Abnehmen auf dem OP-Tisch

Dr. Christoph Prinz untersucht eine Patientin, die aber nicht an Adipositas leidet, nach einer Magenoperation.Hans-Jürgen Kowalzik
Dr. Christoph Prinz untersucht eine Patientin, die aber nicht an Adipositas leidet, nach einer Magenoperation.Hans-Jürgen Kowalzik

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20. November 2009, 11:23 Uhr

Güstrow | Mit 150 Kilogramm Gewicht kam der 45-jährige Mann ins Güstrower KMG-Klinikum. Die Diagnose von Dr. Christoph Prinz, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, lautete: Adipositas, bekannt als die Volkskrankheit Fettleibigkeit bzw. Fettsucht. Aber er diagnostizierte auch Bluthochdruck, Diabetes, Knie- und Hüftschäden. Prinz musste operieren. "Anders kann der Mann nicht mehr abnehmen bzw. wieder eine vernünftige Lebensqualität bekommen", erklärt der Chefarzt die Notwendigkeit des Eingriffs.

Mit einem Magenband ist der Mann inzwischen 50 Kilogramm leichter. Kostenpunkt einer solchen OP: zwischen 4000 und 6000 Euro. Aber es gibt noch andere Möglichkeiten für "Dicken-Eingriffe": Magenballon setzen, Magen-Bypass, Schlauchmagen. Jetzt weilte der Mann zu einem zweiten Eingriff im Güstrower Krankenhaus. Christoph Prinz entfernte ihm eine Bauchdeckenschürze. Auf der Waage sind jetzt 95 Kilogramm zu lesen. Dem Mann geht es wieder gut. Allerdings: Die Komplikationsrate ist da, Nebenwirkungen bleiben. Prinz: "Solche Menschen bleiben unsere Patienten."

Zwischen zehn und 15 solcher Operationen gibt es im Jahr im Güstrower Klinikum. Dafür, dass über 50 Prozent der Deutschen übergewichtig sind bzw. 20 Prozent an Fettsucht erkranken, ist das verhältnismäßig wenig. "Das stimmt", sagt Christoph Prinz. Aber das Güstrower KMG-Klinikum ist darauf auch noch nicht spezialisiert. Güstrow will sich in den nächsten drei Jahren aber zu einem Zentrum entwickeln, in dem die Volkskrankheit Adipositas behandelt wird. Wir sind dabei, das langfristig aufzubauen", sagte gestern Dr. Prinz. Dazu sind auch Investitionen erforderlich. Z.B. Operationstische. Normale OP-Tische sind bis zu 130 Kilogramm ausgerichtet. Das reicht nicht. Auch breitere Betten auf der Intensivstation und in den Krankenzimmern sind nötig.

"Schwergewichtige, kranke Menschen sind also gut für ein Krankenhaus?", fragen wir. "Natürlich nicht", sagt Prinz. Er sieht die Politik und die Gesellschaft in der Verantwortung, um diese Volkskrankheit in den Griff zu bekommen, denn die Therapieerfolge sind begrenzt. Mehr Aufklärung ist notwendig, andere Ernährungsstrategien. Indes: Es bleiben Zweifel. Ein Beispiel? "In den USA werden bereits mehr Menschen wegen ihres Dickseins operiert als an der Galle", so Prinz.

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