger. Es seien rund 40 Sicherheitskräfte eingesetzt worden. Und einen weiteren Einwand hat der Bürgermeister: "Ob jemand angetrunken Auto fährt, lässt sich meines Erachtens nur dann feststellen, wenn es eine entsprechende Atem- oder Blutalkoholkontrolle gegeben hat", so Kröger.

Doch mit der Antwort des Ordnungsamts wollte sich die Frau ebenfalls nicht zufrieden geben. So setzte sie schließlich alle Hebel in Bewegung, zog alle Beschwerde-Register. Sie rief in der Schweriner Staatskanzlei an, bei der Büroleitung von Ministerpräsident Erwin Sellering. Nicht ohne Erfolg: Denn die Staatskanzlei reagierte umgehend und kontaktierte das Lagezentrum des Innenministeriums. "Wir haben diesen Hinweis sehr ernst genommen", so ein Mitarbeiter des Lagezentrums. Ein gutes Signal, vor allem in der Zeit nach der Loveparade-Katastrophe. Das Lagezentrum informierte das Rostocker Polizeipräsidium, dieses wiederum nahm Kontakt mit der Ludwigsluster Polizeiinspektion auf.

Polizei zufrieden mit Verlauf des Festivals

"Von ganz oben erreichte uns die Anfrage", erinnert sich Klaus-Dieter Schröder, Sachbearbeiter Einsatz des Ludwigsluster Polizeireviers. Er erläuterte den Rostocker Kollegen das Sicherheitskonzept und die polizeilichen Maßnahmen rund um das Festival. Auch die besorgte Mutter rief er an und beruhigte sie. "Zum einen hat es auf dem Campinggelände sehr wohl Sicherheitspersonal gegeben, zum anderen standen wir als Polizei in ständigem Kontakt mit dem Veranstalter", so Schröder. Die Arbeit der Polizei rund um das Festival sei aus seiner Sicht positiv verlaufen. Es habe acht Alkoholfahrten, eine Fahrt unter Drogeneinfluss, ein Verkehrsunfall unter Alkoholeinfluss, fünf Diebstähle, zwei unbefugte Pkw-Nutzungen, eine Unfallflucht, eine unterlassene Hilfeleistung und eine leichte Körperverletzung gegeben. "Für eine Veranstaltung dieser Größe ist das eine recht zufrieden stellende Bilanz", so Schröder. Nach seiner Einschätzung war nicht fehlendes Sicherheitspersonal, sondern die Kommunikation mit der Frau das größte Problem. "Ich verstehe die Sorgen der Frau sehr gut und darauf hätte man von Beginn an intensiver und erklärender eingehen sollen", so Schröder. Ein Abwimmeln sei nicht die beste Reaktion. Zumindest eine Verbesserung der Kommunikation dürfte die Frau mit ihrer Aktion also erreicht haben. Dies soll in der kommenden Woche unter anderem auch noch einmal Thema bei einer Nachbesprechung von Polizei und Veranstalter sein.

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