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Lokales

15. Dezember 2017 | 20:29 Uhr

Abschied von der Kindheit

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erstellt am 24.Mai.2010 | 05:38 Uhr

Ludwigslust | Es war ihr großer Tag: 197 Jungen und Mädchen aus der Region nahmen am Sonnabend an der Jugendweihe teil.

Da stehen sie also auf der Treppe in der Ludwigsluster Stadthalle und warten. Warten darauf, dass die Musik erklingt, zu der sie gleich in den großen Saal einziehen werden. Die Mädchen im festlichen Kleid, die Jungen im Anzug oder Jackett. Noch ein letzter Zupfer am fein frisierten Haar. Noch ein letzter Blick ins Foyer, ob nicht doch noch ein Verwandter zu sehen ist, der mit einem beruhigen Lächeln ein wenig die Anspannung nimmt. Aber die Familienangehörigen sitzen alle schon auf ihren Stühlen. Alles ist minutiös geplant. Fast 200 Jugendweihen in einem Durchgang, das ist logistisch nicht zu stemmen. Deshalb gibt es drei Etappen an diesem Vormittag. Pro Festakt eine Stunde, da muss alles passen, und darum helfen rund 25 Ehrenamtliche mit. Vor zehn Jahren, als noch über 600 junge Menschen zur Jugendweihe gingen, da reichte ein Tag nicht aus. "Doch diese Zeiten sind seit dem Geburtenknick vorbei", sagt Irene Korzitze vom Jugendweihe-Verein Mecklenburg-Vorpommern und Leiterin der Basisgruppe Ludwigslust.

Die Musik ertönt, Fotoapparate klicken, Kameras surren. Die über 60 Mädchen und Jungen, die zum zweiten Festakt des Tages gehören, ziehen ein und setzen sich in die vorderen Reihen. Festrede, Live-Musik. Das Duo "Take 2" spielt das Phil Collins-Lied "Another day in paradise". Ein passendes Lied für einen besonderen Tag. Jetzt liest der Moderator die ersten Namen vor und bittet auf die Bühne. Es sind nur ein paar Meter, doch die fallen nicht leicht. Alle schauen zu, und die Kameras einer Video-Produktionsfirma haben auch jeden Schritt im Fokus. Jetzt nur keinen Ausrutscher in den neuen Schuhen, denken sich die Mädchen. Wohin mit meinen feuchten Händen?, fragen sich die Jungen.

Die Zeit zwischen "Nicht mehr" und "Noch nicht"

Auf der Bühne gibt es Glückwünsche, ein Buch, eine Blume und eine Urkunde. Und es gibt Sprüche mit auf den Weg. Ein Spruch steht auch auf den Einladungskarten: Jung sein, erwachsen werden. Die Zeit zwischen "Nicht mehr" und "Noch nicht" erreicht seinen besonderen Höhepunkt. Der Abschied von der Kindheit, Verantwortung tragen, seinen Platz in der Gesellschaft finden - für die vornehmlich 14-Jährigen beginnt ein neuer Lebensabschnitt, und dies wird vielen von ihnen in diesen Augenblicken bewusst. "Sailing" von Rod Stewart - mit diesem Song werden die Jugendlichen verabschiedet.

Vor der Tür wartet schon der nächste Tross, die Jungen und Mädchen, die gleich das lockere, und doch so festliche Ritual der Jugendweihe erleben werden, die Mütter, Väter, Omas, Opas und Geschwister. "Bitte machen sie eine Gasse frei, damit alle hinaus können", sagt ein Ordner.

Saskia, Linh, Tim, Laura-Spohie und Sebastian stehen nebeneinander. Sie halten ihre Präsente in den Händen, und sie wirken gelöst. Aufgeregt? "Jetzt nicht mehr", sagen sie unisono. Und in einem sind sich ebenfalls einig: "Es ist ein besonderer Tag."

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