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Parchim: Vorsitzende des Kreisbauernverbandes informiert : Ackerbau ganz ohne Gentechnik

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Zerstörte Kartoffel- oder Maisfelder, Protestmärsche Demon strationen - wenn es um das Thema Gentechnik geht, schlagen die Wogen der Emotionen hoch.

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erstellt am 18.Mär.2011 | 12:04 Uhr

Parchim | Zerstörte Kartoffel- oder Maisfelder, Protestmärsche Demon strationen - wenn es um das Thema Gentechnik geht, schlagen die Wogen der Emotionen hoch. "Dafür gibt es keine wissenschaftliche Erklärung", betont Lutz Reinhardt als Vorsitzende des Kreisbauernverbandes : "Vielmehr wird Angst geschürt und nach Gefühl gehandelt." Deshalb sieht sich Reinhardt aufgefordert, umfassend zu informieren und sachlich zu diskutieren .

"Die rote und weiße Gentechnologie ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und wird von der Bevölkerung akzeptiert", weiß der Kreislandwirt. Rote Gentechnik, so klärt er auf, spielt bei der Produktion von Medikamenten und Impfstoffen oder bei Therapien eine Rolle. Im Bereich der weißen Gentechnik produzieren gentechnisch veränderte Mikroorganismen Enzyme oder Chemikalien. "Enzyme werden zum Beispiel in Käsereien genutzt."

Weiße Gentechnologie gilt als unproblematisch

Gentechnisch veränderte Mikroorganismen erzeugen mehr als 80 Prozent aller bei der Lebensmittelproduktion genutzten Enzyme, aber auch Vitamine oder Aminosäuren als Grundbaustein von Eiweißen. Das Vitamin B2 wird heutztage nicht mehr in einem hochkomplexen achtstufigen Prozess chemisch synthetisiert, sondern von einem Pilz aus Pflanzenöl erzeugt. "Das ließ die Abfälle um 95 Prozent, die Kohlendioxid-Emission um ein Drittel und den Rohstoffverbrauch um 60 Prozent sinken." Weiße Gentechnik ist auch zu 95 Prozent bei der Herstellung von Vitamin C im Einsatz, das sich von dem Vitamin im Zitronensaft dann nicht unterscheidet.

Die weiße Gentechnik wird von der der Bevölkerung als weniger problematisch erachtet, weil sie in einem geschlossenen System stattfindet und gut kontrolliert werden kann. Ob es aber gerechtfertigt ist, trotz der Mitwirkung von gentechnisch veränderten Mikroben erzeugte Lebensmittel mit dem Zusatz "ohne Gentechnik" zu kennzeichnen, ist allerdings umstritten: Das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel (Karlsruhe) hält derartige Kennzeichnungen für Augenwischerei, "Foodwatch" als Organisation für Verbraucherrechte und Transparenz des Lebensmittelmarktes sieht das dagegen nicht als Problem.

"Grüne Gentechnik hingegen wird mehrheitlich abgelehnt", wundert sich Reinhardt über eine emotional überladene Diskussion. Der Kreislandwirt ist davon überzeugt, "dass Gentechnik im Pflanzenbau eine ganz normale Züchtungsmethode wird". Sie werde nicht aufzuhalten sein. Es gehe schließlich darum, für eine enorm wachsende Weltbevölkerung gesunde und preiswerte Lebensmittel zu erzeugen: "Dafür ist die grüne Gentechnik zwar nicht das Allheilmittel, aber ein wichtiger Beitrag, um den Pflanzenschutz zu verbessern und die Erträge zu steigern." Deshalb müsse, so Reinhardt, die Forschung verstärkt werden. "Daran, dass am Hunger in der Welt viel Geld verdient wird, trägt die grüne Gentechnik keine Schuld - das sind politische Fragen."

Reinhardt befürwortet wissenschaftlich begründete Zulassungsverfahren und eine Kennzeichnungspflicht. "Ich halte es allerdings für verlogen, wenn tierische Produkte als gentechnikfrei gepriesen werden, aber in ihnen Zusätze mit Enzymen erlaubt sind, die durch gentechnische Verfahren gewonnen wurden."

Militante Aktionen wie die Zerstörung von Eigentum oder die Bedrohung von Wissenschaftler und Politikern, so Lutz Reinhardt abschließens, "sind für eine sachliche Diskussion um grüne Gentechnik nicht förderlich".

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