Abstrahierte Wirklichkeit

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25. Januar 2010, 08:32 Uhr

Reutershagen | Die Kunsthalle Rostock ist am Sonnabend mit der Eröffnung der Sammlungsausstellung "Otto Manigk, Oskar Manigk - Vater und Sohn" in das neue Jahr gestartet. Die Arbeiten von Vater und Sohn sorgten unter den Besuchern für viel Diskussionsstoff und regten zum Nachdenken an. Oskar Manigk war zur Vernissage selbst vor Ort, überließ jedoch Dr. Jörg-Uwe Neumann, Leiter der Kunsthalle Rostock, und Lutz Wohlrab, Psychoanalytiker, Verleger und intimer Kenner des Werks von Vater und Sohn Manigk, das Wort.

Für die Besucher der Kunsthalle war es schwer zu fassen, dass die ausgestellten Arbeiten beider Künstler nur eine Generation trennt. Die Bilder von Vater und Sohn könnten nicht unterschiedlicher sein. Während bei dem 1902 geborenen Vater impressionistische Züge zu erkennen sind, stellt sein Sohn die Welt, wie er sie sieht, eher expressionistisch und teilweise sogar surreal dar. Doch beide Künstler lassen sich nicht so leicht in eine Kunstströmung einsortieren. Vor allem Oskar Manigk kennt keine Grenzen beim Malen. Er geht mit offenen Augen durch die Welt, abstrahiert das Gesehene und bringt es auf Karton. In seinem Atelier stapeln sich die Bilder in allen Ecken. Einen Eindruck davon konnten die Ausstellungsbesucher durch eine Dokumentation gewinnen. Birthe Dobroczek schreibt ihre Dissertation über Oskar Manigk und weiß um die Vielzahl der Bilder. "Es ist schwierig und spannend zu gleich, zu diesem Thema zu arbeiten, denn allein die Bilder zu sichten, ist eine Herausforderung", so die Doktorandin.

Flächenhaft, teilweise gerahmt und von Schriftzügen durchzogen: So stellt Oskar Manigk bevorzugt das Verhältnis zwischen Frau und Mann dar. Doch auch das Thema Gewalt durchzieht viele seine Arbeiten. Sein Vater hingegen bevorzugt geradlinige Arbeiten, in denen er Ausschnitte aus der Natur und Portraits zeigt. Seine Gemälde sind teilweise akribisch durch Studien geplant. Doch in der Kunsthalle waren es die Bilder des Sohnes, die die Besucher minutenlang fesselten und zu Spekulationen ermunterten. Je genauer und länger sich die Ausstellungsbesucher ein Bild angesehen haben, desto mehr Details fielen ihnen auf und haben eine Deutung ermöglicht. Für den Komponisten Malte Hübner war die Ausstellung sehr anregend. Er bewunderte die Vielschichtigkeit der Werke von Vater und Sohn. In seinem Kopf entstanden beim Anblick der verschiedenen Bilder ganze Geschichten. "Ich bin mir sicher, dass bei einem erneuten Besuch der Ausstellung ganz neue Deutungsansätze entstehen", so Hübner.

In seinem Vortrag weist der Vertraute der Familie Manigk, Lutz Wohlrab, darauf hin, dass Oskar Manigks Bilder sehr deutungsoffen sind. Es gibt bei keinem seiner Bilder eine einzig richtige Interpretation, auch darum wollte der Künstler zur Eröffnung nicht das Wort ergreifen. In einem Rundgang durch die Kunsthalle zeigte sich Oskar Manigk später jedoch gesprächsbereit. Eine große Traube aus Kunstinteressenten versammelte sich um den introvertierten 75-Jährigen, als er zu einigen seiner Werke etwas sagte. Er betonte jedoch immer wieder, dass seine Arbeiten für sich selbst sprechen sollen. Darum trägt vermutlich auch keines seiner Bilder einen Titel.

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