Ärzte aus dem Ausland füllen Lücken in der Mark

Strebt in Neubrandenburg den dritten Facharzt an: Jaroslaw Korzan  Foto: Koslik
Strebt in Neubrandenburg den dritten Facharzt an: Jaroslaw Korzan Foto: Koslik

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23. Mai 2011, 08:03 Uhr

Potsdam | Ärzte werden nicht nur in den ländlichen Regionen Brandenburgs händeringend gesucht, auch in den Kliniken fehlen Mediziner. In den 51 Krankenhäusern in Brandenburg sind 160 bis 170 Arztstellen unbesetzt. Gesucht werden Mediziner in allen Hierarchien - von Chef- und Oberärzten bis hin zu jungen Ausbildungsassistenten, sagte Dr. Jens-Uwe Schreck, Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg (LKB).

Insgesamt sind nach Auskunft der Landesärztekammer Brandenburg (LÄKB) in den Kliniken, Reha-Einrichtungen und Behörden des Landes 580 ausländische Ärzte beschäftigt. Den größten Teil stellen Polen mit 168 Ärzten. Außerdem weist die Statistik 36 Tschechen explizit aus. Spitzenreiter ist das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus mit 60 ausländischen Medizinern, gefolgt vom Klinikum Frankfurt (Oder) mit 43 und dem Asklepios Klinikum Uckermark mit 40 Ärzten aus dem Ausland. Konkretere Zahlen zur Herkunft der Mediziner gibt es noch nicht, die LKB führt aktuell eine Erhebung durch, die aber noch nicht abgeschlossen ist. Aus der Erfahrung weiß der Geschäftsführer aber, dass vielfach Mediziner aus Osteuropa - so aus Polen, Tschechien, der Slowakei und der Ukraine - nach Brandenburg kommen, um in hiesigen Krankenhäusern zu praktizieren.

Beim Werben um Ärzte aus dem Ausland ist die LKB allerdings zurückhaltender als Gesellschaften in anderen Bundesländern. So würden zum Beispiel keine Headhunter - das sind Personalvermittler, die potenzielle Kandidaten für eine Stelle direkt ansprechen und auch abwerben - eingesetzt. Stattdessen beteilige sich die LKB gemeinsam mit Vertretern der anderen ostdeutschen Bundesländer seit vier Jahren an einer Jobmesse für Studenten in Österreich. An den Universitäten Innsbruck, Graz und Wien würden dabei gezielt angehende Ärzte angesprochen und auf Jobchancen in Brandenburg aufmerksam gemacht. "Die Zahl der Medizinstudenten in Österreich ist relativ hoch - unter anderem, weil junge Deutsche, die wegen des Numerus clausus keinen Studienplatz in Deutschland bekamen, dorthin ausweichen", berichtet Schreck. So seien vergangenes Jahr 24 Absolventen österreichischer Hochschulen für die Arbeit in märkischen Kliniken gewonnen worden.

Staatsvertrag regelt Werben in Österreich

Grundlage für das aktive Werben um den Berufsnachwuchs aus dem Nachbarstaat ist laut LKB ein entsprechender Staatsvertrag, den die ostdeutschen Bundesländer mit Österreich nach der Wende schlossen. "Für die Jobmesse arbeiten wir mit der österreichischen Ärztekammer zusammen. Auch Vertreter der Studentenschaft sind dabei", betont Jens-Uwe Schreck ausdrücklich. "Denn eine solche Aktion soll ein Miteinander sein, eine Kooperation - nichts anderes." Auf andere Stellenbörsen, etwa in Osteuropa, gehe die LKB nicht.

Im Nachbarbundesland Mecklenburg-Vorpommern ist man da offensiver. Die dortige Krankenhausgesellschaft will eigenen Angaben nach nicht nur junge Mediziner aus Österreich ins Land locken. Auch in Dubai und im weiteren arabischen Raum gehe man auf Werbetour. Doch zu solch intensiven Aktivitäten gibt es auch kritische Stimmen: Dr. Michael Wessels, Gesundheitsökonom an der Hochschule Neubrandenburg, warnt davor, beim Schließen ärztlicher Versorgungslücken allzu sehr auf ausländische Fachkräfte zu setzen. "In Polen und Tschechien gibt es mittlerweile auch schon einen Medizinermangel."

In Brandenburg bemühen sich viele Krankenhäuser laut LKB-Chef Schreck nun schon früh um junge Fachkräfte in der Region. Da in der Mark kein Medizinstudium angeboten wird, arbeitet unter anderem die Krankenhausgesellschaft mit der Berliner Charité zusammen. Die Brandenburger Arbeitgeber böten Studierenden Anreize wie Darlehen und Stipendien für die Ausbildung oder helfen bei der Wohnungs- und Kitaplatzsuche. Und auch bei diesen Bemühungen spielt der internationale Aspekt eine Rolle. Einige Krankenhäuser in der Mark, zum Beispiel das Carl-Thiem-Klinikum Cottbus und die Ruppiner Kliniken Neuruppin, holten über das Erasmus-Austauschprogramm der EU ausländische Studenten für einen gewissen Zeitraum in ihr Haus. Das mache neben dem ohnehin wichtigen Informationsaustausch möglicherweise auch neugierig auf den Arbeitsort Brandenburg, so Schreck.

Vor einigen Jahren gab es ein Weiterbildungsprogramm für SpätaussiedlerMediziner in Brandenburg. Von den 21 Teilnehmern bestanden 17 die Prüfung vor der Landesärztekammer.

Bevor aber jemand, der in einem anderen Land Medizin studiert hat, in Deutschland als Arzt tätig werden kann, braucht er allerdings eine Approbation oder Berufserlaubnis. Erteilt wird sie in Brandenburg durch das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Eine Berufserlaubnis gilt nur für das Bundesland, in dem sie erteilt wurde, Approbationen dagegen europaweit. Nach Angaben des Landesamtes ist es für Mediziner aus der EU grundsätzlich unkomplizierter, die Genehmigung zum Praktizieren zu erhalten. Bei Ärzten aus Drittstaaten müssten unter anderem Berufsabschlüsse umfangreich auf ihre Gültigkeit geprüft werden.

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