Überflutungen : Abholzung für den Hochwasserschutz

Elbaue mit Auwald bei Boizenburg.
Elbaue mit Auwald bei Boizenburg.

Amt stellt Antrag für Fläche bei Boizenburg - Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen gehen gegen hohen Wasserstand vor

svz.de von
19. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Noch in diesem Winter sollen auf einer Fläche von 5,6 Hektar bei Boizenburg für einen besseren Schutz vor Hochwasser Bäume gefällt und Sträucher beseitigt werden. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg habe als verantwortliche Behörde einen entsprechenden Genehmigungsantrag gestellt, teilte das Schweriner Umweltministerium mit.

Im Bereich der Sudemündung in die Elbe ist demnach geplant, durch Abholzung und Entastung den Abfluss des Wassers zu verbessern. Das Ministerium begründete das Vorhaben damit, dass ein ständig zunehmender Bewuchs im Deichvorland hohe Wasserstände verursacht. Die Behörde beruft sich dabei auf ein nach dem Hochwasser 2002 in Auftrag gegebenes Gutachten durch die Bezirksregierung Lüneburg, nach dem die Gehölze dort das Wasser um bis 45 Zentimeter ansteigen ließen.

Im Einzelnen sollen den Angaben zufolge Sträucher, liegendes Totholz und Bäume mit einem Stammdurchmesser von bis zu 30 Zentimetern beseitigt werden. Stärkere, die horizontal wachsen, werden demnach gefällt. Die verbleibenden Bäume sollen bis zu einer Höhe von 3,50 Meter entastet werden, damit beispielsweise bei einem Sommerhochwasser kein Wasserstau durch Geäst und dichtes Blattwerk entstehen kann.

Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen arbeiten bei dem Hochwasserschutz an der Elbe eng zusammen. Gemeinsam wurden 150 Einzelvorhaben aufgelistet, die zu einem besseren Wasserabfluss beitragen sollen. Angedacht sind auch das Anlegen von Flutrinnen, der Anschluss von Altarmen oder Deichrückverlegungen. Die Vorschläge würden jetzt auf ihre Wirkung für den Hochwasserschutz geprüft, hieß es.

Aufgrund der 2013 weiter gestiegenen Wasserstände und immer häufiger auftretender Hochwasser sehen sich laut Landwirtschaftsministerium beide Nachbarländer gezwungen, schnellstmöglich aus diesem Katalog Maßnahmen an besonderen Brennpunkten umzusetzen. „Hier bin ich mir mit meinem Amtskollegen in Niedersachsen einig, dass dringend schnell gehandelt werden muss“, sagte Minister Till Backhaus (SPD). In Niedersachsen werden seit Oktober bereits fünf Hochwasserschutz-Projekte unter anderem bei Gehölzen umgesetzt.

Backhaus bezeichnete das Abholzungsvorhaben bei Boizenburg als dringlich. „Das Hochwasserabflussprofil verengt sich in diesem Bereich von 1580 auf 823 Meter. Aufgrund des sich anschließenden Hochufers auf der rechten Elbeseite und der Ortschaft Brackede linksseitig in Niedersachsen ist eine Profilerweiterung durch Deichrückverlegung nicht möglich“, stellte er klar.

Bestandteil des Genehmigungsverfahrens sind die umfangreiche Kartierung des besonders geschützten Lebensraumes sowie die Planung von Ausgleichsmaßnahmen. Der Ausgleich soll nach der Abholzung erfolgen. Die dafür angedachten Flächen liegen im Bereich der Sude. Sie sind nach erster Einschätzung der Naturschutzbehörden für eine Kompensation geeignet.

Das Vorhaben bei Boizenburg wurde dem Schweriner Ministerium zufolge im April 2014 der EU-Kommission vorgestellt. Sie habe bestätigte, dass Gründe für eine Ausnahme vom Verbot des Eingriffs in den prioritären Lebensraum gegeben seien.

Das Kuratorium für das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Mecklenburg-Vorpommern bekundete inzwischen seine Unterstützung für das gemeinsame Vorgehen von Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes an der Unteren Mittelelbe zwischen Dömitz und Boizenburg. Es sei nach mehreren Hochwassern an der Elbe dringend erforderlich, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, hieß es in einer Erklärung. Ein funktionierender Hochwasserschutz sei für die Menschen an der Elbe von existenzieller Bedeutung. Dem Kuratorium gehören unter anderem der Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim, das Amt Boizenburg-Land, das Amt Zarrentin, die Stadt Boizenburg und der Förderverein Biosphäre Elbe MV an.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein hatte Ende Oktober vor einer Abholzung gewarnt. Er sieht dadurch mehr Hochwassergefahren für sogenannte Unterlieger wie beispielsweise Lauenburg. Zudem stünden die Wälder als seltener Lebensraum und Heimat vieler bedrohter Arten grundsätzlich unter Schutz.

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