55 Einsätze für Seenotretter

Die Reihen der Seenotretter verstärkt der Zweite Vormann des Kreuzers 'Arkona' Mario Lange seit 1997.   Georg Scharnweber
Die Reihen der Seenotretter verstärkt der Zweite Vormann des Kreuzers "Arkona" Mario Lange seit 1997. Georg Scharnweber

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09. Februar 2011, 06:24 Uhr

Warnemünde | Für die Besatzung des Seenotkreuzers "Arkona", der seinen Liegeplatz im Alten Strom hat, war 2010 ein interessantes, aber mit 55 Einsätzen kein ungewöhnliches, sondern eher ein durchschnittliches Jahr. Gut in Erinnerung ist Mario Lange und seinen Kollegen der Untergang des Kutters "Vagel Grip" im Alten Strom. "Das passierte am Tag der Seenotretter, den wir mit unseren Kollegen in Kühlungsborn gestalten wollten. Daraus wurde nichts, wir mussten zurück nach Warnemünde, u m dem Havaristen zu helfen", erinnert sich der Zweite Vormann an das Aufsehen erregende Ereignis.

Kurs Fehmarn nahm die "Arkona" am 9. Oktober, als die unter litauischer Flagge fahrende Auto- und Personenfähre "Lisco Gloria" einer dänischen Reederei in Flammen stand. "Kurz nach 6 Uhr morgens haben wir sechs Mann eines Verletzten-Versorgungsteams wie Berufsfeuerwehrleute aus Bremen an Bord genommen und sind zur Unglücksstelle. Doch als wir ankamen waren alle 249 Passagiere und Besatzungsmitglieder bereits in Sicherheit", sagt Lange, der noch heute über das Schreckensszenario nachdenkt. "Auch wenn unser Einsatz nicht erforderlich war, solch ein großes, 200 Meter langes Schiff in Flammen zu sehen, da macht man sich seine Gedanken. Wäre der Brand drei Stunden später ausgebrochen, dann hätte sich das alles hier vor unserer Haustür abgespielt", vermutet der 43-Jährige.

Vielfach wurden die Warnemünder Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) von Sportboot-Fahrern um Hilfe gebeten. Motorprobleme wurden als häufigster Grund genannt. "Aber wir haben oft festgestellt, dass den Besitzern ganz einfach der Sprit ausgegangen war, weil das Wetter das Segelsetzen nicht zugelassen hatte und folglich die Kraft des Motors länger als geplant gefragt war. Andere wiederum haben es sich bei sehr stürmischen Winden nicht gewagt, ohne Hilfe die Moleneinfahrt anzusteuern. Aber egal, wir kommen gern und helfen", versichert der versierte Fahrensmann, der seine Karriere bei der Fischerei startete.

Er erinnert sich auch an einen Hilferuf von einem Arbeitsschiff, das mit mehreren Personen an Bord unterwegs zur Plattform des Windparks Baltic I vor der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst war. Ein Mann war umgekippt. Es bestand der Verdacht auf Herzinfarkt. Jede Minute zählte. "Wir haben eine Notärztin an Bord genommen uns sind los. Unterwegs kam uns das andere Schiff bereits entgegen, auf das die Medizinerin dann unverzüglich umgestiegen ist. Gemeinsam haben wir Kurs Warnemünde genommen, wo der Patient im Neuen Strom an Land und in einen Rettungswagen gehievt worden ist", schildert Mario Lange den Einsatz.

Jeden Sonnabend heißen die Seenotretter an Bord ihres Rettungskreuzers "Arkona" rund ein halbes Dutzend freiwillige Helfer zur Ausbildung willkommen. "Wenn Not am Mann oder der Frau ist, können wir uns auf unsere Freiwilligen jederzeit verlassen. Gerade ist ein Kollege wegen Krankheit ausgefallen. Ein Student des Warnemünder Bereiches Seefahrt der Hochschule Wismar, der bei uns eine Top-Ausbildung erhalten hat, ist eingesprungen. So kann er jetzt den ganz normalen Alltag an Bord hautnah erleben", sagt Lange, der nach der Saison im Herbst die "Arkona" mit seinen Männern planmäßig in die Werft bringen wird. "Werftzeiten stehen regelmäßig aller zwei Jahre an. Allerdings musste das Schiff im vergangenen Jahr außerplanmäßig mal kurz aus dem Wasser. Da wir mehrfach durch Eis gefahren sind, war die oberste Schutzschicht des Unterwasseranstrichs beschädigt. In der Gehlsdorfer Werft wurde alles in Ordnung gebracht", versichert der Vormann.

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