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Lokales

17. Dezember 2017 | 07:19 Uhr

Ärzte kämpfen um Rostocker Vierlinge

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erstellt am 20.Sep.2010 | 07:36 Uhr

Rostock | Das Team in der Rostocker Südstadtklinik war gut vorbereitet, als am vergangenen Freitag endgültig klar war: Die Geburt der ersten Vierlinge in Mecklenburg-Vorpommern war nicht mehr hinauszuzögern. Schon seit Mitte August war die 34 Jahre alte Mutter aus Laage in der Klinik. Die Ärzte versuchten mit allen Mitteln ihrer Kunst, den Kindern so lange wie möglich die Reifung im Bauch der Mutter zu ermöglichen. "Doch dann kam es zu Blutungen, der Muttermund öffnete sich, die Wehen setzten ein", berichtete der Chef der Frauenklinik, Professor Bernd Gerber, gestern.

Drei Gynäkologen, zwei Narkose- und sechs Kinderärzte, zwölf Krankenschwestern und drei Hebammen waren bereit, um Vanessa, Victoria, Valentino und Vincent zu versorgen - "ein enormer logistischer Aufwand, es wurde schon sehr eng im Kreißsaal", sagt Gerber. Zwischen 16.24 und 16.28 Uhr erblickten die Winzlinge das Licht der Welt. Die Kinder wiegen zwischen 755 und 1150 Gramm. "Es handelt sich um extrem unreife Frühgeborene", sagt der Leiter der Abteilung für Neonatologie, Dirk Olbertz. "Wir hofften, dass wir die 30. Schwangerschaftswoche erreichen." Es wurden aber nur 27. Die zwei Jungs und zwei Mädchen kamen 13 Wochen zu früh. Alle müssen nun auf der Intensivstation behandelt werden. Bei zwei von ihnen sei der Zustand aber kritisch. Es ist fraglich, ob sie überleben können. Die Sterblichkeit bei Kindern, die in der 27. Schwangerschaftswoche geboren werden, liegt bei etwa 20 Prozent. Von der Unreife seien alle Organe betroffen, erläutert Olbertz.

Die Kinder liegen nun auf der Intensivstation im Inkubator. Rund um die Uhr kümmert sich ein eingespieltes Team von Ärzten und Schwestern um sie. Prognosen die Zukunft der Vierlinge wagt Olbertz nicht. Die Kinder werden noch mindestens ein Vierteljahr in der Klinik bleiben müssen. "Die Mutter ist wohlauf", sagt Oberärztin Kerstin Hagen. Die 34-jährige Mutter von Vanessa, Victoria, Valentino und Vincent, die sich keiner künstlichen Befruchtung unterzogen hatte, war in den vergangenen Wochen psychologisch betreut worden. Sie sollte erfassen können, was auf sie zukommen wird. "Das wird eine enorme Belastung", sagt Hagen.

Die Südstadtklinik ist das Zentrum für Frühgeborene in der Region. Die Wahrscheinlichkeit für Vierlingsgeburten ist extrem niedrig. Sie liegt ohne medizinische Hilfe bei 1:615 000. Im Schnitt gibt es in Deutschland sechsmal Vierlingsgeburten im Jahr.

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