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Lokales

24. November 2017 | 01:07 Uhr

Ältestes Buch vor dem Zerfall gerettet

vom

svz.de von
erstellt am 20.Mär.2011 | 05:08 Uhr

Pritzwalk | Das älteste Buch der Stadt ist wieder im Besitz der Kirchgemeinde. Das Kirchenbuch dokumentiert Trauungen und Beerdigungen zwischen 1605 und 1699 in Pritzwalk.Das Zeitdokument musste vor dem Zerfall gerettet werden. Am Freitagabend übergab Dr Uwe Czubatynski vom Domstift Brandenbur das restaurierte Buch an Pfarrer Michael Dürschlag und der Kirchgemeinde.

Ältere Dokumente existieren zwar auch, aber nicht in Buchform, sagte Dr. Uwe Czubatynski vom Domstift Brandenburg. Es ist eines der wenigen Dokumente, die die Folgen des Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 in Pritzwalk bezeugen. Großes Glück sei es gewesen, so Czubatynski, dass das Buch selbst den schweren Stadtbrand von 1821 überlebte. Im Laufe der Jahrhunderte wanderte es durch zahlreiche Hände. "Es wurde irgendwann irgendwo schlecht aufbewahrt", sagt er. Einen Einband besaß der wertvolle Schatz schon gar nicht mehr.

"Jemand hat einfach über die Seiten quer rüber Klebestreifen geklebt, damit diese nicht auseinanderfallen", erzählt Czubatynski weiter. Klebereste stammen vermutlich sowohl aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts als auch aus DDR-Zeiten. Der unachtsam aufgebrachte Klebefilm zerstörte nach und nach die Papiersubstanz und löste diese auf. Eine Restaurierung war unabänderlich. Die Berliner Restauratorin, die das Buch wieder aufarbeitete, löste eine ganze Kiste mit alten Klebestreifen aus dem 100 Blatt dickem Buch.

Entstandene Lücken und ausgefranste Seitenränder faserte die Expertin an. Jedes brüchige Blatt stabilisierte sie mit so genanntem Japanpapier. Das handgeschöpfte hauchdünne Material ist bei der Restauration alter Bücher üblich. Aufgrund der zeitintensiven und aufwändigen Arbeit kostete das Verfahren etwa 5000 Euro, informierte Czubatynski. In gemeinsamer Kooperation mit der Sparkasse Prignitz, der Stadt Pritzwalk, des Vereins für Prignitzer Geschichte sowie der evangelische Kirchgemeinde Pritzwalk konnte das Geld aufgebracht werden. Dass sich die Investition gelohnt hat, verdeutlicht Dr. Uwe Czubatynski an bemerkenswerten Einträgen. Etwa in der Mitte des Bandes sind zahlreiche Namen aufgelistet und nach Nummern sortiert. "Hier hat der Pfarrer die Toten aus dem Jahr 1638 aufgeschrieben", erklärt er. 470 - so lautet die letzte Nummer neben einem Namen, starben demzufolge an der Pest. Das ist den Worten des Textes zu entnehmen, den der damalige Pfarrer unter die Liste schrieb. "Dort steht auch, dass das nur die Toten sind, die ein Begräbnis erhalten haben, die Dunkelziffer muss also viel höher sein", sagt Czubatynski. Ein weiteres wichtiges Ereignis der Weltgeschichte ist die Kalenderreform, Ende des 17. Jahrhunderts. "Das Buch zeigt die Umstellung auf den gregorianischen Kalender. Man ist einfach vom 17. November auf den 29. November gesprungen. Die Tage dazwischen wurden einfach ausgelassen", so Czubatynski.

Zusammen mit den Sterbedaten und Trauungen spiegelt das Kirchenbuch ein Jahrhundert wider, das für die Nachwelt nun wieder zugänglich gemacht worden ist. Das Buch soll vorerst im Museum Pritzwalk der Öffentlichkeit präsentiert werden. Wer damit intensiv arbeiten möchte, sollte dies aber mit Hilfe des Mikrofilm machen, der von dem Buch gemacht worden ist, gibt Czubatynski zu Bedenken.

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