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Lokales

14. Dezember 2017 | 02:01 Uhr

Abschied vom Klärwerk

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erstellt am 06.Mai.2010 | 07:18 Uhr

Perleberg | Dioden leuchten an der acht Meter langen Anzeigentafel. Auf den großen Flachbildschirmen sind verschiedenfarbige Kurven zu sehen. Sie zeigen Nitrat-, Sauerstoff- und Ammoniumwerte an. All das verfolgt Werner Eckert - nicht in einem großen Chemiebetrieb, sondern im Klärwerk Perleberg. Hier hat er den Hut auf - bis gestern. Nach 38 Jahren und fünf Monaten ist er ab heute im Ruhestand.

Der tägliche Umgang mit Abwasser und Klärschlamm war nicht sein eigentlicher Berufswunsch gewesen. Eckert lernte Elektriker, blieb für zehn Jahre in seinem Ausbildungsbetrieb, bis 1972 das neue Perleberger Klärwerk in Betrieb ging: "Wir konnten eine Betriebswohnung bekommen und zögerten nicht", sagt er.

Die Betriebswohnung ist mittlerweile sein Eigentum, und auch die Arbeit von damals hat mit dem heutigen Berufsalltag kaum noch Gemeinsamkeiten. Die Behandlung des Klärschlamms habe sich völlig verändert.

"Früher haben wir drei Monate gewartet, bis sich die Stoffe abgesetzt hatten, dann brachten wir den Schlamm auf die Felder und waren das Zeug los." Heute wird das Abwasser biologisch gereinigt, der Schlamm maschinell getrocknet und vermarktet. "Einen Großteil nehmen landwirtschaftliche Betriebe ab. Durch den Kalkanteil ist der Schlamm begehrt." Vorteil der Region sei, dass es sich fast ausschließlich um organischen Abfall handele, Schwermetalle die Ausnahme seien.

Etwa 2000 Kubikmeter Abwasser kommen hier täglich an. Die in den Vorjahren nochmals erweiterte und modernisierte Kläranlage hat aber eine Kapazität für bis zu 60 000 Einwohner. Hintergrund ist der Schlachtbetrieb Vion, der große Kapazitäten des Klärwerkes beanspruche.

Die Menge an Klärschlamm variiere je nach Jahreszeit und der damit verbundenen Aktivität der Bakterien: 300 bis 500 Tonnen sind es monatlich.

Von der einst dreckigen und stinkigen Arbeit ist nicht viel geblieben. "Früher sagten viele Pfui, heute ist es durchaus eine gefragte Arbeit", beschreibt Eckert. Klar mache man sich auch heute noch ab und an die Hände schmutzig, warte die Klärbecken. Aber den Hauptteil seiner Arbeitszeit verbringe er im Kontrollraum: "Messwerte überprüfen, Prozesse steuern, Geräte kalibrieren - all das ist reizvoll, bedeutet Abwechslung."

Ab heute wird sich Werner Eckert andere Abwechslung suchen. Ganz leicht fällt ihm der Abschied nicht, das ist deutlich zu spüren. Angst vor Langeweile habe er aber nicht, seine Frau warte bereits auf seinen Ruhestand, gemeinsame Reisen und Besuche der Kinder stehen auf der Wunschliste.

Dass der Klärbetrieb weiter störungsfrei läuft, wird ab heute Peter Micheel garantieren. Der Wittenberge ist gelernter Autoschlosser, war früher für den Bereich Wasserwirtschaft in dieser Funktion tätig. Seit 1993 arbeitet er mit Werner Eckert zusammen, hat die technische Entwicklung begleitet. "Ich kann mich noch an unseren ersten Computer mit dem Betriebssystem Dos erinnern", erzählt Micheel.

Bei der Außenkontrolle macht er am letzten Klärbecken halt. Hier stinkt es nicht mehr, klares Wasser läuft aus dem Becken. "Badewasserqualität", sagt Micheels, auch wenn er es noch nicht ausprobiert habe. Das Wasser laufe in die Stepenitz, damit schließe sich der Kreislauf.

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