Rostock: Chirurgen nähen Finger an : Ärzte retten Hand nach Sägeunfall

Harald Schlüter hatte großes Glück. Foto: Jenny Pfeifer
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Harald Schlüter hatte großes Glück. Foto: Jenny Pfeifer

Beim Brennholzsägen verhakte ein Scheit in Harald Schlüters Kettensäge, dann ging alles ganz schnell. Drei Finger seiner Hand hingen nur noch an einem Hautfetzen. Doch Rostocker Chirurgen gelang das beinah Unmögliche.

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04. Mai 2011, 10:47 Uhr

Ein kurzer Moment veränderte das Leben von LKW-Fahrer Harald Schlüter (39): Beim Brennholzsägen verhakte ein Scheit in der Kettensäge, dann ging alles ganz schnell.

Drei Finger seiner linken Hand hingen nur noch an einem Hautfetzen. Die Kuppe des Daumens fehlte ganz. Den Chirurgen der Südstadtklinik gelang das beinah Unmögliche: Zwei der drei Finger konnten gerettet werden. „Bei einer derart zerfetzten Hand ist das eine Seltenheit“, sagt Dr. Robert Jäckel, Chefarzt der Handchirurgie.

„Ich habe gar nicht gemerkt, was passiert war und wollte schon den nächsten Holzklotz greifen“, sagt der Lkw-Fahrer aus Dargun. Doch da kam auch schon der Schmerz. Das stechenden Gefühl unterdrückend, griff Schlüter mit seiner rechten Hand zum Telefon und verständigte den Notarzt. Wenig später traf schon der Hubschrauber in Dargun ein und brachte den Schwerverletzten in das Rostocker Südstadt-Klinikum. Dort gaben die Ärzte alles, um seine Finger zu erhalten.

Der Eingriff gestaltete sich schwierig, „denn die Gefäße, Nerven und Knochen waren durchtrennt und die Finger somit nicht durchblutet“, so Chefarzt Jäckel. Per Operations-Mikroskop hat Jäckel die einen Millimeter dünnen Nervenstränge einzeln wieder zusammengenäht. Sechs Sehnen und sechs Gefäße hat er außerdem in akribischer Feinarbeit wieder miteinander verbunden. „Nach etwa viereinhalb Stunden waren wir fertig“, so der Chefarzt. Bei dem Eingriff hat der Handchirurg eine seltene Methode zum Einsatz gebracht: „Wir haben einen Nerv mit einer Prothese überbrückt.“

In einer Kunströhre werden die Nervenenden hineingesteckt, sodass sie dort langsam wachsen können. „In sechs Monaten hat sich die Röhre dann aufgelöst“, sagt Jäckel. Direkt nach der Operation konnte er feststellen, ob die Finger durchblutet waren. „Wir haben den Arm abgebunden und nach zwei Stunden die Blutsperre aufgehoben“, so Jäckel. Zwei der drei Finger haben den Eingriff gut überstanden. „Der Zeigefinger hatte sich nach einiger Zeit infiziert, wir mussten ihn wieder amputieren“, sagt der Chefarzt.

Der Lkw-Fahrer kann von Glück reden, dass die Ärzte seine Hand fast vollständig wieder aufbauen konnten: „Für meinen Beruf brauche ich meine Finger unbedingt.“ Vier Wochen sind der Unfall und der komplizierte Eingriff nun her. Erholt hat sich Lkw-Fahrer Harald Schlüter so gut es geht. Seine Finger kann er schon wieder ein bisschen bewegen – greifen noch nicht. Gefühl habe er in seinen Fingern ebenfalls noch wenig.

Eine sechsmonatige Physio- und Ergotherapie solle ihm helfen, sich mit der neuen Situation zurechtzufinden. Denn völlig normal wird Schlüter seine Hand wohl nie wieder bewegen können. „Es ist schon gewöhnungsbedürftig, ich muss mich etwas einschränken“, sagt er. Seine Kinder unterstützen ihn dabei, den Alltag zu meistern. Schon in wenigen Wochen will Schlüter wieder in den Lastwagen steigen.

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